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Biografie

Was jetzt passiert, wird anders. Ganz anders. Am 27. September 2013 erschien »Hinterland«, das neue Casper-Album. Es ist das insgesamt dritte Soloalbum des Rappers, der sich nach dem ganz großen Durchbruch mit „XOXO“ einmal mehr musikalisch neu erfunden hat. Von Komfortzonen und festgezurrten Erwartungshaltungen sollten wir uns also verabschieden.
Das machen im Prinzip schon die ersten Töne des Openers »Im Ascheregen« klar, gleichzeitig auch die erste Single des Albums. Ein gewaltiges Monstrum von einem Song, das von einem Klavier, Paukenschlägen und majestätischen Bläsern eingeleitet wird. ... Lesen Sie mehr

Was jetzt passiert, wird anders. Ganz anders. Am 27. September 2013 erschien »Hinterland«, das neue Casper-Album. Es ist das insgesamt dritte Soloalbum des Rappers, der sich nach dem ganz großen Durchbruch mit „XOXO“ einmal mehr musikalisch neu erfunden hat. Von Komfortzonen und festgezurrten Erwartungshaltungen sollten wir uns also verabschieden.
Das machen im Prinzip schon die ersten Töne des Openers »Im Ascheregen« klar, gleichzeitig auch die erste Single des Albums. Ein gewaltiges Monstrum von einem Song, das von einem Klavier, Paukenschlägen und majestätischen Bläsern eingeleitet wird. Doch kurz bevor der Song ins Kitschige kippen kann, kommt diese einmalige Stimme: »Und wieder von vorn, Fuß aufs Gas/In ein gutes Jahr/Sofort los (...) Richtung Zukunft fahren/Weg von immer nur Leben ohne Riesengefahren«, rappt er unter anderem – und hat damit die wesentliche Maxime dieses Albums auf den Punkt gebracht.
»Hinterland« ist eine Referenz an Springsteen und Americana und ganz viel mehr. Die Essenz einer reichhaltigen musikalischen Sozialisation. »Hinterland« lässt das Alte hinter sich und umarmt das neue. Die wichtigste Nachricht aber ist: »Hinterland« funktioniert. Mit spielerischer Leichtigkeit gelingt es Casper, seine mannigfaltigen musikalischen Einflüsse zu bündeln und zu einer homogenen Platte zu verdichten. Weil dieser Mann inzwischen über eine derart starke Signatur verfügt, dass er die vielen Länder und Kontinente seines musikalischen Imperiums spielend zusammenbringt. Anders ausgedrückt: Sobald Casper den Mund aufmacht, ist es Casper-Musik.
Casper ist ein musikalischer Grenzgänger, das ist eh klar. Sein letztes Album »XOXO« mischte die Karten im HipHop-Game neu und vitalisierte ein totgesagtes Genre. Eine noch größere Überraschung war allerdings die Tatsache, dass Casper mit seinen tiefbiografisch gefärbten Texten den Nerv einer ganzen Generation traf. Völlig unerwartet stieg »XOXO« auf Platz eins der Charts ein, binnen weniger Monate spielte Casper Aberhunderte Shows, die größten Festivals und wurde ausführlich zitiert.
Als der ganze Trubel sich schließlich legte, tat Casper das einzig Sinnvolle: Er machte weiter. Im Oktober 2012 fährt er nur wenige Wochen nach dem letzten großen Festival-Auftritt zu »XOXO« mit einer handverlesenen Gruppe von Musikern nach Spanien, um dort die Basis für »Hinterland« zu erarbeiten. Neben Konrad Betcher und Jan Korbach aus der Casper-Band ist damals auch schon Markus Ganter dabei, ein hochmusikalischer junger Produzent, der unter anderem das Debüt der Band Sizarr aufgenommen hat. Ganter zur Seite steht bei der Produktion von »Hinterland« kein Geringerer als Konstantin Gropper, der Mann hinter Get Well Soon. Ein ideales Team, um die bis ins kleinste Detail präzisierten Ideen des Nichtmusikers, aber exzellenten Dirigenten Casper umzusetzen. Bereits in Spanien entstehen die Grundlagen für sechs neue Songs. Im Herbst 2012 zieht Casper dann nach Mannheim, die Heimat von Ganter und Gropper, nimmt sich ein Zimmer in einer WG und vollendet »Hinterland« in bis zum Sommer in Markus Ganters kleinem Kellerstudio.
Man muss sich das einfach mal vorstellen: Nach dem »XOXO«-Erfolg hätte er nach New York oder Los Angeles gehen können, um dort mit den profiliertesten Rap-Produzenten der Welt zu arbeiten. Er hätte sich die besten Features und die fettesten Beats holen können – stattdessen nimmt er ein Album mit renommierten Indie-Musikern auf, die der Rap-Welt nicht ferner sein könnten.
Und Tom Smith singt.
Richtig gelesen: Neben Kraftklub ist der Editors-Frontmann der einzige prominente Gast auf diesem Album. Smith kam drei Tage nach Berlin, um mit »diesem deutschen Rapper« einige Skizzen aufzunehmen, aus denen schließlich »Lux Lisbon« entstand, ein Song von enormer Tiefe, der grenzenlose Räume aufmacht.
Und auch in die USA ist er trotzdem gegangen, nur nicht in der oben beschriebenen Weise. Die Heimat zu besuchen, war für den gebürtigen Amerikaner Benjamin Griffey ein wichtiges Element seiner musikalischen Spurensuche. In Mississippi, der heutigen Heimat seines Vaters, entstanden unter anderem die Videos zu den ersten beiden Singles – und das prägnante Album-Cover. »Ich hatte immer dieses klischeehafte Bild von den Seetaufen aus der Zeit der amerikanischen Apartheid im Kopf«, erklärt Casper. »Religion hat eine wunderschöne Ästhetik, ich finde das aber auch gleichzeitig alles sehr unheimlich, diesen Zwiespalt hat es für mich schon immer in meiner Musik gegeben.«
Es gibt aber noch einen anderen, viel wichtigeren Amerika-Bezug auf diesem Album. Weil »Hinterland« Geschichten erzählt, für die Deutschland schon immer zu eng war. Casper hat die großen Springsteen-Epen von der kleinen Stadt, dem Ausbruch aus den Konventionen und der Hoffnung auf ein besseres Leben irgendwo da draußen verinnerlicht. So entstanden Songs vom Leben auf der Straße, wie sie in diesem Land auf diese Weise keiner erzählt, schon gar nicht im HipHop.
Das Americana-Element in den Texten Caspers korrespondiert indes trefflich mit seiner genuinen HipHop-Sozialisation. Weil er am Ende natürlich doch immer noch diesen sportlichen Ehrgeiz hat, die eine Hammerzeile rauszuhauen, die alles andere in den Schatten stellt. Diese besonderen Zeilen wirken auf »Hinterland« noch viel kräftiger als zuletzt, eben weil sie nicht mehr ganz so oft eingesetzt werden. Weil Casper den Mut aufbringt, Reim-Schemata zu durchbrechen und ein bisschen roher zu texten. Und wenn dann ein Kracher kommt wie »Die falschen Drogen zur richtigen Zeit« oder »Für alles zu haben, zu kaum was zu gebrauchen« (beides »Hinterland«), dann sitzt das eben richtig.
Nicht nur deshalb ist Casper seit »XOXO« textlich auf Augenhöhe mit den ganz Großen. Auch wenn die Texte diesmal nicht ganz so krass im Vordergrund standen wie zuletzt. Weil man die eigene Lebensgeschichte in dieser Intensität und Intimität ja auch nur einmal erzählen kann. »Trotzdem empfinde ich die Platte textlich als einen Schritt nach vorne«, sagt er. »Dadurch, dass ich mir mehr Melodien zugetraut habe, ist es textlich viel runtergestrippter.«
Bestes Beispiel: »Ariel«. Immer zwischen Gesang und Rap changierend, singt er hier mit einer hochmelodiösen Intensität, wie sie im Rap sonst nur Leute wie Drake erreichen. Musikalisch findet sein Vortrag mit verhalltem Schlagzeug, Geisterchören und einer reduzierten Akustikgitarre eine perfekte Entsprechung. »Ariel« ist ein ungewöhnlicher Beitrag auf »Hinterland«, weil der Song einen Unglücksfall in Caspers Familie thematisiert. Plötzlich gab es also doch wieder eine Art »Michael X« – weil das Leben einem manchmal die Inhalte diktiert.
Am weitesten hinaus wagt sich Casper vielleicht mit »La Rue Morgue«. Ein betrunkener Geisterchor trifft hier auf Tom-Waits-artige Erzählstrukturen – ein Song wie die Szene mit der Sklavenkarawane in Quentin Tarantinos letztem Film »Django Unchained«. Ein durchaus naheliegendes Bild übrigens, denn ähnlich wie der Großmeister des Zitatkinos ist auch »Hinterland« eine riesige Hommage an die mannigfaltige Sozialisation des Künstlers, die indes von dessen einzigartiger Handschrift und Cleverness zusammengehalten wird. Im Prinzip bedient er sich also immer noch klassischer HipHop-Werkzeuge, nur dass die Samples hier keine Samples sind, sondern nach dem Rock-Prinzip produzierte, analog aufgenommene Passagen.
»Es ging bei dieser Platte schon auch darum, mich musikalisch neu zu erfinden«, sagt Casper. »Ich muss jetzt nicht noch mal eine Rap-Platte machen, weil die hab ich ja schon gemacht. Und die introvertierte, autobiografische Bekenntnisplatte hab ich eben auch gemacht. Mich reizt immer das Neue, ich will nicht stehenbleiben.

Diese Biografie wurde von den Künstlern oder deren Vertretern bereitgestellt.

Was jetzt passiert, wird anders. Ganz anders. Am 27. September 2013 erschien »Hinterland«, das neue Casper-Album. Es ist das insgesamt dritte Soloalbum des Rappers, der sich nach dem ganz großen Durchbruch mit „XOXO“ einmal mehr musikalisch neu erfunden hat. Von Komfortzonen und festgezurrten Erwartungshaltungen sollten wir uns also verabschieden.
Das machen im Prinzip schon die ersten Töne des Openers »Im Ascheregen« klar, gleichzeitig auch die erste Single des Albums. Ein gewaltiges Monstrum von einem Song, das von einem Klavier, Paukenschlägen und majestätischen Bläsern eingeleitet wird. Doch kurz bevor der Song ins Kitschige kippen kann, kommt diese einmalige Stimme: »Und wieder von vorn, Fuß aufs Gas/In ein gutes Jahr/Sofort los (...) Richtung Zukunft fahren/Weg von immer nur Leben ohne Riesengefahren«, rappt er unter anderem – und hat damit die wesentliche Maxime dieses Albums auf den Punkt gebracht.
»Hinterland« ist eine Referenz an Springsteen und Americana und ganz viel mehr. Die Essenz einer reichhaltigen musikalischen Sozialisation. »Hinterland« lässt das Alte hinter sich und umarmt das neue. Die wichtigste Nachricht aber ist: »Hinterland« funktioniert. Mit spielerischer Leichtigkeit gelingt es Casper, seine mannigfaltigen musikalischen Einflüsse zu bündeln und zu einer homogenen Platte zu verdichten. Weil dieser Mann inzwischen über eine derart starke Signatur verfügt, dass er die vielen Länder und Kontinente seines musikalischen Imperiums spielend zusammenbringt. Anders ausgedrückt: Sobald Casper den Mund aufmacht, ist es Casper-Musik.
Casper ist ein musikalischer Grenzgänger, das ist eh klar. Sein letztes Album »XOXO« mischte die Karten im HipHop-Game neu und vitalisierte ein totgesagtes Genre. Eine noch größere Überraschung war allerdings die Tatsache, dass Casper mit seinen tiefbiografisch gefärbten Texten den Nerv einer ganzen Generation traf. Völlig unerwartet stieg »XOXO« auf Platz eins der Charts ein, binnen weniger Monate spielte Casper Aberhunderte Shows, die größten Festivals und wurde ausführlich zitiert.
Als der ganze Trubel sich schließlich legte, tat Casper das einzig Sinnvolle: Er machte weiter. Im Oktober 2012 fährt er nur wenige Wochen nach dem letzten großen Festival-Auftritt zu »XOXO« mit einer handverlesenen Gruppe von Musikern nach Spanien, um dort die Basis für »Hinterland« zu erarbeiten. Neben Konrad Betcher und Jan Korbach aus der Casper-Band ist damals auch schon Markus Ganter dabei, ein hochmusikalischer junger Produzent, der unter anderem das Debüt der Band Sizarr aufgenommen hat. Ganter zur Seite steht bei der Produktion von »Hinterland« kein Geringerer als Konstantin Gropper, der Mann hinter Get Well Soon. Ein ideales Team, um die bis ins kleinste Detail präzisierten Ideen des Nichtmusikers, aber exzellenten Dirigenten Casper umzusetzen. Bereits in Spanien entstehen die Grundlagen für sechs neue Songs. Im Herbst 2012 zieht Casper dann nach Mannheim, die Heimat von Ganter und Gropper, nimmt sich ein Zimmer in einer WG und vollendet »Hinterland« in bis zum Sommer in Markus Ganters kleinem Kellerstudio.
Man muss sich das einfach mal vorstellen: Nach dem »XOXO«-Erfolg hätte er nach New York oder Los Angeles gehen können, um dort mit den profiliertesten Rap-Produzenten der Welt zu arbeiten. Er hätte sich die besten Features und die fettesten Beats holen können – stattdessen nimmt er ein Album mit renommierten Indie-Musikern auf, die der Rap-Welt nicht ferner sein könnten.
Und Tom Smith singt.
Richtig gelesen: Neben Kraftklub ist der Editors-Frontmann der einzige prominente Gast auf diesem Album. Smith kam drei Tage nach Berlin, um mit »diesem deutschen Rapper« einige Skizzen aufzunehmen, aus denen schließlich »Lux Lisbon« entstand, ein Song von enormer Tiefe, der grenzenlose Räume aufmacht.
Und auch in die USA ist er trotzdem gegangen, nur nicht in der oben beschriebenen Weise. Die Heimat zu besuchen, war für den gebürtigen Amerikaner Benjamin Griffey ein wichtiges Element seiner musikalischen Spurensuche. In Mississippi, der heutigen Heimat seines Vaters, entstanden unter anderem die Videos zu den ersten beiden Singles – und das prägnante Album-Cover. »Ich hatte immer dieses klischeehafte Bild von den Seetaufen aus der Zeit der amerikanischen Apartheid im Kopf«, erklärt Casper. »Religion hat eine wunderschöne Ästhetik, ich finde das aber auch gleichzeitig alles sehr unheimlich, diesen Zwiespalt hat es für mich schon immer in meiner Musik gegeben.«
Es gibt aber noch einen anderen, viel wichtigeren Amerika-Bezug auf diesem Album. Weil »Hinterland« Geschichten erzählt, für die Deutschland schon immer zu eng war. Casper hat die großen Springsteen-Epen von der kleinen Stadt, dem Ausbruch aus den Konventionen und der Hoffnung auf ein besseres Leben irgendwo da draußen verinnerlicht. So entstanden Songs vom Leben auf der Straße, wie sie in diesem Land auf diese Weise keiner erzählt, schon gar nicht im HipHop.
Das Americana-Element in den Texten Caspers korrespondiert indes trefflich mit seiner genuinen HipHop-Sozialisation. Weil er am Ende natürlich doch immer noch diesen sportlichen Ehrgeiz hat, die eine Hammerzeile rauszuhauen, die alles andere in den Schatten stellt. Diese besonderen Zeilen wirken auf »Hinterland« noch viel kräftiger als zuletzt, eben weil sie nicht mehr ganz so oft eingesetzt werden. Weil Casper den Mut aufbringt, Reim-Schemata zu durchbrechen und ein bisschen roher zu texten. Und wenn dann ein Kracher kommt wie »Die falschen Drogen zur richtigen Zeit« oder »Für alles zu haben, zu kaum was zu gebrauchen« (beides »Hinterland«), dann sitzt das eben richtig.
Nicht nur deshalb ist Casper seit »XOXO« textlich auf Augenhöhe mit den ganz Großen. Auch wenn die Texte diesmal nicht ganz so krass im Vordergrund standen wie zuletzt. Weil man die eigene Lebensgeschichte in dieser Intensität und Intimität ja auch nur einmal erzählen kann. »Trotzdem empfinde ich die Platte textlich als einen Schritt nach vorne«, sagt er. »Dadurch, dass ich mir mehr Melodien zugetraut habe, ist es textlich viel runtergestrippter.«
Bestes Beispiel: »Ariel«. Immer zwischen Gesang und Rap changierend, singt er hier mit einer hochmelodiösen Intensität, wie sie im Rap sonst nur Leute wie Drake erreichen. Musikalisch findet sein Vortrag mit verhalltem Schlagzeug, Geisterchören und einer reduzierten Akustikgitarre eine perfekte Entsprechung. »Ariel« ist ein ungewöhnlicher Beitrag auf »Hinterland«, weil der Song einen Unglücksfall in Caspers Familie thematisiert. Plötzlich gab es also doch wieder eine Art »Michael X« – weil das Leben einem manchmal die Inhalte diktiert.
Am weitesten hinaus wagt sich Casper vielleicht mit »La Rue Morgue«. Ein betrunkener Geisterchor trifft hier auf Tom-Waits-artige Erzählstrukturen – ein Song wie die Szene mit der Sklavenkarawane in Quentin Tarantinos letztem Film »Django Unchained«. Ein durchaus naheliegendes Bild übrigens, denn ähnlich wie der Großmeister des Zitatkinos ist auch »Hinterland« eine riesige Hommage an die mannigfaltige Sozialisation des Künstlers, die indes von dessen einzigartiger Handschrift und Cleverness zusammengehalten wird. Im Prinzip bedient er sich also immer noch klassischer HipHop-Werkzeuge, nur dass die Samples hier keine Samples sind, sondern nach dem Rock-Prinzip produzierte, analog aufgenommene Passagen.
»Es ging bei dieser Platte schon auch darum, mich musikalisch neu zu erfinden«, sagt Casper. »Ich muss jetzt nicht noch mal eine Rap-Platte machen, weil die hab ich ja schon gemacht. Und die introvertierte, autobiografische Bekenntnisplatte hab ich eben auch gemacht. Mich reizt immer das Neue, ich will nicht stehenbleiben.

Diese Biografie wurde von den Künstlern oder deren Vertretern bereitgestellt.

Was jetzt passiert, wird anders. Ganz anders. Am 27. September 2013 erschien »Hinterland«, das neue Casper-Album. Es ist das insgesamt dritte Soloalbum des Rappers, der sich nach dem ganz großen Durchbruch mit „XOXO“ einmal mehr musikalisch neu erfunden hat. Von Komfortzonen und festgezurrten Erwartungshaltungen sollten wir uns also verabschieden.
Das machen im Prinzip schon die ersten Töne des Openers »Im Ascheregen« klar, gleichzeitig auch die erste Single des Albums. Ein gewaltiges Monstrum von einem Song, das von einem Klavier, Paukenschlägen und majestätischen Bläsern eingeleitet wird. Doch kurz bevor der Song ins Kitschige kippen kann, kommt diese einmalige Stimme: »Und wieder von vorn, Fuß aufs Gas/In ein gutes Jahr/Sofort los (...) Richtung Zukunft fahren/Weg von immer nur Leben ohne Riesengefahren«, rappt er unter anderem – und hat damit die wesentliche Maxime dieses Albums auf den Punkt gebracht.
»Hinterland« ist eine Referenz an Springsteen und Americana und ganz viel mehr. Die Essenz einer reichhaltigen musikalischen Sozialisation. »Hinterland« lässt das Alte hinter sich und umarmt das neue. Die wichtigste Nachricht aber ist: »Hinterland« funktioniert. Mit spielerischer Leichtigkeit gelingt es Casper, seine mannigfaltigen musikalischen Einflüsse zu bündeln und zu einer homogenen Platte zu verdichten. Weil dieser Mann inzwischen über eine derart starke Signatur verfügt, dass er die vielen Länder und Kontinente seines musikalischen Imperiums spielend zusammenbringt. Anders ausgedrückt: Sobald Casper den Mund aufmacht, ist es Casper-Musik.
Casper ist ein musikalischer Grenzgänger, das ist eh klar. Sein letztes Album »XOXO« mischte die Karten im HipHop-Game neu und vitalisierte ein totgesagtes Genre. Eine noch größere Überraschung war allerdings die Tatsache, dass Casper mit seinen tiefbiografisch gefärbten Texten den Nerv einer ganzen Generation traf. Völlig unerwartet stieg »XOXO« auf Platz eins der Charts ein, binnen weniger Monate spielte Casper Aberhunderte Shows, die größten Festivals und wurde ausführlich zitiert.
Als der ganze Trubel sich schließlich legte, tat Casper das einzig Sinnvolle: Er machte weiter. Im Oktober 2012 fährt er nur wenige Wochen nach dem letzten großen Festival-Auftritt zu »XOXO« mit einer handverlesenen Gruppe von Musikern nach Spanien, um dort die Basis für »Hinterland« zu erarbeiten. Neben Konrad Betcher und Jan Korbach aus der Casper-Band ist damals auch schon Markus Ganter dabei, ein hochmusikalischer junger Produzent, der unter anderem das Debüt der Band Sizarr aufgenommen hat. Ganter zur Seite steht bei der Produktion von »Hinterland« kein Geringerer als Konstantin Gropper, der Mann hinter Get Well Soon. Ein ideales Team, um die bis ins kleinste Detail präzisierten Ideen des Nichtmusikers, aber exzellenten Dirigenten Casper umzusetzen. Bereits in Spanien entstehen die Grundlagen für sechs neue Songs. Im Herbst 2012 zieht Casper dann nach Mannheim, die Heimat von Ganter und Gropper, nimmt sich ein Zimmer in einer WG und vollendet »Hinterland« in bis zum Sommer in Markus Ganters kleinem Kellerstudio.
Man muss sich das einfach mal vorstellen: Nach dem »XOXO«-Erfolg hätte er nach New York oder Los Angeles gehen können, um dort mit den profiliertesten Rap-Produzenten der Welt zu arbeiten. Er hätte sich die besten Features und die fettesten Beats holen können – stattdessen nimmt er ein Album mit renommierten Indie-Musikern auf, die der Rap-Welt nicht ferner sein könnten.
Und Tom Smith singt.
Richtig gelesen: Neben Kraftklub ist der Editors-Frontmann der einzige prominente Gast auf diesem Album. Smith kam drei Tage nach Berlin, um mit »diesem deutschen Rapper« einige Skizzen aufzunehmen, aus denen schließlich »Lux Lisbon« entstand, ein Song von enormer Tiefe, der grenzenlose Räume aufmacht.
Und auch in die USA ist er trotzdem gegangen, nur nicht in der oben beschriebenen Weise. Die Heimat zu besuchen, war für den gebürtigen Amerikaner Benjamin Griffey ein wichtiges Element seiner musikalischen Spurensuche. In Mississippi, der heutigen Heimat seines Vaters, entstanden unter anderem die Videos zu den ersten beiden Singles – und das prägnante Album-Cover. »Ich hatte immer dieses klischeehafte Bild von den Seetaufen aus der Zeit der amerikanischen Apartheid im Kopf«, erklärt Casper. »Religion hat eine wunderschöne Ästhetik, ich finde das aber auch gleichzeitig alles sehr unheimlich, diesen Zwiespalt hat es für mich schon immer in meiner Musik gegeben.«
Es gibt aber noch einen anderen, viel wichtigeren Amerika-Bezug auf diesem Album. Weil »Hinterland« Geschichten erzählt, für die Deutschland schon immer zu eng war. Casper hat die großen Springsteen-Epen von der kleinen Stadt, dem Ausbruch aus den Konventionen und der Hoffnung auf ein besseres Leben irgendwo da draußen verinnerlicht. So entstanden Songs vom Leben auf der Straße, wie sie in diesem Land auf diese Weise keiner erzählt, schon gar nicht im HipHop.
Das Americana-Element in den Texten Caspers korrespondiert indes trefflich mit seiner genuinen HipHop-Sozialisation. Weil er am Ende natürlich doch immer noch diesen sportlichen Ehrgeiz hat, die eine Hammerzeile rauszuhauen, die alles andere in den Schatten stellt. Diese besonderen Zeilen wirken auf »Hinterland« noch viel kräftiger als zuletzt, eben weil sie nicht mehr ganz so oft eingesetzt werden. Weil Casper den Mut aufbringt, Reim-Schemata zu durchbrechen und ein bisschen roher zu texten. Und wenn dann ein Kracher kommt wie »Die falschen Drogen zur richtigen Zeit« oder »Für alles zu haben, zu kaum was zu gebrauchen« (beides »Hinterland«), dann sitzt das eben richtig.
Nicht nur deshalb ist Casper seit »XOXO« textlich auf Augenhöhe mit den ganz Großen. Auch wenn die Texte diesmal nicht ganz so krass im Vordergrund standen wie zuletzt. Weil man die eigene Lebensgeschichte in dieser Intensität und Intimität ja auch nur einmal erzählen kann. »Trotzdem empfinde ich die Platte textlich als einen Schritt nach vorne«, sagt er. »Dadurch, dass ich mir mehr Melodien zugetraut habe, ist es textlich viel runtergestrippter.«
Bestes Beispiel: »Ariel«. Immer zwischen Gesang und Rap changierend, singt er hier mit einer hochmelodiösen Intensität, wie sie im Rap sonst nur Leute wie Drake erreichen. Musikalisch findet sein Vortrag mit verhalltem Schlagzeug, Geisterchören und einer reduzierten Akustikgitarre eine perfekte Entsprechung. »Ariel« ist ein ungewöhnlicher Beitrag auf »Hinterland«, weil der Song einen Unglücksfall in Caspers Familie thematisiert. Plötzlich gab es also doch wieder eine Art »Michael X« – weil das Leben einem manchmal die Inhalte diktiert.
Am weitesten hinaus wagt sich Casper vielleicht mit »La Rue Morgue«. Ein betrunkener Geisterchor trifft hier auf Tom-Waits-artige Erzählstrukturen – ein Song wie die Szene mit der Sklavenkarawane in Quentin Tarantinos letztem Film »Django Unchained«. Ein durchaus naheliegendes Bild übrigens, denn ähnlich wie der Großmeister des Zitatkinos ist auch »Hinterland« eine riesige Hommage an die mannigfaltige Sozialisation des Künstlers, die indes von dessen einzigartiger Handschrift und Cleverness zusammengehalten wird. Im Prinzip bedient er sich also immer noch klassischer HipHop-Werkzeuge, nur dass die Samples hier keine Samples sind, sondern nach dem Rock-Prinzip produzierte, analog aufgenommene Passagen.
»Es ging bei dieser Platte schon auch darum, mich musikalisch neu zu erfinden«, sagt Casper. »Ich muss jetzt nicht noch mal eine Rap-Platte machen, weil die hab ich ja schon gemacht. Und die introvertierte, autobiografische Bekenntnisplatte hab ich eben auch gemacht. Mich reizt immer das Neue, ich will nicht stehenbleiben.

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