"Und was er in Marcolinens Blick las, war nicht, was er tausendmal lieber darin gelesen: Dieb - Wüstling - Schurke -; er las nur dies eine -, das ihn schmachvoller zu Boden schlug als alle anderen Beschimpfungen vermocht hätten - er las das Wort, das ihm von allen das furchtbarste war, da es sein endgültiges Urteil sprach: Alter Mann." (S. 62)
Arthur Schnitzler bricht mit dieser 1918 erschienenen Novelle auf vielfältige Weise die Erwartungen des Lesers und zeichnet dadurch ein Bild der Menschwerdung des "größten Liebhabers aller Zeiten": ein körperlich gealterter Mann, der seelisch in den Geschichten seiner Vergangenheit gefangen ist; ein mehrfacher Vergewaltiger, ein Mörder, ein Erpresser, ein selbstsüchtiger Intrigant; ein von anderen abhängiger Mensch mit kindlichem Heimweh.
Das Werk besticht dabei nicht nur durch sprachliche Perfektion, psychologische Stringenz und einer hohen Spannungskurve, sondern bietet in der beschriebenen Woche des 53 Jahre alten Casanovas im Jahre 1778 allerlei Anregungen für ein anderes, intensiveres Leben als das eigene. Zeitlos.