Habe die Kamera vor knapp 2 Wochen gekauft, hauptsaechlich wegen der vielversprechenden Serienbildfunktionen und des relativ grossen Sensors mit nur 6 MPixeln, von dem ich mir qualitativ bessere Bilder versprach als von den heute aktuellen "Rauschgeneratoren" mit 10 und mehr MPixeln auf Mini-Sensoren. Doch schon nach den ersten Bildern kam ein wenig Enttaeuschung auf, sie wirkten allesamt etwas "flau". Deshalb habe ich mir kurzerhand zusammengeliehen, was ich auf die Schnelle Vergleichbares bekommen konnte und habe die F1 mit verschiedenen Motiven, Empfindlichkeiten, Brennweiten und Belichtungen gegen folgende Kameras verglichen:
- Canon EOS350D (8 Mpixel, mit Canon 70-300IS)
- Canon S5iS (8 Mpixel, 12-fach Zoom)
- Nikon S10 (6 MPixel, 10-fach Zoom)
- Panansonic FZ3 (3 Mpixel, 12-fach Zoom)
- Panansonic TZ2 (6 MPixel, 10-fach Zoom)
- Panansonic TZ5 (9 MPixel, 10-fach Zoom)
Das Ergebnis hatte ich so nicht erwartet:
Nur die Bilder der Panasonic TZ2 waren noch schlechter als die der F1, selbst die 4 Jahre alte Panasonic FZ3 mit nur 3 Mpixeln lieferte lebendigere, detailreichere Bilder. Die mit Abstand besten Bilder der Mega-Zoom Kameras lieferte die Canon S5iS (obwohl nicht gerade fuer gute Bilder beruehmt). Die EOS350D spielt (wie erwartet) in einer eigenen Liga, wobei der Preisrahmen incl. Objektiv der F1 am naechsten kommt.
Bei der Video-Aufzeichnung lieferte die F1 eindeutig die besten Ergebnisse aller getesteten Kameras, auch deutlich besser als Canon S5iS (VGA) und Panasonic TZ5 (HD 1280*720), wenn da nur nicht der nahezu wirkungslose Bildstabilisator waere, der de facto die Verwendung eines Stativs erzwingt. Gegen einen aktuellen HD-Camcorder (Panasonic HDC-SD9) sieht die F1 allerdings insgesamt doch ziemlich alt aus.
Hier meine subjektive und sicherlich unvollstaendige Zusammenfassung der Staerken und Schwaechen der F1:
pro:
- Serienbildmodi sind wirklich sensationell
- bis auf Einschaltzeit (auch nach Firmware-Update auf V1.02 nicht wirklich ueberzeugend) recht schnell
- gutes Objektiv, relativ geringe Verzeichnungen, geringe Farbsaeume
- gutes, intuitives Bedienkonzept
- manuelle Einstellmoeglichkeiten fuer alle wichtigen Aufnahmeparameter (leider aber nicht fuer die Rauschunterdrueckung)
- Bildserien mit Variation unterschiedlicher Parameter moeglich
- Auto-ISO begrenzt bei ISO 400
- gute Batterielebensdauer pro Ladung, auch bei intensiver Nutzung der Serienbildmodi
- Aufnahmen im RAW-Format moeglich (z.B. zum Schutz vor der Kamera-internen Rauschunterdrueckung)
- Fuer eine Digitalkamera gute Video-Resultate, akzeptable Kompressionsartefakte, kleine Dateigroessen durch effizienten MPEG4-Codec
con:
- sehr schwacher Bildstabilisator, dadurch lange Brennweiten ohne Stativ nur eingeschraenkt nutzbar
- brutale Rauschunterdrueckung vernichtet Details, Bilder wirken "weichgespuelt" (JPG)
- sehr lange Speicherzeit einer Bilderserie (ca. 1 sec pro Bild auf class-6 SDHC-Karte!), in dieser Zeit ist die Kamera nicht betriebsbereit. Nicht abbrechbar, wenn erstmal gestartet. Schraenkt die Nutzbarkeit der Kamera z.B. bei Sportveranstaltungen stark ein
- Autofokus hat trotz Hilfslicht Probleme bei schlechten Lichtverhaeltnissen
- Video-Modi durch schwachen Bildstabilisator nur begrenzt nutzbar, auch hier recht starke Rauschunterdrueckung, maessiger Ton. Ergebnisse insgesamt noch weit von der Qualitaet eines aktuellen HD-Camcorders entfernt
- fuer das Gebotene viel zu teuer
Mein Fazit:
Die F1 ist die Kombination einer aeusserst durchschnittlichen Digitalkamera mit einem aeusserst durchschnittlichen HD-Camcorder zu einem aeusserst selbstbewussten Preis, deren einziges echtes Highlight die wirklich tollen Serienbildmodi sind, mit denen sich qualitativ aeusserst durchschnittliche Bilder machen lassen, die man mit keiner anderen Kamera jemals machen koennte. Als Camcorder-Ersatz taugt die F1 insbesondere wegen des schlechten Bildstabilisators leider nicht.
Ohne die superschnellen Serienbildmodi gibt es fuer weniger als die Haelfte des Preises einer F1 erheblich bessere Mega-Zoom Kameras; oder fuer einen vergleichbaren Preis eine gute DSLR mit entsprechendem Objektiv und um Groessenordnungen besseren Ergebnissen. Und auch Video-Freunde bekommen fuer das gleiche Geld einen deutlich besseren HD-Camcorder.
Wer die Serienbildfunktionen unbedingt braucht und dafuer auch bereit ist, die maessige Bildqualitaet in Kauf zu nehmen, kommt um diese Kamera derzeit allerdings nicht herum.
Update, auch zur Vermeidung von Missverstaendnissen:
Wer bisher von "PanasoniCasiOlympuSonyetc.-Point'n'shoot-kleiner-Sensor-viele-Megapixel-Knipskisten" der Baujahre 2005-2008 Bilder der Sorte "as-Matsch-as-possible" gewohnt ist, wird von der Bildqualitaet der F1 begeistert sein. Siehe Vergleich gegen Panasonic TZ2. Insbesondere der Vergleich gegen eine EOS350D mit halbwegs gutem Objektiv muss aber erlaubt sein, da genau das das Preisniveau ist, auf dem sich die F1 bewegt. Wuerde die F1 nur 350 Euro kosten, haette sie auch von mir 4 Sterne erhalten: zwei Sterne haette ich ihr fuer die auch in dieser Klasse nicht wirklich ueberzeugende Bildqualitaet und insbesondere wegen des schlechten Bildstabilisators immer noch verweigert, einen zusaetzlichen haette sie fuer die tollen Serienbildmodi bekommen. Ein guter Bildstabilisator ist in meinen Augen aber ein absolutes key-feature fuer eine Mega-Zoom Kamera (und das hat nichts mit schnellen Serienbildmodi zu tun), entscheidet er doch in hohem Masse ueber die praktische Nutzbarkeit der langen Brennweiten. Und Camcorder ohne Bildstabilisator waren schon vor 10 Jahren indiskutabel, da hilft auch kein HD. Insbesondere bei laengeren Brennweiten kann keine mir bekannte Software aus dem Gewackel noch etwas retten.
Das Thema "Rauschen/Rauschunterdrueckung" moechte ich hier nicht weiter vertiefen, dem geneigten Leser empfehle ich folgende Website: "www.6mpixel.org".
Ansonsten kann ich jedem (potentiellen) Kaeufer nur raten, die individuelle Relevanz der genannten Kritikpunkte mit den eigenen Anspruechen abzugleichen und fuer sich selbst zu bewerten. Wer nur 10x15 Abzuege seiner Fotos machen oder das Startverhalten der gemeinen Stubenfliege dokumentieren moechte, ist mit der F1 bestens bedient (allerdings waere sie mir dafuer zu teuer). Wer aber zusaetzlich auch noch technisch gute "normale" Fotos machen moechte, sollte sich ueber die Grenzen der F1 im Klaren sein und wissen, welche Bildqualitaet fuer das gleiche Geld bei anderen Produkten moeglich ist. Und ausserdem wird es in absehbarer Zeit genug professionelle Tests der Kamera geben, denen mancher dann vielleicht eher traut. Den Ersten habe ich (leider zu spaet) gerade unter "www.luminous-landscape.com/reviews/casio-exf1.shtml" entdeckt...
Und folgende Ungenauigkeiten moechte ich noch praezisieren:
1) Das Speichern von 60 Bildern dauert nicht genau 60 Sekunden, sondern (bei normaler Dateigroesse) nur exakt gemessene 48 Sekunden (class-6 Karte), was in meinen Augen aber immer noch eine Ewigkeit ist und die Kamera viel zu lange lahmlegt. Vorher aus 60 Bildern die besten 3 oder 4 manuell auszuwaehlen und dann nur diese speichern, dauert, zumindest bei mir, noch laenger. Aber man muss ja nicht immer mit 60 fps knipsen, dann tun es oft auch deutlich weniger Bilder.
2) Die Einschaltzeit nach Firmware-Update betraegt statt vorher ca. 7 sec. noch ca. 4 sec, das ist aber immer noch deutlich langsamer als bei einigen Konkurrenten und nicht gerade Schnappschuss-tauglich.
3) Einige "Total-Abtuerze" (Firmware 1.02) mit Datenverlust, vielleicht bedingt durch "ungeschickte" Bedienung beim Speichern manuel ausgewaehlter Bilder einer Serie, tragen nicht unbedingt dazu bei, die F1 lieben zu lernen.
Update 25.06.2008
Zumindest bezueglich der Speicherzeit einer Bilderserie ist die Kamera besser als oben geschildert. Offenbar bin ich auf eine defekte No-Name Karte hereingefallen, mit einer Panasonic 8GB class 6 Karte dauert das Speichern einer Serie von 60 Bildern "nur" noch 19 sec. Immer noch sehr lange, aber schon deutlich besser. Die "Total-Abstuerze" treten aber leider immer noch sporadisch auf, das liegt offenbar nicht an der Karte.