Als Nachfolger der Doppelveröffentlichung "I'm Wide Awake It's Morning"/"Digital Ash in a Digital Urn", auf der Conor Oberst und seine Freunde den Spagath zwischen gewohnt folkigen Songwriter-Klängen auf der einen und einem sehr gelungenen Ausflug in die Electronica-Szene auf der anderen Seite wagten, liefert der Ausnahmesongwriter und Sänger mit der markanten Jungen-Stimme mit "Cassadaga" ein facettenreiches und im Sound sehr variables, insgesamt aber doch wieder stark dem Folk und Country-Sound verbundenes Album voller ganz starker Songs ab. Dass er dabei über die Länge von 13 Tracks fast komplett ohne Füllmaterial auskommt, ist ebenso bemerkenswert wie seine nach dem ganz starken digitalen Vorgänger nicht selbstverständliche, aber für meine Begriffe sehr kluge und entschlossene Rückkehr in sein Kern-Genre.
In Sachen Songwriting scheint er dabei nochmal eine Spur gereift zu sein. Der etwas nebulös daherkommende Opener "Clairaudients" ist dabei noch eine der etwas schwächeren Nummern, das schwungvolle "Four Winds" mit seinen markanten Country-Fiedeln führt dann direkt die ganz große Stärke Obersts und seiner Mistreiter vor Augen: ihr perfektes Stilbewusstsein für den genau richtigen Grad an Country-Sound, der einen in die Prärien des amerikanischen Kernlands entführt, ohne dabei Hinterwäldler-Assoziationen zu erzeugen und den intellektuellen und politisch liberalen Anspruch Obersts zu untergraben. Genau dieses Stilbewusstsein prägt den Sound vieler weiterer Tracks: "If the Breakman Turns My Way" kracht mitreißend und mit einem superkraftvollen Refrain durchs Midtempo, "Make a Plan to Love Me" bezaubert mit wundervollen Holzbläsern und einem tollen Love-Song-Text, der genau so knapp die Grenze zum Kitsch meidet, dass es einen so richtig anrührt, der 6/8 "Soul Singer in the Session Band" packt den Hörer mit seiner ebenso simplen wie effektvollen Melodieführung und "Classic Cars" ist eine richtig starke Country-Nummer mit Honky Tonk-Piano, im Mid-Tempo ähnlich akzentuiert dahingeschmettert wie schon "Brakeman". Das trotzig-wertkonservativ-augenzwinkernde "I Must Belong Somewhere" schlägt, mit Slide-Guitar und im hektischem 2/4-Takt, ebenfalls so richtig schön in diese Country-Kerbe, während Songs wie das düstere "Middleman" oder der hypnotisch-hypermodern daherkommende "Coat Check Boat Dream Song" das nötige Gegengewicht zu den eher traditionell klingenden, zuvor erwähnten Tracks darbieten und so Obersts Verwurzeltsein im Hier und Jetzt unterstreichen. Auch wenn diese Elemente unerlässlich für die Stärke des Albums als Ganzheit sind, überragen insgesamt - sowohl quantitativ als auch qualitativ - die countryartigen Stücke alles. Ihnen verdankt "Cassadaga" seinen für Conor Oberst und Bright Eyes so wunderbar charakteristischen und ebenso facettenreichen wie mit hohem Wiedererkennungswert ausgestatteten Sound. Ein echtes Top-Album vom schönen Knaben aus Omaha, Nebraska!