Das Debütalbum der Decemberists zeigt die Akustikrocker aus den Staaten direkt von ihrer besten Seite. Mit wunderschön dahinperlendem, oft klavier- und akustikgitarrendominierten Folk-Rock sorgen sie für unglaublich stimmungsvolle Momente, teils schwungvoll-augenzwinkernd, zumeist allerdings melancholisch-melodiös, getragen von der ebenso markanten wie unerreicht-angenehmen Stimme des hauptverantwortlichen Songwriters und Frontmanns Colin Meloy. Dieses Erfolgsrezept geht dabei vor allem deshalb schon auf dem Debütalbum so reibungslos auf, weil einfach die Qualität und Variabilität im Songwriting da ist, und diese Songideen zudem perfekt auf den Akustik-Rock-Sound der Band abgestimmt sind. Charakteristisch hierfür sind bereits die ersten Sekunden des Albums: Die voluminösen, wie Regentropfen an einem Herbsttag aufs Fenster prasselnden Akkorde der 12-saitigen Akustikgitarre bei "Leslie Anne Levine" machen von Anfang an deutlich, wohin die musikalische Reise mit den Decemberists geht: stringent in Richtung angenehm-herbstlicher Melancholie, textlich durchaus ernsthaft-reflektierend und auch mal die dunklen Seiten der menschlichen Existenz beleuchtend (wie in besagtem Titelsong). Der zweite Song "Here I Dreamt I Was an Architect" ist dann bereits einer der Highlights des Albums. Ein ebenso simples wie eingängiges Riff der clean gespielten E-Gitarre kennzeichnet den Song, der melodieverliebt durchs Midtempo schwebt, ehe mit "July, July" eine erste schwungvolle und eher fröhlich gestimmte Nummer für die nötige Abwechslung sorgt. Auf "A Cautionary Song" kommt dann das bei den Decemberists immer präsente musikalische Geschichtsbewusstsein zum Ausdruck: Es handelt sich um eine maritim und altertümlich anmutende, akkordeondominierte Nummer in langsamem Marschtempo, die sich textlich an ein Kind wendet, das vom lyrischen Ich des Songs davon überzeugt werden soll, seine Mutter wertzuschätzen, die es nur als Prostituierte durchbringen kann; eine ebenso nachdenkliche wie auch stellenweise ironisch verfahrende Nummer über ein ernstes Thema. Das von Tempowechseln geprägte "Odalisque" lässt sich ähnlich charakterisieren, ehe zwei absolute Highlights des Albums folgen: "Cocoon" ist eine lang angelegte, langsame 6/8-Nummer mit wunderbar dahinschwelgender Charakteristik, irgendwo zwischen traurig und erbaulich bewegt sich die Charakteristik dieser traumschönen Klavierarpeggios und Gitarrenakkorde. "Grace Cathedral Hill" folgt diesem Song, und steht ihm in nichts nach: Etwas temporeicher und kürzer, dafür umso eingängiger präsentiert sich dieser melancholische Pop-Song als perfekte Folk-Rock-Komposition. Es folgt die schwungvolle Shuffle-Nummer "The Legionnaire's Lament" mit seinem Pariser Akkordeon-Charme und seinem mitreißenden Refrain, ehe mit dem im Singer/Songwriter-Stil präsentierten "Clementine" einmal mehr die sanftmütige Seite der Decemberists überzeugend, ja regelrecht rührend zum Ausdruck kommt. Den Abschluss macht das 10 Minuten lange, zweigeteilte "California One/Youth and Beauty Brigade", dessen erster Teil ein sehr eingängiger Slow-Rock-Song ist, der nahtlos in einen schwungvollen Part 2 übergeht, der dieses Album ohne Schwächen gekonnt abschließt. Auch wenn die Decemberists auf späteren Alben sicherlich ihr stilistisches Repertoire gut erweitern konnten, ohne ihre melancholische Seite zu verleugnen, bildet für mich doch kein anderes Album der Band aus Portland, Oregon die Grundstimmung ihrer Musik in Songs von so hoher songschreiberischer Qualität ab. Ein Pflicht-Album für Freunde des Folk-Rocks jüngerer Prägung!