Geschichte in der Qualität von Romanen erzählt, das ist wohl eine gute Zusammenfassung für den Erfolg dieses Schriftstellers. Massie ist dabei insbesondere mit Büchern über Russland und seine Zarenfamillie in Erscheinung getreten, sowie mit einigen Werken über Ereignisse und Personen um die Jahrhundertwende vom 19. in das 20. Jahrhundert. Für mich ist sein bestes Werk "Dreadnought", eine Beschreibung des Heraufziehens des 1. Weltkrieges (auf Deutsch: Schalen des Zorns). In diesem Werk nimmt die Flottenpolitik Willhems des Zweiten, des damaligen Deutschen Kaisers einen wesentlichen Teil ein. Aber auch die Technologie des Krieges, die in diesen Jahren zum ersten Mal eine eigene, von der Politik nicht mehr zu kontrollierende Dynamik entfaltet, spielt eine wesentliche Rolle.
Castles of Steel ist am besten als Nachfolger von Dreadnought zu lesen. Hier wird der Seekrieg im 1. Weltkrieg geschildert, und es wird klar, wie die oft theoretischen Erwägungen der Handelnden sich in der Praxis bewähren oder auch nicht. Ein wesentlicher Punkt ist auch hier wieder die Technologie: Zwar hat man um 1914 den Höhepunkt der technischen Entwicklung der Schlachtschiffe erreicht, aber auch Torpedos, Schnellboote und Unterseeboote sind schon im Einsatz, die dann im 2. Weltkrieg die Schlachtschiffe zu einer nur beschränkt wirksamen Waffe werden lassen.
Aber Massie beschreibt nicht nur Technologie. Detailliert erzählt er über Taktik und Strategie, über die handelnden Personen, über den Verlauf der (relativ wenigen) Seeschlachten, über menschliche Dramen und politische Entwicklungen. Auch die Auswirkungen des militärisch nur beschränkt wirksamen Seekrieges auf den gesamten Kriegsverlauf werden erläutert (Handelsblockade, Kriegseintritt der USA).
Es gelingt Massie, ein Panaroma zu entwerfen, dass den Leser in die damalige Zeit versetzt und den Horizont der damals Handelnden transparent werden lässt. Das Buch liest sich auch spannend. Dennch scheint mir persönlich die romanhafte Erzählungsweise von Massie einem Thema der Militärgeschichte nicht ganz zu angemessen zu sein, wie den politischen und kulturellen Themen seiner anderen Werke. Vor diesem Hintergrund war Dreadnought doch noch eine Spur spannender.