»Das Spiel mit dem Teufel« - ja, es entführt auf zauberhafte Weise in die Welt der Zauberei, aber auch an viele andere magische Orte, in die Goldenen Zwanziger, hinter die Kulissen und zwischen die Zeilen. Aufgebaut wie eine Zaubervorstellung mit Ouvertüre, Erstem Akt, Zweitem und Drittem Akt, Vorhang und Programmnotizen ist es von der ersten Minute und Zeile an atemberaubend.
Es erscheint mir nahezu unmöglich, dem Roman mit einer Inhaltsangabe gerecht zu werden, birgt es doch ein Feuerwerk an Ideen und überraschenden Wendungen, herrliche, charismatische Figuren und unzählige Einblicke in die Welt der Zauberei.
Apropos Zauberei: In seinen Programmnotizen erklärt Gold, alle beschriebenen Tricks und Illusionen seien im Goldenen Zeitalter der Zauberkunst, zwischen 1890 und den 20er Jahren, zur Aufführung gebracht worden. Dies sowie die Tatsache, dass Charles J. Carter eine reale Person, ein bedeutender Zauberkünstler gewesen ist, steht nicht nur für die Recherche-Künste des Autors, sondern ist auch Wegbereiter für das Erschaffen einer ganz eigenen »Welt im Buch«, beziehungsweise einer Welt in der Welt, welche die Zauberei nun einmal darstellt. Sie folgt ihren eigenen Gesetzen, und der Leser steht nach kurzer Zeit mittendrin - ob auf der Bühne, hinter den Kulissen oder im Publikumssaal.
Diese Empfindung verdankt man sicherlich der Arbeitsweise und dem Feingefühl Golds, der eine gute Beobachtungsgabe, ein außerordentliches Vorstellungsvermögen (im wahrsten Sinne des Wortes) und die Fähigkeit zu besitzen scheint, auf nahezu teuflische Weise mit Worten zu jonglieren, zu spielen. Dies trifft sowohl auf die Ausarbeitung seiner Charaktere, deren Schicksale und (Liebes-) Geschichten, als auch auf die kriminalistische Rahmenhandlung zu. Von der Beschreibung der Zaubertricks ganz zu schweigen.
Das »außergewöhnlichste Bedürfnis«, ein Zauberkünstler zu sein (Seiten 75/94), beginnt für Carter mit dem praktischen Handbuch der Taschenspielerei von Prof. Ottawa Keyes, das die Regeln, die jeder Magier befolgen sollte (»sieben Gebote und sieben Verbote«), enthält und ihn immer begleitet. Die Geschichte verwebt unter anderem auch die Erfindung der Television von Philo Farnsworth, und natürlich auch die mysteriösen Todesumstände des 29. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Und schließlich darf eines nicht fehlen, wenn Magie groß geschrieben wird: die Liebe.
Einer steht für mich auf jeden Fall im Rampenlicht: der Autor Glen David Gold, denn er vermag, nach dem ersten Wort, wenn der Vorhang sich öffnet, seinen Leser entsprechend Houdinis Erbe zu fesseln, und auch wenn der Vorhang nach der großen Vorstellung fällt, bleibt der Zauber erhalten.