Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
The Devil In The Bloodline, 11. Dezember 2008
Norman Mailer, who died in November 2007 continues to provoke. His novel, "The Gospel According to the Son," in which he attempted to inhabit Jesus Christ, felt less like a creative vision than a head-butt against eternity. The material had a built-in obstruction to Mailer's gift of sympathetic self-surrender: Jesus was a nice, middle-class Jewish boy from Nazareth. His last novel "On God" was a conversation with his friend and literary executor, Michael Lennon. Now, in his first novel in 10 years - perhaps in some sort of logic - Mailer is describing Adolf Hitler ("Adi") from the perspective of the devil.
The book is about the psyche of Adolf Hitler's literally bedeviled boyhood. So it is not a stretch for the book's jacket copy to insist that "now, on the eve of his 84th birthday, Norman Mailer may well be saying more than he ever has before." Aimez-vous history? Obviously, this is not your usual historical novel. Also it is not the almost superhumanly detached fulfillment of the somewhat depressed boast Mailer made nearly half a century ago in "Advertisements for Myself": "I wish to attempt an entrance into the mysteries of murder, suicide, incest, orgy, orgasm and Time."
This remarkable novel about the young Adolf Hitler, his family and their shifting circumstances, is Mailer's most perfect apprehension of the absolutely alien. No wonder it is narrated by a devil.
In "The Castle in the Forest," the devil-narrator -- who is living in the body of an SS man named Dieter -- tells a little tale about the tale he is telling. "It is more than a memoir and certainly has to be most curious as a biography since it is as privileged as a novel. I do possess the freedom to enter many a mind." Seldom is the banality of evil made this literal. Mr. Mailer has undertaken the ostensibly tough job of explaining Hitler's origins, then narrowed his attention to the nuts and bolts (talk about Freudian!) of fractious family life.
He spies on the Hitler household through the eyes of a pantingly nosy narrator who poses as a Nazi Intelligence officer but claims to have been sent by the Devil, "You may call me D.T. That is short for Dieter." This observer, stiff and Viagran in prose style, is always eager to witness "the most agreeable work of all - that hard-breathing, feverish meat-heavy run up the hills of physical joy."
This narrator painstakingly analyzes Adolf Hitler's origins. He examines the implications of a doubly incestuous bloodline (which is not new speculation). He leaves no stage of toilet-training unplumbed, finding much to work with in "excretory dramas." Or as Dieter puts it: "As a devil, I am obliged to live intimately with excrement in all its forms, physical and mental. I know the emotional waste of ugly and disappointing events, the sour indwelling poison of unjust punishment, the corrosion of impotent thoughts, and, of course, I also have to engage caca itself."
There is no weary celebration of the demonic here, no facile declaration of evil's universal latency. Mailer, who believes in God and the Devil the way Greeks and Romans believed in meddling supernatural rivals, has never had sympathy for the Devil, and he has none here. "Our aim, after all," Dieter says of Satan's purposes, "was to keep reducing human possibilities." Far from being a smooth minion of dapper Mephistopheles, Dieter is, for one thing, an awful story-teller. To readers unwilling to have the novel interrupted by Dieter's account of his assignment to the coronation of Nicholas II in Russia -- Mailer's Tolstoyan reimagination of that time and event -- Dieter says sloppily: "Just turn to Page 261. Adolf Hitler's story will pick up again right there." Mailer has contempt for this devil, surpassed only by his loathing for young Adolf. Yet Mailer is also in awe of the devil's multifarious nature. Dieter coquettishly insinuates that he wishes to betray Satan and go over to the side of the "Dummkopf," a name Satan insists his legions call God so as to conjure a derisive image of a being who has a great, magnetic claim on their respect. (Mailer would be a fearsome adversary in the arena of office politics.) It is Dieter's very complexity -- "real complexity could savage a liberal brain" -- that inflames Mailer and which he thus conscientiously evokes.
Tricky or not, "The Castle in the Forest" has Norman Mailer's unmistakable hallmarks. The new book is lascivious, grandiose, cosmically critical (finding something Teutonic in technology and touting it as the Devil's own handiwork), and filled with pronouncements on the nature of evil.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Hitler als Einsatz des Teufels im Kampf gegen Gott - Norman Mailers Erklärung des Bösen in Hitler, 3. Juni 2008
Norman Mailer gehört mit Sicherheit zu den wichtigsten amerikanischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Durch sein Erstlingswerk "The Naked and the Dead" wurde der 25-jährige Mailer 1948 mit einem Schlag berühmt und von vielen als zweiter Hemingway bezeichnet. Umso schwieriger war es für Mailer, den Anforderungen, die fortan an ihn gestellt wurden, gerecht zu werden. Böse Stimmen behaupteten sogar, keines seiner mehr als zwei Dutzend späteren Werke erreiche die Qualität seines Erstlingswerks.
Fast 60 Jahre später, weniger als ein halbes Jahr vor seinem Tod im November 2007, erschien sein letzter Roman, der Roman, den er schon immer hatte schreiben wollen: Mailers Antwort auf die Frage, wodurch Hitler zu dem wurde, als den wir ihn alle kennen. Der Roman entfaltet das undurchsichtige inzestuöse Geflecht der Familie Hitler, das Leben von Hitlers Eltern und Großeltern, den Alltag bei Hitlers zu Hause in Gasthäusern, auf dem Land bei der Bienenzucht, in der Schule und bei Kriegsspielen des kleinen Adolfs mit seinen Geschwistern, die Schikanen durch den älteren Bruder sowie seine an dem jüngeren. Man erfährt die aufopferungsvolle Liebe der Mutter zu ihrem Sohn, die Konflikte mit dem Vater sowie Adolfs Kampf um Anerkennung.
Mailer kommt zu dem Schluss, dass der Teufel seine Finger im Spiel hatte. In Mailers Weltbild stehen der Teufel und Gott als gegeneinander kämpfende Mächte gegenüber, der Teufel verfolgt dabei erbarmungslos sein Ziel, die Welt von den Menschen zu befreien. "The Castle in the Forest" ist aus Sicht eines Assistenten des Teufels geschrieben, der, ohne jedoch vollständig in die Absichten seines Chefs eingeweiht zu sein, mit dem Fall Adolf Hitler beauftragt wurde, sich später in einem SS-Mann einnistet und im engsten Kreis um Himmler steht. Bereits bei der Zeugung war er zugegen und beeinflusste Adolfs Entwicklung u. a. durch "dream-etching". Doch die Wirkung des Teufels reicht weit darüber hinaus. Auch der Mord an Sissi geht auf seine Rechnung, genauso die Katastrophe auf dem Kodynskoe-Feld kurz nach der Krönung Zar Nikolaus II.. Mailer beschreibt diese Episode sehr ausführlich, aber dennoch wird die Erzählung nie langweilig. Gerade hier zeigt Mailer, welche Dimensionen der Kampf zwischen Gott und seinen Engeln (Cudgels) und dem Teufel und seinen Assistenten annimmt und wie bestimmte Menschen von ihnen befallen werden und zum Zankapfel zwischen dem "Maestro", wie er den Teufel nennt, und Gott (kurz D.K. für "Dummkopf") werden.
Die Stimmen zu "The Castle in the Forest" waren in Deutschland überwiegend negativ, Mailers Stil galt vielen als zu vulgär, seine ausführlichen Beschreibungen z. B. von Hitlers analer Phase als unerträglich. Letztendlich ist es aber so, dass Mailer sich sehr genau an die Fachliteratur, die Aussagen über Hitlers Jugend macht, gehalten halt. Die ausführliche Bibliographie am Ende des Buchs sowie ein Blick meinerseits in mehrere Hitler-Biographien belegen dies. Hitlers Vater war tatsächlich leidenschaftlicher Imker und wurde unzählige Male gestochen, Adolf benutzte tatsächlich sein Realschulzeugnis als Klopapierersatz und Kriegsspiele mit seinen Klassenkameraden hat er auch gespielt. Dort, wo keine Quellen eines besseren belehren können, greift Mailers Phantasie und seine wahre Kunst. Nichts ist komplett an den Haaren herbeigezogen, stets denkt man, so könne es durchaus gewesen sein. So klingt bei der belegten ungezügelten Sexualität von Hitlers Vater Mailers These, Adolfs Mutter sei zugleich seines Vaters Tochter, die dieser mit seiner Halbschwester gezeugt habe, gar nicht so abwegig. Genauso wenig ist die Möglichkeit, dass Adolf durch die Vorträge seines Vaters über die Bienenzucht und die in einem Bienenstock geltenden darwinistischen Prinzipien erste Ansätze seiner Rassenideologie entwickelte als unhaltbar von der Hand zu weisen. Die Meinung, der Teufel habe seine Finger im Spiel gehabt, ist ein Bestandteil Mailers synkretistischen Weltbilds, kann deswegen aber nicht apodiktisch als falsch verworfen werden. Sie liefert einen möglichen Interpretationsansatz zum Verständnis des elementar Bösen, obgleich Hitler keineswegs Sklave des Teufels ist, sondern sehr wohl Entscheidungsspielraum hat, sich aber dem Bösen schließlich ganz ergibt.
Im Jahre 1905, nach Hitlers Abbruch der Realschule, endet die Handlung. In seinen letzten Interviews sagte Mailer, es seien noch gut tausend weitere Seiten zu füllen, die Recherche über Hitlers weiteren Lebensweg sei abgeschlossen, sie müsse nur noch zu Papier gebracht werden. Doch sein Körper versagte ihm den Dienst.
Dennoch ist dieser Roman ein hochspannendes, in sich geschlossenes literarisches Werk von hoher literarischer Qualität, das einmal einen andern Blick auf die Person Hitlers wirft, zumal seine Jugend eine der wenigen Seiten seines Lebens ist, die noch nicht bis ins letzte Detail erforscht ist und noch Spielraum für Fantasie bereit hält. Nicht zuletzt überzeugte mich "The Castle in the Forest" dadurch, dass ich fortwährend das Gefühl hatte, mittendrin in der Handlung zu sein. Mailer hat ein letztes Mal gezeigt, dass er zu den ganz Großen der amerikanischen Literatur gehört.
Tipp: Unbedingt auf Englisch lesen!
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Anatomie des Bösen, 22. Februar 2007
Also mit richtig viel Freude habe ich es nicht gelesen. Aber vielleicht ist das ja auch zuviel erwartet, bei diesem Thema.
Es ist schon ein spannendes Unternehmen. Norman Mailer versucht eine Frage zu beantworten, die sich viele stellen, die sich mit der größten Katastrophe des 20. Jahrhundert beschäftigen: Was hat sich dieser Mensch eigentlich dabei gedacht? Dieser Hitler, als er Europa in einen Trümmerhaufen verwandelte, Millionen industriell töten lies aufgrund der Religion ihrer Vorfahren und für wahrscheinlich insgesamt 50 Millionen Tote sorgte? Was ging in diesem Kopf vor? Was für ein Mensch war das? Ist der Satz richtig, dass selbst den Bösen in der Geschichte ihr eigenes Verhalten aus eigener Perspektive immer noch rational erscheint? Oder haben wir hier wirklich das "reine Böse" vor uns, jenseits aller Rationalität und Menschlichkeit?
Norman Mailer scheint mir darauf eine geteilte Antwort zu geben. Ja, er versucht eine biographische Begründung. Er erzählt von der Kindheit Adolf Hitlers. Von der Familie aus der hintersten Provinz Österreichs, von einem überdominanten und bewusst atheistischen Vater, vom Sterben vieler Kinder durch Krankheiten, von geistiger und ökonomischer Enge. Mailer zeichnet ein realistisches Bild von der traurigen Lebenswirklichkeit in der Provinz. Meist ist es eine nicht unübliche Familiengeschichte, die erzählt wird. In einigen, wichtigen Punkten weicht aber die Familie von der Norm ab. So ist Adolf das Ergebnis von mehrfachem Inzest, nach der Version von Mailer war Adolfs Mutter sogar selbst ein Kind von Adolfs Vater, also so genannter Inzest ersten Grades. Folge ist dann ein Missbildung im Genitalbereich und später zeitweilige Impotenz. Bereits in der Jugend erfolgen die ersten Kriegsspiele, natürlich mit Adolf als (An-) Führer. Ein Schmied sorgt für den "eisernen Willen". Der Höhepunkt ist schließlich das Vergasen eines Bienenvolkes, nach vielen, langen Textstellen, die Bienenvölker und Nationen vergleichbar erscheinen lassen. Und es gibt dann noch einen Haufen seelischer und körperlicher Gewalt. Und nicht zuletzt ist schon Adolfs anale Phase, ganz nach Freud, extrem kompliziert und wird bis ins letzte Detail dargestellt. Und ja, wir bekommen ein extrem unsympathisches Kind vorgestellt, so wie selten in der Literatur.
Aber Mailer reicht die biographische Erklärung des Bösen offensichtlich nicht aus. Der Teufel muss ins Spiel. Und so führt Mailer gleich zu Beginn des Buches einen Erzähler ein, der selbst zwar nicht der Teufel, aber doch einer seiner liebsten Mitarbeiter ist. Und der vom großen "Maestro" die Aufgabe bekommt, sich dieses kleinen Kindes anzunehmen und aus dem Kind einen großen, bösen Mann zu machen. Und es geht noch weiter. Damit man das Böse versteht berichtet der Unterteufel auch noch gleich von seinen anderen Aufgaben - der Ermordung von Kaiserin Sissi, dem Ruinieren der Zarenfamilie in Russland vier Tage nach der Krönung des Zaren und einigen weiteren, kleinen Untaten. Leider ist das alles nur oberflächlich mit Adolfs Geschichte verbunden. Es schafft eher ein Panorama der Zeit. Das Sissis Mörder eine erste, sexuelle Phantasie von Adolf werden darf, wirkt dagegen etwas gewollt.
Braucht man den Teufel, um das Phänomen Adolf Hitler zu erklären? Ich meine, eher nein. Leider schaffen wir Menschen das mit dem Bösen schon ganz von allein. Für mich verdeckt die Konstruktion des Erzählers die Tatsache, dass die kommende Katastrophe eben doch in den Menschen schon angelegt war, so auch in den Überzeugungen eines 19. Jahrhunderts, dass eben nicht immer humanistisch war sondern auch oft ein Marktplatz von Ideen und Ideologien, die den Menschen als Einzelnen nicht mehr in den Mittelpunkt einer ethischen Idee stellten. Und es verdeckt auch die Tatsache, dass Menschen sich dieser Ideen bedienen, um dann die ganz persönlichen Neurosen auf Kosten anderer auszuleben. Und das bis zu deren Tod.
Geschrieben ist das ganze clever, mit einem gewissen Humor und vielen starken Szenen auf der einen, aber auch einigen Längen auf der anderen Seite. Herrlich: Die Darstellung eines Eremiten, vom Teufel instrumentalisiert, homosexuell, der viel zu Bienenvölkern zu sagen hat. Herrlich auch die Figur des Bruders von Adolf, des schwarzen Schafs in der Familie, Hassobjekt aber wohl auch Vorbild von Adolf zugleich. Ein Bild von einem Arier, hoch zu Ross, arrogant, ein Frauentyp, dabei arbeitsscheu, eigentlich völlig unfähig. Auch herrlich sind einige der Erklärungen des Teufels, wie die über die besondere Qualifikation eines Politikers: Man muss nur schnell genug an seine eigenen Lügen glauben können. Nervend dagegen die endlose Wartezeit auf das Überleben von zwei Bienenvölkern im Winter und generell die Passagen über die Arbeit auf dem Bauernhof. Nervend auch die Neigung des erzählenden Protagonisten, die Handlung immer wieder dem Leser erklären zu müssen.
Am Ende ist das Buch dann leider etwas schnell vorbei. 1933 tritt kein Kind mehr an die Spitze Weimars, sondern ein ausgewachsener Diktator. Aber dazu kann das Buch leider nicht mehr viel sagen, es endet mit Adolfs Abschied aus dem Elternhaus im Jahre 1905. Adolf Hitler wurde 17 in diesem Jahr.
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