21 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Bunte Sixties-Dröhnung, 30. November 2006
Die Zeit verändert so manchen Blickwinkel. Mit fortschreitenden Jahren stellt man fest, dass die in jedem Kinolexikon in Bausch und Bogen verdammte Agentenfilm-Parodie "Casino Royale" an Boden gewinnt und eigentlich doch nicht so übel ist wie allerorts nachgebetet wird.
In jedem Fall ist der Film Zeuge seiner Zeit und unschlagbares Studienobjekt für 60ies-Popkultur. Filmmoden werden hier ebenso erlebbar wie Looks, Designs, Sounds, aber auch zeitgeistiger unstrukturierter Blödelhumor vom Vorabend der sexuellen Revolution. Natürlich ist "Casino Royale" keine feinsinnige Dialogkomödie. Doch die Vorlage bzw. das Objekt des Spottes war ja auch kein Salonroman von Foster oder Galsworthy, sondern die Bond-Serie. Dass gerade Bond-Fans sich über den Mangel an kultivierter Finesse beschweren, grenzt an einen Witz. Schuster bleib bei deinen Leisten: Die Bonds sind eine ehrwürdige, zum Ritual geadelte Unterhaltungsserie, doch sicher kein Eckpfeiler cineastischer Hochkultur. Bond's eigene Humorversuche entsprachen auch nicht immer der feinen englischen Art und waren weiß Gott nicht immer geglückt.
In "Casino" sehen wir von vielen, bis dahin in ihrem eigenen Image erstarrten, Stars eine nie gesehene Demonstration von Selbstironie und Mut zur Überdrehtheit und eigenen Demontage. Die Grand Dame Deborah Kerr mit zerzauster Frisur an einer Regenrinne runterrutschen zu sehen, ist schon sehr off mainstream. Woody Allen's unterkühlter Größenwahn, mittels explosiver Pille zum größten Ladykiller aufzusteigen, ist herrlich zotig und als Reflexion auf die Bond-Superschurken nicht ohne Pfiff. Das gilt auch für Ursula Andress, seit Dr. No zum unterbelichteten Blondchen abgestempelt, und hier nun als gerissene superreiche Geschäftsfrau, die die Statue von Lord Nelson im Vorgarten stehen hat. Ach, und dann die Dekors, die Interieurs, einfach schön anzuschauen. Eine Augenweide sind diese Bilder aus einem Jahrzehnt, das sich als einziges modisch und stylish nichts hat zu Schulden kommen lassen.
Nicht missverstehen: der Film ist kein Komödien-Meilenstein, doch es ist Zeit, ihn an seinen verdienten Platz zu stellen. Ausgelassener unschuldiger Nonsense mit Stil und Schwung serviert. Nicht mehr und nicht weniger.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Austin Powers würde sagen: "Grooovy Baby", 10. Oktober 2011
"Casino Royale" ist in zwei Punkten die größte Ausnahme aller Bond-Filme. Zum einen ist es die einzigste James Bond Persiflage, die auf einem Originalroman von Ian Fleming basiert und zum anderen ist Flemings allererster Bond-Roman der einzigste, der 3x verfilmt wurde. 1954 fürs US-TV, 1966 in dieser Variante hier und 2006 im Rahmen der echten James Bond Kinoserie. Das er dort nicht früher verfilmt werden konnte, lag daran, dass es den Produzenten gelang, erst im Jahr 2000 die Rechte zurück zu erwerben, die Fleming bereits 1952 verkauft hatte. Die Odyssee, die die Rechte dieses Romanes nahmen, würden für einen eigenen Film ausreichen.
Wer der Auffassung ist, dass der eine oder andere reale Bond, wie "Moonraker" z.B. zu abgehoben ist, dem ist "Casino Royale" von 1966 offenbar entgangen. Denn dieser Film ist einfach irre, gaga und ein Bond, wie auf einem LSD-Trip entstanden. Der Film war zudem Jahrzehnte später eine Steilvorlage für Mike Myers "Austin Powers"-Filme. Der Film ist einfach, wie Austin sagen würde: "Grooovy Baby".
Man erlebt hier zu Beginn etwas, das man wohl in der realen Serie nie erleben wird - einen Bond im Ruhestand. Als solchen gibt David Niven einen herrlich schrulligen SIR James Bond, der, nachdem sich M versehentlich selbst eliminieren lies, den Geheimdienst übernehmen muss. Ironie bei der Sache ist, dass Niven der erste James Bond geworden wäre, hätte Ian Fleming bei der Wahl des Darstellers bei "Dr. No" zu entscheiden gehabt.
Und kaum ist Bond Chef des Secret Service, wimmelt es dort nur vor 007s, um Verwirrung zu stiften.
Man darf von "Casino Royale" einiges erwarten, was man jedoch nicht erwarten sollte, ist eine stringente Handlung. Flemings Roman ist hier nur noch in Grundzügen zu erkennen und eigentlich ist es Glück, dass der Film keine filmische Katastrophe wurde. Nicht weniger als sieben Regisseure waren beteiligt, weil es immer wieder zu Zoff mit Produzent Charles Feldman kam. Die Handschrift der verschiedenen Regisseure erkennt man u.a. auch daran, dass die Kulissen teilweise völlig verschiedene Stilrichtungen haben, von Szene zu Szene. So treffen hier Räume, die durchaus an die echten Bond-Filme erinnern, wie Sir James Büro auf völlig surreale Kulissen, wie die Schule für Spione in Berlin oder Pop-Art der 60er angehauchte Räume, wie Dr. Noahs Hauptquartier.
Als "Casino Royale" entstand, waren gerade die ersten vier 007-Filme ("Dr. No", "Liebesgrüße aus Moskau", "Goldfinger" und "Feuerball") im Kino gelaufen und es gibt hier ein Wiedersehen mit Darstellern aus diesen Filmen, wie Ursula Andress ("Dr. No") und Vladek Sheybal ("Liebesgrüße aus Moskau"). Doch abgesehen davon, dass man davon profitieren wollte, hat "Casino Royale" auch sonst eine sehr hochkarätige Besetzung mit Peter Sellers ("Der rosarote Panther"), Orson Wells ("Citizen Kane"), Sängerin Dalia Lavi, John Houston (Regisseur von "African Queen"), Woody Allen ("Der Stadtneurotiker"), Jean Paul Belmondo ("Der Profi"), William Holden ("Die Brücke am Kwai") und Deborah Kerr.
Und wer einige andere Bonds schon schräg fand, kennt, wie gesagt "Casino Royale" noch nicht, denn hier landet mal eben mitten in London ein Ufo und sowohl die französische Gendarmerie, aber auch Cowboys (!) und Indianer (!!) mischen zum Ende das titelgebende Casino Royale auf.
Der Film beinhaltet einige böse Seitenhiebe auf die echten 007-Filme, etwa wenn Sir James Bond sich ereifert, man habe einfach einem anderen seinen Namen und seine Nummer gegeben (Damit ist natürlich Sean Connery gemeint) oder M und andere Geheimdienstchefs mit ihren Geheimwaffen als "Scherzartikelspione" tituliert (Seitenhieb auf die Gadgets der echten 007-Filme).
Zudem merkt man bei "Casino Royale", an einigen nachsynchronisierten Szenen, dass hier einige Szenen damals rausflogen. So schlüpft Kartenass Evelyn Tremble zum Spaß in diverse Verkleidungen, wie Napoleon oder auch - Adolf Hitler.
"Casino Royale" ist in jedem Fall für jeden ein entdeckenswerter Film, der völlig abgedrehte Komödien mag.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
28 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Meisterhafte Bond-Persiflage, 29. März 2003
Rezension bezieht sich auf: Casino Royale (DVD)
Eigentlich fehlen mir die Worte, um diesem Film auch nur im Ansatz gerecht zu werden! Dieser Film ist mit Sicherheit der ABSURDESTE Streifen, den ich je gesehen habe.
Zum einen ist er in gewisser Weise ein "Vorfahre" der Austin Powers - Filme, eben eine Bond-Persiflage, die recht schonungslos mit dem 007-Mythos umgeht und dennoch für viele Fans des berühmtesten britischen Agenten ein Volltreffer sein dürfte!
Der Soundtrack stammt übrigens von niemand anderem als dem legendären Burt Bacharach (!) und trägt perfekt zur komischen Stimmung des Filmes bei. Groovy...
An skurrilen Szenen mangelt es in diesem Film nicht. Ein Highlight ist sicher das geteilte Berlin - der Osten der Stadt ist in billiges Rotlicht getaucht - und auch das Auftauchen einer unehelichen Tochter von James Bond und Mata Hari!!!
Kein Bond- oder Austin Powers - Fan sollte sich diesen Film mit Starbesetzung entgehen lassen: Woody Allen, David Niven, Peter Seller, Ursula Andress (das ERSTE Bond-Girl aus Dr. No)und Orson Wells!!! Man MUSS diesen Film gesehen haben!!!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein