Als eingefleischter Panasonic TZ7-Fan bin ich an die für meine Frau gedachte Casio-Kamera etwas skeptisch heran gegangen - und habe dann gut 500 Vergleichsbilder in unterschiedlichsten Aufnahmesituationen gemacht.
Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Die Kamera ist weit besser, als ich angesichts des aktuell günstigen Preises von knapp 160 EUR gedacht habe.
Was mir an der Casio Exilim H15 sehr gut gefällt:
- Übersichtliche Menüführung
- 43 Best-Shot-Programme
- Premium Auto-Einstellung, die automatisch das am besten passende Programm auswählt
- Unglaublich lange Standzeit des Akkus: Nach 350 Bildern war erst rd. ein Drittel der Leistung verbraucht
- Sehr gute Verarbeitung
- Sehr guter Monitor
- Leichtgängiger Auslöser
- relativ klein und handlich
Was aus meiner Sicht verbesserungswürdig ist:
- Man kommt schnell beim Halten der Kamera mit den Fingern der rechten Hand vor den Blitz, wenn man nicht aufpasst
- Bei den Best-Shot-Programmen kann man die ISO-Automatik nicht abschalten
- Bei Videoaufnahmen kann man das optische Zoom nicht benutzen
Zur Qualität der Bilder:
- Die Casio H15 ist unsere Kamera mit den definitiv besten Ergebnissen bei Blitzaufnahmen!
- Das Weitwinkel hat echte 24 mm (KB-Äquivalent) und dabei sehr gute Abbildungseigenschaften.
- Das Tele mit 240 mm bildet ebenfalls sehr gut ab.
- Die Farbwiedergabe betont etwas die warmen Farbtöne, Blaustich gibt es nicht.
- Bei schönem Wetter produziert die Kamera "out of the box" Bilder in Posterqualität
- Bei dunklen Lichtverhältnissen und Benutzung der Best-Shot-Programme gibt es ein Phänomen: Die ISO-Automatik lässt sich dabei nicht abschalten, so dass das hohe ISO-Werte wie z. B. 800 oder 1600 gewählt werden, wohl um möglichst kurze Verschlusszeiten zu erreichen. Normalerweise führen diese Werte zu verstärkten Bildrauschen, aber die H15 übernimmt diese Bilder so nicht auf die Speicherkarte: Sie zeigt an "Bilder werden bearbeitet", und nach 1, 2 oder auch mal 3 Sekunden liegt das Ergebnis vor: Das Bild rauscht gar nicht mehr, dafür wurden aber Details "glattgebügelt", so dass Feinheiten schlichtweg verloren gehen. Ok, dabei verschwinden dann auch Hautunreinheiten und Falten, was je nach Motiv auch nicht unbedingt negativ ist.
Lösung: In diesen Aufnahmesituationen die Premium-Automatik bzw. nicht Best-Shot-Programme nicht nutzen, sondern die normale Programmautomatik.
Dann die ISO-Einstellung auf z. B. 100 festlegen und schon bekommt man Bilder, die nicht so glattgebügelt, sondern normal wirken.
Etwas gefährlich werden kann es, wenn man die Kamera mit unveränderten Werkseinstellungen nutzt und dann einfach in eine Soft-Kameratasche packt:
Neben dem auf der Kamera-Oberseite angebrachten Ein-/Ausschalter hat die H15 zwei weitere Knöpfe auf der rechten Rückseite: Einen Knopf für die
sofortige Wiedergabe, und einen für sofortige Aufnahmebereitschaft. Beide Knöpfe haben keinen sehr hohen Auslösedruck.
Habe ich die Kamera in der Tasche und diese in einem Rucksack, kann es passieren, dass einer der beiden Knöpfe durch Druck von außen aktiviert wird.
Im Falle des Wiedergabeknopfes werden dann halt unkontrolliert Bilder wiedergegeben und der Akku entlädt sich. Das ist ggf. ärgerlich, aber kein
Beinbruch.
Sollte jedoch der Aufnahmeknopf unabsichtlich aktviert werden, würde die Kamera vehement versuchen, das Objektiv auszufahren, obwohl sie
sich noch in der Tasche befindet - und das dürfte dann der vorzeitige Exitus der Mechanik sein.
Glücklicherweise kann man die Funktion dieser beiden Knöpfe im Menue deaktivieren, so dass man dieser Gefahr vorbeugen kann.
Zu den Videos: Die Auflösung lässt sich bis 720p einstellen, das Ergebnis sind AVI-Dateien mit ordentlicher Bild- und Tonqualität. Da man das
optische Zoom während der Aufnahme nicht nutzen kann, muss man den Bildaussschnitt vor der Aufnahme festlegen. Bei Verwendung des Telebereiches
empfiehlt sich die Nutzung eines Stativs. Der Speicherbedarf in der höchsten Auflösung ist dabei recht hoch: Pro Minute werden 200 MB Speicherplatz beansprucht, so dass es keinen Sinn macht, eine kleine SD-Karte einzulegen. Meine Empfehlung wäre eine schnelle SDHC-Karte mit mindestens 8 GB Kapazität, wenn man die Kamera unterwegs intensiv nutzen möchte, denn auch die Bilder sind nicht klein: Je nach Motiv werden in der höchsten Auflösung pro Bild ca. 7 bis 12 (!) MB an Speicherplatz belegt ...
Fazit: Sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis bei wirklich guten Aufnahmeeigenschaften in Standard-Situationen. Diese Kamera eignet sich aufgrund
des großen Zoombereiches, des 24mm-Weitwinkels, der extrem hohen Akku-Leistung, der Vielzahl an ausgeklügelten Motivprogrammen und der sehr guten
Ergebnisse bei Blitzaufnahmen ideal als Reisekamera, die auch die eine oder andere Videoszene in sehr ordentlicher Qualität festhalten kann.
Wegen der oben genannten kleinen Schwächen würde ich normalerweise einen Punkt abziehen. Angesichts des sehr günstigen Preises im Verhältnis zur
sonstigen Leistungsvielfalt dieser Kamera sehe ich jedoch davon ab, denn es macht keinen Sinn, hier die selben Maßstäbe anzulegen wie an eine Kamera der 400 EUR-Klasse.
Von mir gibt für diese Kamera eine klare Kaufempfehlung.