CASSANDRA'S DREAM ist der letzte Film einer "London-Trilogie" von Woody Allen - und nach der seichten Komödie SCOOP wieder eine Rückkehr zu den dunklen Themen von MATCH POINT. Wieder geht es um den Aufstieg am gesellschaftlichen Parkett und wie weit man dafür zu gehen bereit ist. Diesmal ist der Film aber in der Londoner Working-Class anstelle der Aristokratie angesiedelt.
Ewan McGregor und Colin Farrell geben hier zwei Brüder aus einfachem Haus, die unterschiedlicher nicht sein könnten, deren Probleme aber einen gemeinsamen Nenner haben: beide brauchen Geld. Zum Glück haben sie einen wohlhabenden Schönheitschirurgen (in Gestalt von Tom Wilkinson) zum Onkel, der für eine Finanzspritze aber eine ungewöhnliche Gegenleistung einfordert - jemand soll aus dem Weg geräumt werden. "Family loyalty cuts both ways" ist seine - durchaus logische - Begründung.
Eine weitere Variation von Schuld & Sühne und den griechischen Tragödien also - und mit seiner Optik und dem Score von Philipp Glass schlägt der Film einen ähnlich kühlen, herz- und humorlosen Ton wie MATCH POINT an. Auch hier gibt es wenige Sympathieträger, dennoch sind die Brüder (der eine ein Möchtegern-Player mit einer anspruchsvollen Freundin, der andere ein grader Michel mit einem Spielsuchtproblem) zu bedauern, wenn sie sich langsam aber sicher ins Verderben manövrieren. Wieweit McGregor (als Schotte) und Farrell (als Ire) glaubhaft Süd-Londoner verkörpern, vermag ich nicht zu beurteilen, aber die Chemie zwischen ihnen stimmt jedenfalls und sie geben ein sehr unterschiedliches, aber dennoch überzeugend eingeschworenes Brüderpaar ab.
Obwohl mir Plot und auch Ausgang des Films schon vorab bekannt waren, empfand ich den Film trotz seiner stattlichen Länge von 108 Minuten nie langweilig. Die Entwicklung der Geschichte ist interessant, und obwohl man von anfang an klar auf ein tragisches Ende zusteuert, hält der Film immer wieder Überraschungen bereit. Man merkt auch dass die Schauspieler die Gelegenheit, in einem Woody-Allen-Film mitzuspielen, zu schätzen wissen und die langen Dialogsequenzen auskosten. An VERBRECHEN UND ANDERE KLEINIGKEITEN kommt auch dieser Film nicht heran, aber er ist - wie schon MATCH POINT - ansprechend erzählt und gespielt.