Der schlitzohrige Krimi-Bestseller-Autor Richard Castle, gerade in einer Schaffenskrise, wird in die Arbeit des Teams um die verlässliche Polizistin Kate Beckett verwickelt, als jemand Morde aus seinem Buch nachahmt. An Verlauf und Aufklärung des Falls maßgeblich beteiligt, wählt er sich die zunächst wenig begeisterte Beckett als neue Muse, die als Modell für seine neue Romanheldin fungieren soll. Dabei kann er mit seinen guten Kontakten punkten, während sie ihm Einblicke in die wahre Polizeiwelt gibt.
Im Vordergrund stehen in dieser Serie neben dem witzigen Schlagabtausch der Hauptpersonen eindeutig die zwischenmenschlichen Beziehungen, Da muss der alleinerziehende Castle als Vater einer 15-jährigen Tochter plötzlich feststellen, dass die Welt Gefahren enthält, die er, trotz seines Krimihintergrundes, bisher noch niemals so nah gesehen hatte. Für Beckett, die darunter leidet, dass der Mord an ihrer Mutter niemals aufgeklärt wurde, zeigt Castle einen ganz anderen Einblick in ihre Fälle, da er von der Storyseite her die Mordfälle hinterfragt. Da er sich dabei aber oft wie ein Kind im Spielzeugladen verhält, gewinnt der Ernst eher selten die Überhand.
Dazu kommen noch gut ausgearbeitete Nebencharaktere, wie Castles schillernde Mutter Martha und seine fast schon zu normale Tochter Alexis, Becketts zwei loyale, verschmitzte Kollegen, ihr sympathischer Chef Montgomery und Becketts beste Freundin, die lockere Pathologin Lanie Parisch (die hoffentlich in zukünftigen Folgen etwas mehr Raum finden wird). Dazu kommen noch Gastauftritte, z. B. von Robert Picardo und James Patterson.
Die Synchronisation ist sehr gelungen, auch wenn ich das Original deutlich bevorzuge. Es gibt nur wenige Stellen zum Kopfschütteln, wenn z. B. Nancy Drew mit Miss Marple übersetzt wird, auch wenn es an der Stelle passt.
Neben den zehn Folgen der Staffel sind als Extras noch diverse, recht kurze Featurettes über die Entstehung Castles zu finden, größtenteils mit Interviews. Dazu noch Pannen vom Dreh und ein witziger Tag im Leben eines Mystery-Autors, in dem Nathan Fillion von Stephen J. Cannell lernen soll, wie es bei Autoren so zugeht und sich dabei nicht gerade geschickt anstellt. Es ist übrigens alles gut untertitelt.
Außerdem gibt es Audiokommentare zur Pilotepisode, zur Episode Gefrorenes Blut, und zur Abschlussfolge gibt es gleich zwei Audiokommentare. Diese zeigen alle zum einen, wie ausgezeichnet sich die Mitwirkenden verstanden haben, zum anderen bringen sie auch interessante Informationen zu den Folgen. Da erfährt man z. B., dass einer der Darsteller im Barack-Walk läuft oder was an der übergelifteten Dame denn nun wirklich echt war (Ich sage nur: Wachslippen). Ganz besonders hat mir im Kommentar zur Pilotfolge die Sequenz gefallen, in der kurz der Gedankengang von Beckett gesprochen wird, als sie erkennt, dass Castle ihr nicht nur etwas geschenkt, sondern auch etwas gestohlen hat.
Die spritzigen Wortgefechte und netten Einfälle lassen dann auch darüber hinwegsehen, dass die Krimifälle denn doch stereotyp abgehandelt werden. Es ist eben in der Serie nicht so, wie Beckett es doch deutlich sagt, dass die Polizeiarbeit meist mit Kriminalromanen kaum etwas zu tun hat, sondern es muss im Gegenteil, wie Castle es sagt, die Story stimmen, und so wirken die Fälle dann doch sehr erdacht. Letztlich steht aber nunmal nicht der Krimi im Vordergrund, sondern das Geplänkel. Mir gefällt diese witzige Serie mit dramatischen Anklängen trotzdem und die DVD bekommt von mir die volle Punktzahl.