Dies ist einer der klassischen Krimis von Agatha Christie, vergleichbar mit "Tod auf dem Nil" oder "Mord im Orientexpress". Klassisch deshalb, weil der Leser mitgenommen wird in eine sich immer weiter entwickelnde Geschichte von Morden, Verdächtigungen und Enttarnungen.
Der Plot der Geschichte ist schnell erzählt: Zehn Menschen werden auf eine von der Außenwelt abgeschotteten Insel gelockt und mit der Tatsache konfrontiert, dass einer von Ihnen ein Mörder ist, der sich zum Ziel gesetzt hat, alle anderen zu töten. Als Grund für die Tötung der anderen werden Verbrechen genannt, die jeder einzelne der Anwesenden begangen hat, die aber allesamt rechtlich nicht zu verfolgen sind. Der Mörder nimmt also praktisch das Gesetz in die eigenen Hände und wird zum Richter und Henker der anderen zugleich. Bis zum Schluss bleibt unklar, wer diese Person ist. Da Christie aber viele Szenen aus der Perspektive der einzelnen Figuren beschreibt, erhält man den einen oder anderen Hinweis. Letztlich ausschließen kann man einen Verdächtigen aber grundsätzlich (!) erst, wenn er zum Opfer des Mörders geworden ist. Alle noch Lebenden bleiben verdächtig.
Etwas unschön sind ein paar Nebenaspekte der Handlung, etwa die Tatsache, dass sich das Wetter schlagartig zu verschlechtern scheint, als alle zehn auf der Inel sind. Wegen des schlechten Wetters können sie weder die Insel verlassen noch Hilfe herbeirufen. Außerdem sind einige der Morde von so unglaublichen Zufällen begleitet (der Mörder findet in allen Fällen irgendeine Gelegenheit, sein Vorhaben ohne Zeugen und in aller Ruhe durchzuführen), dass die Serie der erfolgreichen Morde sehr unrealistisch klingt. Das ist ein wenig schade, ändert aber nichts daran, dass der Roman unglaublich spannend geschrieben und fesselnd ist, und das ohne Hercule Poirot oder Jane Marple.