Der EWG-G300 von CASIO kommt recht elegant daher im Silberlook und mit schwarzer Buchstabentastatur. Drückt man auf eine seiner Funktionstasten, ist der Bildschirm innerhalb einer Sekunde informationsbereit. Die Buchstaben sind im QWERTZ-Format angelegt und der Curser sowie die 18 Arbeitstasten sind schnell intuitiv erfasst. Bei Unklarheiten gibt es auch eine Bedienungsanleitung, die - wie meistens - stilistisch und pädagogisch nicht als besonders wertvoll zu bezeichnen ist, aber alles stückweise verständlich darstellt. Das Display ist groß genug, die Schrift ist zoombar. Keine Nachteile? Doch, doch! Im wesentlichen drei:
1. Batteriekasten. Das Gerät wird mit zwei AAA-Batterien bestückt, das ist gut. Allerdings hat man dafür eine Ausbauchung eingebaut, die völlig überflüssig erscheint. Das Gerät wird dadurch einen halben Zentimeter dicker, was sich in der Westen- oder Hosentasche sehr wohl bemerkbar macht. Dieser Ausbau wird mit zwei Standfüßchen kaschiert, die das Körpergefühl noch mehr beeinträchtigen. Dabei wären sowohl der Korpus wie auch die Achse zum Bildschirm für die glatte Batterieaufnahme geeignet.
2. Eingabelogik: Man kann unter den vier Kategorien "Stichwort", "Rechtschreibung", "Idiom" und "Beispiel" nach Begriffen suchen. Unter Stichwort und Rechtschreibung lässt sich nur ein Wort eingeben, das Wort "darüber hinaus" im Sinne von weiterhin/außerdem also nicht. In den beiden anderen Kategorien sind mehrere Wörter eintippbar, aber das Leerzeichen zwischen ihnen ist durch ein & anzuzeigen. Meint man aber das Kaufmannsund wie in AT&T, so ist ATandT zu schreiben. Das sind anachronistische Hilfsmittel aus den siebziger Jahren.
3. Wortschatzumfang. So schöne Wörter wie "offenlegen" (Bilanz, Geheimnis), "Synergie" oder "Interaktion" findet man im deutschen Sprachteil nicht. Der "Engländer" ist nur als Werkzeug (adjustable spanner) übersetzt, nicht aber als Einwohner des Landes (englishman). Das PONS-Lexikon in Buchform hat britische Autoren, liegt es daran? Es sei angemerkt, dass dieses immerhin die Interaktion und den Engländer ausweist.
4. Es gibt keine Datei für den Aufbau eines eigenen Fach-Wörterbuchs.
Zusammenfassung: Der EWG-300 ist ein solides Gerät mit hübschem Äußeren und praktisch im Einsatz vor Ort. Wenn man einen Internetzugang verfügbar hat, sollte man das LEO-Wörterbuch nutzen. Das ist zwar auch nicht vollständig, aber deutlich umfangreicher. Auf dem heutigen Stand der Technik scheinen mir die genannten Defizite völlig unnötig, darum: Drei Sterne.
Ich würde heute nach folgenden Kriterien beim Erwerb eines Sprachcomputers vorgehen: 1. Zigarettenetuigröße mit taschenfreundlichem Äußeren. 2. Schnelle Funktionsbereitschaft (ist beim EWG-300 gegeben) 3. Deutscher Sprachschatz orientiert sich am Duden. 4. Nimmt Doppelwörter an. 5. Hält die Möglichkeit für den Aufbau eines Zusatzwörterbuchs bereit (gibt es bisher allerdings nach Auskunft einer Verkäuferin bei keinem Gerät).