brenn, Alter, rase, wenn die Dämmerung lauert.Im Sterbelicht sei doppelt zornentfacht..." Dieses Gedicht von Dylan Thomas spielt in "Die Auswahl" eine große Rolle und trifft wunderbar den Geist der Geschichte. Sich nicht einfach mit den Gegebenheiten und seinem vermeintlichen Schicksal abzufinden, darum geht es in erster Linie in diesem wirklich schönem Buch, mit einem wie ich finde sehr plumpen und unglücklich gewählten Titel.
Natürlich fällt auf dem Umschlag wieder der Name Stephenie Meyer (zumindest auf meiner Vorab- Buchhändlerausgabe )- für mich eigentlich immer ein Grund das betreffende Werk nicht zu lesen. Nicht weil ich die Bücher von Stephenie Meyer nicht mag, im Gegenteil, sondern weil doch das neue Buch so direkt in eine Schublade gedrängt wird, der es nur in den seltensten Fällen gerecht werden kann.
Da ich aber gerne Zukunftsutopien lese, habe ich dem Auftakt zur 'Ky und Cassia'-Trilogie trotzdem eine Chance gegeben. Und ich muss gestehen: tatsächlich liegt der Vergleich mit der Biss-Reihe diesmal nah. Und das obwohl der Inhalt doch so ganz anders ist...
Irgendwann in einer weit (?) entfernten Zukunft gibt es das Zusammenleben, wie wir es heute kennen schon lange nicht mehr. Die Menschen leben in verschiedenen Provinzen einer gut strukturierten und perfekt organisierten Gesellschaft.
Darunter gehört zum Beispiel, das jeder Mensch mit 80 Jahren kontrolliert stirbt, weil dies statistisch gesehen nun mal das beste Alter zum sterben ist: man hatte genug Zeit, ein erfülltes Leben zu führen, aber der Verfall des Körpers und des Geistes ist noch nicht zu stark vorangeschritten.
Für die 17jährige Cassia steht der Höhepunkt ihres gesellschaftlichen Lebens an- ihr Paarungsbanket, jene Feierlichkeit auf der ihr ihr zukünftiger Ehemann zugeteilt wird; der Junge mit dem sie perfekt zusammen passt. Und Anfangs kann sie ihr Glück kaum fassen: der Auserwählte ist Xander, ihr bester Freund seit Kindheitstagen. Doch dann geschieht das unfassbare, der ach so perfekten Gesellschaft unterläuft ein Fehler und auf Cassias Mikrochip erscheint nicht Xanders, sondern Kys Gesicht, ein Junge der am Rande der Gesellschaft lebt und deswegen niemals heiraten darf...Und plötzlich regen sich in Cassia Zweifel. Sind Gefühle kontrollierbar? Kann die Gesellschaft bestimmen, wen man liebt?
Tatsächlich wirkt der erste Band der Trilogie ein bißchen wie ein Prolog, weil eigentlich recht wenig geschieht. Wer also auf Action und große Kämpfe steht, für den ist dieses Buch sicher nicht das richtige. Gegen Ende hin nimmt die Geschichte aber deutlich an Fahrt auf, sodass ich es wirklich gemein finde, dass ich nun über 10 Monate auf den zweiten Teil warten muss.
Die Beschreibung der Gesellschaft finde ich persönlich jetzt gar nicht mal so originell, solche Zukunftsvisionen hat man so oder so ähnlich schon öfter gelesen (Ich denke da an 'Die Tribute von Panem'oder 'Güter der Erinnerung'...ja ich weiß ich bin scheinheilig weil ich jetzt selber Vergleiche ziehe).
Was hat mir dann an 'Die Auswahl' so gut gefallen?
Zum einen ist Ally Condie die Charakterzeichnung sehr schön gelungen. Cassia ist ein Mädchen, was man sehr schnell in sein Herz schließt, weil sie zwar nicht alles bedingungslos schluckt, was die Gesellschaft ihr diktiert, sie aber trotzdem am Anfang noch keine kämpferische Rebellin ist. Dadurch kann man sich gut mit ihr identifizieren. Auch Cassias Familie, ihre beste Freundin Em und der nette Xander sind alles sehr sympathische Figuren, die durchaus ein paar Ecken und Kanten haben. Und grade die Geschichte von Cassias Eltern wirft einige Fragen auf und ich bin sehr gespannt, wie es weitergehen wird.
Die mit Abstand interessanteste Figur ist aber der mysteriöse Ky. Man kann verstehen, warum Cassia so in seinen Bann gerät und genau wie sie fühlt man sich immer mehr zu ihm hingezogen, je mehr man von seiner persönlichen Geschichte erfährt.
Und jetzt kommt der Vergleich zu Stephenie Meyer noch mal ins Spiel:
Was mich an 'Bis(s)' erinnert hat, war die Art und Weise wie Condie die Liebesgeschichte zwischen Cassia und Ky aufgebaut und deren Gefühle beschrieben hat. Dieses vorsichtige Aneinander rantasten, sich langsam öffnen und einander vertrauen hat mich stark an die Entwicklung von Bella und Edward erinnert. Und das meine ich jetzt ganz positiv, da die Geschichte wie schon gesagt an sich ganz anders ist und es nur um das Kribbeln geht, dass ich beim Lesen bei allen Szenen mit Cassia und Ky hatte. Einfach wunderschön geschrieben, es erinnert einen an die eigene erste Liebe.
Und deswegen sage ich allen Romantasy-Fans, für die es nicht immer die ganz große Action sein muss: gebt diesem tollen Buch eine Chance!