Wie sehr ich mich im letzten Jahr gefreut habe, dass Casio den Pro Treks ein mehr an G-Shocks spendiert! Festere Gehäuse, 200 m Labor-Dichtigkeit, Metall-Lünette, Funk und Solar, einfach klasse!
Und dann die Ernüchterung, dass doch alles beim Alten geblieben ist. Die Modul-Sensoren sind betagt, nur leicht modifiziert und werden einer ernst zu nehmenden Outdoor-Uhr wenig gerecht. Hier zu schreiben, was die Uhr alles können soll, bzw. wie sie ausgestattet ist, halte ich für wenig sinnvoll. Dies tut Globi bereits für uns und ist zudem auf der Homepage von Casio nachzulesen. Wichtiger ist doch, ob sie tauglich für den Anspruch ist, den sie, oder ihr Hersteller, an sich selbst stellt.
Auf die normalen Uhrenfunktionen wie Stoppuhr, Timer (mit 60 Minuten viel zu kurz und nur in Minutenschritten einstellbar!), Alarm, Weltzeit und auch auf die Funk- und Solarfunktion gehe ich demnach nicht ein, sondern erwähne ausschließlich die Schwächen der Outdoor"-Funktionen, was dem hiesigen Kundenkreis am wichtigsten sein dürfte.
Kompass:
Da der Uhr ein Duplex-Display fehlt, ist die Kompass-Nadel in Form von 1mm² kleinen Klötzchen auf dem Innenring der Solarzelle sehr schlecht erkennbar. Norden wird 3 Klötzchen zugewiesen, Ost, West und Süd jew. eins. Da auch auf eine Libelle verzichtet wurde, kann der Kompass lediglich als ganz grobes Schätzwerkzeug beim Ablesen des Azimuts dienen, auf den man sich nie alleine verlassen sollte! Die Metalllünette klappert und verstellt sich aufgrund ihres Spiels leicht, ist aber angenehm in einer 60er-Teilung beidseitig gerastert. Glücklicherweise hat man die Gradzahlen lasergraviert und nicht aufgedruckt.
Barometer/ Höhenmesser:
Wie bereits bei den alten Pro Treks wie Kula Kangri etc. fehlt auch den heutigen Pro Treks noch immer eine Höhenlock-Funktion. Der Luftdrucksensor macht, was er will. Höhe und Luftdruck werden nicht in Korrelation zueinander gesetzt. Wer nach oben wandert, erhält eine abfallende Barometer-Grafik und bei meteorologisch steigendem Luftdruck wandert man laut Höhenmesser wieder zu Tal usw. Hier sind alle Spielvarianten wie bei einem analogen Barometer denkbar. Bereits Kaffeeröster-Outdooruhren für einen Bruchteil der Anschaffungskosten zeigen mittlerweile den Luftdruck auf Meeresspiegelniveau an und addieren/ subtrahieren brav die beeinflussende Aufenthaltshöhe, was eine deutlich bessere Einschätzung der Wetterlage ungeachtet der geografischen Lage zulässt. Dieser Sensor hier registriert, unabhängig vom gewählten Modus, jede Luftdruckänderung und setzt sie, ob gewollt oder nicht, im jew. aktivierten Modus, aber auch im deaktivierten Modus -was deutlich nachteiliger ist- um. Wer über Nacht auf 1700 m campiert, hat am nächten Morgen einen zu erwartenden meteorologisch veränderten Luftdruck, aber leider auch eine dementsprechend veränderte Höhe. Das ganze muss dann wieder über den unüblichen Weg einer Kalibrierung der Bezugshöhe (!) korrigiert werden, wobei beide Modi nicht Hand in Hand arbeiten. Wenn man an einem Punkt der Welt aufgrund von professionellen Wetterdaten den absoluten und Meeresluftdruck erfragen kann, rechnet die Uhr, nach entspr. Kalibrierung im Baro-Modus nicht die örtliche Höhe für den Alti-Modus aus. Das ist schwach! Das Barometer funktioniert demnach nur an einem festen Standort ohne Höhen- und Temperaturveränderungen! Casio weist in seinem Handbuch hierauf auch gefühlte 100 Male hin.
Die Grafik im Alti-Modus ist unbrauchbar, da ihre Aufzeichnungsfrequenz viel zu hoch ist. Man wird nie ein schönes Profil einer ausgiebigen Tagestour angezeigt bekommen, da sie mit der Geschwindigkeit eines EKG voranschreitet. Eine Funktion zur nachträglichen Rückschau der Höhenleistung existiert hierbei nicht. Überhaupt ist die Cerro Blanco/ Mount Taranaki/ Gauri Sankar logbuchfrei. Man kann gezielt 20 Datensätze zur Höhe mit Datum und Uhrzeit speichern. Das Alt-Max-Datum schreibt die Uhr selbsttätig.
Display:
Es fehlt die Möglichkeit einer individuellen Gestaltung der Displayanzeige in den jew. Modi, wie dies Techtrail, Suunto oder Polar anbieten.
Sehr oft nutze ich im Gebirge einen Höhenmesser und ein Thermometer an einer Rucksacköse. Die Cerro Blanco/ Mount Taranaki/ Gauri Sankar lässt dies nicht zu. In allen Outdoor-Modi wird lediglich die Uhrzeit eingeblendet, weiteres ist nicht zuschaltbar. In der Ausgangsanzeige kann man zwischen dem Wochentagkürzel oder der Baro-Grafik wählen, sonst nichts.
Prozessor:
Die neuen Protreks scheinen deutlich langsamer geworden zu sein. Für eine Anzeige der Höhe/ des Luftdrucks benötigt die Uhr ab Aktivierung des Modus 5 Sekunden, für die Tide/ Mondphase nach Uhrzeit satte 22 Sekunden! Der Kompass spricht bereits nach 3-4 Sekunden an.
Mondphase/ Tide:
Die Mondphase ist optisch weitestgehend gut dargestellt, das Mondalter wird aber leider beim Blättern durch den Kalender der Tide nicht aktualisiert, sondern immer nur für den jeweiligen Tag auf 06.00 Uhr fixiert. Das dürfte für Jäger und Angler ärgerlich sein, die einen Blick auf die Bedingungen am Wochenende werfen wollen.
Da sich die Tide an der gewählten Zeitzone orientiert (für Deutschland bleiben da nur Paris oder Berlin), ist die Anzeige recht ungenau. Sie zeigt für ca. 1000 km theoretischer Küstenlänge immer die gleiche Tide an, was natürlich Unsinn ist. Der Modus genügt demnach nur zur Kenntnisgewinnung darüber, ob auf- oder ablaufendes Wasser herrscht, wobei die Grafik je nach Standort auch mal überraschend genau sein kann. Das sind aber Ausnahmen.
Fazit:
Die Cerro Blanco/ Mount Taranaki/ Gauri Sankar sollte als Alltagsuhr mit ein paar zusätzlichen Gimmicks verstanden werden, quasi eine aufgewertete G-Shock für jene, die große Uhren mit vielen Tasten mögen. Dafür ist sie aber mit knapp 300-400 (je nach Gehäuse) völlig überteuert! Wer ernsthaft ein Handgelenksinstrument für Trekking oder Bergsteigen sucht, dem kann ich von den Casio-Uhren demnach nur abraten. Hier wird man an den Suuntos nicht vorbeikommen. Für den Crossover-Sportler, dem exakte Daten nicht so wichtig sind, kann sie interessant sein. Ich denke, wenn die erste X-Lander oder Observer mit Funk, Solar und einer 200m-Klassifizierung auf den Markt kommt, sind wir wohl endlich am Ziel unserer Suche!