Die Metal - Hochburg Deutschland hat seit Jahren international anerkannte Topacts vorzuweisen. Bands wie etwa Accept, U.D.O, Edguy oder Brainstorm stehen für melodische, kraftvolle Songs. Auch die Ruhrpott - Formation Rage gehört nicht erst seit ihrem 2001er Hit "Straight to Hell" zu den Granden dieses Genres. Bassist und Sänger Peter "Peavy" Wagner sowie Gitarren Mastermind Victor Smolski liefern in Zusammenarbeit mit Neu - Drummer André Hilgers anno 2008 mit dem Album "Carved in Stone" einen weiteren Beweis dafür, dass sich die genannte Musiksparte bis heute zu Recht großer Beliebtheit im In - und Ausland erfreut.
1986 startete die Karriere der Power Metal Institution Rage mit dem Album "Reign in fear". Seither scharte Gründungsmitglied Wagner zahlreiche Top - Musiker um sich (u.a. den Ex - Stratovarius, Saxon und Axel Rudi Pell Drummer Jörg Michael sowie Mike Terrana) und lieferte regelmäßig neue Werke von unterschiedlicher Qualität ab.
Nachdem in den letzten Jahren vermehrt auf großflächige Bombast - Arrangements mit Orchesterunterstützung gesetzt wurde, kehren Wagner und Co. mit dem aktuellen Album zurück zu straighten, kraftvollen Kompositionen ohne ausschweifenden Bombast.
Bereits zum Auftakt setzt der Titelsong Maßstäbe. Der getragene Beginn steigert sich nach etwa einer Minute zu einer abzischenden Double Bass - Nummer, garniert mit einem sehr prägnanten Refrain. Eine Rage - typische Hymne, die noch etwas von den alten Einflüssen spüren lässt, aber doch einen neuen Weg einschlägt.
Dass dieser neue Weg wieder aus schnörkellosen, druckvollen Metalsongs besteht machen Nummern wie "Drop dead!", "One Step ahead", "Lost in the void" oder "Mouth of Greed" deutlich. Fette Riffs, knackige Drums und große Refrains ergeben ein stimmiges Ganzes, das nie überproduziert klingt.
Diese ohnehin starke LP weist allerdings auch einige wirkliche Höhepunkte auf. Neben dem Titelsong ist hier etwa das schnelle "Gentle Murders" zu nennen. Der von Bassist Peavy geschriebe Track brettet nach dem interessanten Sitar - Intro ungestüm los und mündet in einen erneut starken Refrain. Rage in Hochform!
Auch die zweite Single "Open my grave" weist ein Sitar - Intro auf und wird nie langweilig. Lediglich der etwas arg cleane Refrain mag manchen stören. Ansonsten eine amtliche Midtempo - Nummer.
Die obligatorische Halb - Ballade "Without you" klingt mir persönlich trotz des harmonischen Arrangements etwas zu überproduziert. Kein schlechter Song, aber ein bisschen zu "teutonisch".
Der meines Erachtens stärkste Titel beschließt das Album. "Lord of the flies" stampft mit seinen orchestralen Passagen und bombastischen Chören majestätisch druckvoll durch die Gegend. Spannend, athmosphärisch, düster - eine absolute Top - Komposition.
Wem 48 Minuten Musik zu wenig sind, dem sei an dieser Stelle die Limited Edition von "Carved in Stone" empfohlen. Sie enthält neben den Videos zu den Singles "Open my grave" und "Lord of the flies" ein Konzert aus dem Jahre 2007 vom Wacken - Festival. Hierbei präsentieren sich Rage im gewohnten Soundbild: Neben den drei Hauptmusikern ist ein großes Orchester auf der Bühne zu sehen und zu hören. Diese Crossover - Formation bietet einen musikalischen Rundgang durch über 20 Jahre Bandgeschichte. Sehr interessant für Sammler und Fans, aber auch für solche die zum ersten Mal mit der Band zu tun haben.
"Carved in Stone" ist aber auch ohne Bonus - DVD ein starkes Album. 10 Songs im Bereich des melodischen Metal mit leichten Speed - Anleihen, die nie altbacken wirken. Langatmige Songs ohne Spannunsbögen wird man bei diesem von Charlie Bauerfeind produzierten Produkt nicht vorfinden. Zwar heben Rage mit dem vorliegenden Werk nicht unbedingt den Heiligen Gral des Metals empor, jedoch tut die Rückkehr zum kompakteren Sound - Gewand den dreien sichtlich gut. Ein kräftiges Lebenszeichen.
Wer auf wuchtige Arrangements und hymnische Refrains steht liegt mit "Carved in Stone" genau richtig. Eine deutlich stringentere, direkte, rauere Produktion als das letzte Album "Speak of the dead", bei dem man Angst haben musste der Band fällt nichts mehr Neues ein.
Wer Rage auch einmal auf deutsch hören möchte, dem sei die Neuauflage des Albums mit der Bonus - EP "Gib dich nie auf", dem Titel aus Stefan Raabs Bundesvision Songcontest wärmstens empfohlen.