Ich habe in meiner Jugend - vor dem Aufkommen der Heimcomputer - mit programmierbaren Taschenrechnern gearbeitet. Nachdem jetzt ein älteres Modell versagte, wollte ich mir wieder einen TR mit Programmierfunktion zulegen. Aber es sollte von Größe und Bedienbarkeit her ein Taschenrechner sein. Wenn ich mehr benötige, schalte ich den Computer ein.
Ich wollte ein Gerät, womit mal eine kompliziertere Formel eintippen kann, und wiederholt durchrechnen. Das erspart bei kleineren Aufgaben das Bildschirmgeflimmer.
Ich hatte neben diesem hier auch den Casio FX-5800P in Erwägung gezogen. Dort störte mich, dass ich zum Programmieren eine Programmiersprache (Basic-ähnlich) benutzen muss, und also zwei Dinge lernen muss: Die Bedienung des Rechners und die Eigenheiten der Sprache. Das ist mir für eine kleine Formel zu aufwendig, ich wollte, dass der normale Rechenweg, wie beim manuell rechnen, die Basis der Programmierung ist.
Ich habe das Gerät gestern erprobt und muss sagen, dass diese Aufgabe "Taschenrechner mit zusätzlicher Programmierfunktion" gut gelungen ist.
Zunächst die Benutzung als Taschenrechner:
- Normale Größe, nicht übergroß wie dei grafikfähigen Geräte
- Angenehme Tastengröße, vernünftiger Druckpunkt (obwohl es besseres gibt)
- Die Tasten direkt sind nur einmal beschriftet, dadurch übersichtlich. De meisten der Zweitfunktionen lassen sich erschließen, ohne die Ameisenschrift neben den tasten lesen zu müssen. "Über" log ist 10^x usw. Ausnahmen: 1/x und Pi muss man suchen
- "Benannte" Speicher: Ganz einfache Rechner haben nur einen Speicher. Das geht für programmierbare freilich nicht. Hier sind die Speicher mit Buchstaben bezeichnet und nicht nummeriert. Dadurch kann man Konstanten vernünftig ablegen, z.B. wenn man die Gastkonstante braucht, legt man sie in Speicher R. Man braucht keinen Zettel, was wo liegt (meistens).
- Terme werden erst ausgeschrieben und dann berechnet. Funktionen wie log sin usw. werden mathematisch notiert, also vor dem Operanden. Sehr vernünftig, erhöht die Lesbarkeit der Programme, die genauso funktionieren
Zum Programmierbetrieb:
- Man kann sich eine Formel aufheben, die sogar aus mehreren Teilformeln bestehen darf. In diese Formel kann man die Anzeige aufnehmen, und damit Tabellen ausrechnen. Das ist nur für ganz kleine Formeln sinnvoll. Ich versuchte, eine mittlere Formel so abzulegen: Es ist mit den vielen geschachtelten Klammern in der einen Zeile unübersichtlich.
- Im richtigen Programmiermodus baut man die Formel zweckmäßig stufenweise auf, indem man sie programmzeilenweise einer Variablen zuweist. Die Zuweisung zur Variable ist im manuellen Betrieb "hinterher" mit dem STO-Befehl möglich. beim Programmieren kann man es "vorher" mit Gleichheitszeichen schreiben. Ich gebe mal ein Beispiel, wie ich eine Formel schrittweise aufbaue
° X=-26.8-Ans ..(Ans ist die Anzeige)
° X=10^(0.4X) ..(Multiplikationszeichen können oft weggelassen werden)
° Y=X ..............(Ein Zwischenergebnis aufheben, um die Formel zu prüfen)
° X=X/(RT) .......(Benutzung der Speicher R und T)
° E=X ..............(das Endergebnis auf eine andere Variable schreiben,liest sich besser)
- Beim Rechnen belegt man die benutzten Speicher vor, im vorliegenden Fall R und T und lässt dann das Programm laufen. Der TR fragt nach den Speicherinhalten, schlägt aber die Vorbelegungen vor. Das war erst mal gewöhnungsbedürftig, gestattet es aber, mit Konstanten zu experimentieren. Wenn man das nicht will, muss man die Konstanten mit ins Programm schreiben, also R=8.314
- Einen Schrittest habe ich nicht gefunden, das war auf den Rechnern meiner Jugend üblich. Aber ich behelfe mir mit dem Abspeichern von Zwischenergebnissen, wenn etwas unklar ist.
- Das Bearbeiten von Programmen geht vernünftig, mit den Möglichkeiten des TR eben.
Noch ein Nachsatz: Die Tasten sind vierfach belegt. Dabei ist die Hauptbeschriftung deutlich, und nicht von einer Zweitbelegung behelligt. Die Ameisenschrift der anderen Belegungen ist schwer lesbar, vor allem wenn ein Schatten unter die Tasten fällt. Ich habe auch schon ein wenig Altersweitsicht. Für mich wichtig sind die Speichervariablen, auch im Taschenrechnermodus. Ich habe mir deshalb in die Hülle deren Belegung geklebt, eine geeignete Abbildung ist im Handbuch. Dort habe ich dann noch Pi und 1/X zugefügt, die auch schwer lesbar sind. Es bleiben dann Statistikfunktionen u.ä. übrig, die ich kaum brauche. Statistik rechne ich im Computer.
Fazit: Gutes Konzept, da sich die normale TR-Benutzung ganz einfach in ein Programm überführen lässt. Ein Ausbau eines solchen Kleingerätes zum Kleincomputer ist für meine Zwecke unnötig und hinderlich. Obwohl das Gerät von der Konzeption her wahrscheinlich schon mehr als 10 Jahre auf dem Buckel hat, dennoch zu empfehlen, wenn man einen Taschenrechner mit "etwas mehr" will.