"Casino Royale" ist in zwei Punkten die größte Ausnahme aller Bond-Filme. Zum einen ist es die einzigste James Bond Persiflage, die auf einem Originalroman von Ian Fleming basiert und zum anderen ist Flemings allererster Bond-Roman der einzigste, der 3x verfilmt wurde. 1954 fürs US-TV, 1966 in dieser Variante hier und 2006 im Rahmen der echten James Bond Kinoserie. Das er dort nicht früher verfilmt werden konnte, lag daran, dass es den Produzenten gelang, erst im Jahr 2000 die Rechte zurück zu erwerben, die Fleming bereits 1952 verkauft hatte. Die Odyssee, die die Rechte dieses Romanes nahmen, würden für einen eigenen Film ausreichen.
Wer der Auffassung ist, dass der eine oder andere reale Bond, wie "Moonraker" z.B. zu abgehoben ist, dem ist "Casino Royale" von 1966 offenbar entgangen. Denn dieser Film ist einfach irre, gaga und ein Bond, wie auf einem LSD-Trip entstanden. Der Film war zudem Jahrzehnte später eine Steilvorlage für Mike Myers "Austin Powers"-Filme. Der Film ist einfach, wie Austin sagen würde: "Grooovy Baby".
Man erlebt hier zu Beginn etwas, das man wohl in der realen Serie nie erleben wird - einen Bond im Ruhestand. Als solchen gibt David Niven einen herrlich schrulligen SIR James Bond, der, nachdem sich M versehentlich selbst eliminieren lies, den Geheimdienst übernehmen muss. Ironie bei der Sache ist, dass Niven der erste James Bond geworden wäre, hätte Ian Fleming bei der Wahl des Darstellers bei "Dr. No" zu entscheiden gehabt.
Und kaum ist Bond Chef des Secret Service, wimmelt es dort nur vor 007s, um Verwirrung zu stiften.
Man darf von "Casino Royale" einiges erwarten, was man jedoch nicht erwarten sollte, ist eine stringente Handlung. Flemings Roman ist hier nur noch in Grundzügen zu erkennen und eigentlich ist es Glück, dass der Film keine filmische Katastrophe wurde. Nicht weniger als sieben Regisseure waren beteiligt, weil es immer wieder zu Zoff mit Produzent Charles Feldman kam. Die Handschrift der verschiedenen Regisseure erkennt man u.a. auch daran, dass die Kulissen teilweise völlig verschiedene Stilrichtungen haben, von Szene zu Szene. So treffen hier Räume, die durchaus an die echten Bond-Filme erinnern, wie Sir James Büro auf völlig surreale Kulissen, wie die Schule für Spione in Berlin oder Pop-Art der 60er angehauchte Räume, wie Dr. Noahs Hauptquartier.
Als "Casino Royale" entstand, waren gerade die ersten vier 007-Filme ("Dr. No", "Liebesgrüße aus Moskau", "Goldfinger" und "Feuerball") im Kino gelaufen und es gibt hier ein Wiedersehen mit Darstellern aus diesen Filmen, wie Ursula Andress ("Dr. No") und Vladek Sheybal ("Liebesgrüße aus Moskau"). Doch abgesehen davon, dass man davon profitieren wollte, hat "Casino Royale" auch sonst eine sehr hochkarätige Besetzung mit Peter Sellers ("Der rosarote Panther"), Orson Wells ("Citizen Kane"), Sängerin Dalia Lavi, John Houston (Regisseur von "African Queen"), Woody Allen ("Der Stadtneurotiker"), Jean Paul Belmondo ("Der Profi"), William Holden ("Die Brücke am Kwai") und Deborah Kerr.
Und wer einige andere Bonds schon schräg fand, kennt, wie gesagt "Casino Royale" noch nicht, denn hier landet mal eben mitten in London ein Ufo und sowohl die französische Gendarmerie, aber auch Cowboys (!) und Indianer (!!) mischen zum Ende das titelgebende Casino Royale auf.
Der Film beinhaltet einige böse Seitenhiebe auf die echten 007-Filme, etwa wenn Sir James Bond sich ereifert, man habe einfach einem anderen seinen Namen und seine Nummer gegeben (Damit ist natürlich Sean Connery gemeint) oder M und andere Geheimdienstchefs mit ihren Geheimwaffen als "Scherzartikelspione" tituliert (Seitenhieb auf die Gadgets der echten 007-Filme).
Zudem merkt man bei "Casino Royale", an einigen nachsynchronisierten Szenen, dass hier einige Szenen damals rausflogen. So schlüpft Kartenass Evelyn Tremble zum Spaß in diverse Verkleidungen, wie Napoleon oder auch - Adolf Hitler.
"Casino Royale" ist in jedem Fall für jeden ein entdeckenswerter Film, der völlig abgedrehte Komödien mag.