Kalt, düster, bedrohlich, transzendent, okkult... Black Metal ist viel mehr als Musik. Von den einen in ihrer mehr als einfältigen Denkweise als politische Plattform genutzt, von den anderen leichtfertig als zwangsläufig satanisches Hassprodukt voller Pentagramme und schlecht produzierter Musik bezeichnet, hat es der Black Metal anno 2004 schwerer als jemals zuvor, etwas wirklich außergewöhnliches und dunkel-berauschendes zu bieten. Zu überfüllt sind die Reihen der bloßen Nachahmer, zu engstirnig reagiert ein Großteil der Bewegung auf minimale Veränderungen oder Fortschritte. Doch ebenso wenig wie ganz Gallien in Gewalt der Römer ist, gibt es auch im Black Metal noch Refugien künstlerischen Ausdrucks, kleine Inseln in der steigenden Flut der Belanglosigkeit. Ohne jene wäre der Black Metal heuer nichts weiter als eine pervertierte und geistlose Fassade des einstigen Stolzes, die Erinnerungen an alte Glanztaten nur noch ein blasser Schatten von einst... jene Refugien allerdings geben einem Hoffnung, lassen Kraft tanken und bieten vor allem die Möglichkeit, hinabzutauchen in die Essenz des Black Metals, in eine Welt der Einsamkeit, des Okkulten und des Zorns. Um Beispiele zu nennen erwähne ich hier Dornenreich oder auch Lunar Aurora. Eine weitere beachtenswerte Band aus diesem Refugium ist ganz klar das deutsche Trio Secrets Of The Moon, welches nach einigen Demos, Singles sowie einem regulären Album nun ihr zweites Werk von den Ketten löst. Getauft auf den Namen Carved In Stigmata Wounds und über uns gekommen durch Lupus Lounge (ein Prophecy-Sublabel, Heimat von Dornenreich, Sun Of The Sleepless und anderen), bietet das über 70-minütige Opus schlichtweg alles, was 99% der heutigen Black Metal-Veröffentlichungen vermissen lassen: Idealismus, Fortschritt in Verbindung mit der Achtung und Ehrung alter Werte, sowie eine enorm sinistre und boshafte Aura, welche gefangen nimmt und in den tiefsten Schlund hinab stößt. Keine Frage, Secrets Of The Moon sind wahre Idealisten und was sie mit Carved In Stigmata Wounds eindrucksvoll vorführen wird ihnen so schnell keiner nachmachen können. Nordisch inspirierte Klangkunst trifft auf komplex arrangierte und mit virtuoser Perfektion gespielte Parts, verbindet sich mit molochartigen Doom-Sequenzen und elektronischen Alptraumvisionen, gebiert schlussendlich unter Einfluss eines enorm wandlungsfähigen Organs ein Werk, welches schwer in Worte zu fassen ist. Obskur, ja geradezu kryptisch gehen die Deutschen auf ihrem zweiten Album zu Werke, hinterlassen dabei eine Spur des schwärzesten Schwarz und stoßen die Tore der Nacht weit auf. Folgt man der Definition, Black Metal sei nonkonform, geheimnisvoll und dunkel, kommt man zwangsläufig zu dem Ergebnis, dass diese Definition für Carved In Stigmata Wounds verfasst wurde, hier wird diese Art der Musik noch geatmet, gelebt und, vorsichtig aus den Wurzeln der glorreichen Vergangenheit gelöst, auf die nächste Ebene der Transzendenz befördert. Anthems To The Welkin At Dusk war einst Emperors Meisterwerk, mit welchem sie sich auf ewig ein schwarzes Monument setzten...vorliegendes Album könnte einen ebensolchen Effekt auf Secrets Of The Moon ausüben!