Es hat zwei geschlagen und damit wird es für die erfolgreiche ABC Krimiserie "Castle" noch länger nicht enden. Staffel 4 ist im vollen Gange, die Quoten konstant und ABC wird sich hüten, hier vorzeitig den Stecker zu ziehen (Stichwort "Syndication").
Kurz zur Handlung: Allgemein gilt selbiges, wie bei meiner Rezension zur ersten Staffel. Die schlagfertige Krimiserie "Castle" hievt das klassische "Schreiberling auf Mörderjagd" Schema ins 21 Jahrhundert. Richard Castle (markant: Nathan "Firefly" Fillion - er wird es nicht leicht haben, sich später anderwertig neu zu etablieren), seines Zeichens charmanter Starautor diverser Groschenromane, findet in der toughen Detective Kate Beckett (nicht minder passend gespielt von Stana Katic, die im Laufe der Serie zudem sehr in ihre Figur wächst) seine neue Muse und Inspiration für seinen nächsten Krimi-Roman. Über seine Verbindungen zum Bürgermeister durfte er zwecks Recherche und gegen ihren Willen (obgleich oder weil sie selbst Fan seiner Bücher ist) Teil ihres Mord-Ermittlungsteams werden (wobei die Leichen nebenbeigesagt in dieser Serie schon recht heftig inszeniert sein können). Aber eigentlich ging es für ihn von Anfang an vor allem darum, in Beckett's Nähe zu sein. Natürlich hat sich aus dieser Zusammenarbeit eine tiefe Freundschaft entwickelt. Eine Freundschaft, die weit über den ersten Roman mit Castle's Romanheldin "Nikky Heat" hinausreichen wird und eine Freundschaft, die zugleich stets mit tieferen Gefühlen verknüpft ist...
Die DrehbuchautorInnen scheinen Spaß an ihrer Arbeit zu finden. Nicht umsonst wurde der in der zweiten Staffel der Serie mehrfach diskutierte erste "Nikky Heat" Roman ("Heat Wave") real veröffentlicht und zwar unter dem Pseudonym - wie könnte es anders sein - Richard Castle. Wer sich den Spaß machen will, kann sich dieses Buch als Einstimmung auf Staffel II genehmigen. Die Begeisterung der DrehbuchautorInnen verliert sich im übrigen auch während der dritten Staffel nicht und das Niveau bleibt konstant unterhaltsam!
Im Unterschied zu Klassikern (Agatha Christie, Mord ist ihr Hobby...) ist Richard Castle was die Mordaufklärung angeht, absolut kein Einzelgänger. Er ist auf Beckett, ihre Kollegen und seine Famile (seine Tochter, seine Mutter) angewiesen. Meist bewegen sich seine Hypothesen auf geradezu kindlich naivem Groschenroman Niveau und nicht selten liegen sie einfach falsch. Doch genau diese Naivität bringt so manche Untersuchung auf die richtige Spur. Castle's Witz und Beckett's trockener Humor ergeben dabei eine treffende Mischung (und stellen die deutsche Übersetzung hin und wieder auf die Probe). Weiterer Eckpfeiler ist die liebevolle Vater/Tochter Beziehung zwischen Castle (als alleinerziehender Vater) zu seiner Tochter, sowie seiner Mutter. Tochter Alexis wird von Molly C. Quinn verkörpert, von der wir (soviel traue ich mich wetten) noch über "Castle" hinaus einiges hören und sehen werden. Etwas erinnert mich diese gelungen gezeichnete Beziehung an das Mutter-Tochter Gespann bei "Gilmore Girls" nur eben mit veränderten Vorzeichen (und deutlich positiverer Beziehung zur Mutter).
Was mich allerdings eher weniger überzeugt, ist die staffelübergreifende Handlung. Aus meiner Sicht ist sie eher im soliden Durchschnitt anzusiedeln. "Castle" tut sich besonders schwer im Umgang mit der emotionalen Beziehung zwischen Castle und Beckett. Wie bei vielen US-Serien, stellt sich auch hier die klassische Frage: wann finden die beiden Hauptfiguren zueinander. Passiert es mitten im Verlauf einer Serie, kann es die Dynamik zerstören (v.a. wenn das, was die Serie ausmacht, so nicht mehr funktioniert). Wird die Liebesgeschichte hinweg über viele Satffeln verschleppt, kann das nach einer gewissen Zeit geradezu lästig werden (z.B. "Lois & Clark: The New Adventures of Superman"). In diesem eher wenig orginellen Spannungsfeld bewegt sich somit also diese ABC Krimiserie. Zuwenig wird meiner Meinung nach versucht, andere - also über die Beziehungsebene hinausreichende - übergreifende Handlungsstränge zu etablieren. Teils geschieht das zwar (über mehrere Staffeln hinweg ist der Mord an Kate Beckett's Mutter eine wesentliche narrative Komponente und ein Hauptantrieb für ihre Figur und wird in einigen Episoden aufgegriffen), aber letzten Endes verstrickt sich die Handlung im emotionalen Hin und Her der Hauptfiguren. Der Flirt zwischen Castle und Beckett mag seinen Reiz haben, doch als fundamentaler Tragebalken ist die Sache etwas dünn gestrickt. Aus meiner Perspektive wäre es zudem sehr wohl denkbar gewesen, dass Castle als Autor aus anderen Motiven als Liebe an Board bleibt - das hätte der Serie einigen Freiraum mehr verschafft!
Fazit: "Castle" ist eine überaus liebevoll umgesetzte, unkomplizierte und vor allem lockere Krimiserie, mit Potential für einige Staffeln. Die Besetzung ist passend, die Rollen markant verteilt. Das Niveau bleibt über die einzelnen Folgen hinweg erfreulich konstant (diese sind zumeist gut bis sehr gut, mit kaum Aussetzern). Einzig die Liebesgeschichte wirkt für meinen Geschmack phasenweise etwas erzwungen und die damit zusammenhängende, episodenübergreifende Handlung haut mich nicht von den Socken. Die deutsche Synchronisation ist ebenso verbesserungsfähig. Trotzdem ist es eine sehr empfehlenswerte, höchst charmante Serie mit Witz!