Diese Rezension bezieht sich auf den Kinofilm.
Wer die Detailverliebtheit und das heruntergekommene und wieder neu erschaffene wunderbare Flair von Radiator Springs, welches für mich persönlich den Reiz des Vorgängers ausmachten, auch in Teil 2 erwartet, wird wohl enttäuscht.
Man denke an all die wunderbaren Details wie z.B. Kondensstreifen am Himmel in Form von Reifenspuren, die Fliegen in Form kleiner (VW) Käfer, die sogar im Kurzfilm "Hook und das Geisterlicht = Mater and the Ghost Light" blinkend (!) um die Kurve fliegen, die Felsformationen, die alle in Form von Autofronten oder Heckflossen haben, die Genialität, eine La-Ola-Welle durch Aufblenden darzustellen usw... Die wahre Schönheit und Detailverliebtheit erschließt sich einfach erst nach mehrmaligem Anschauen von "Cars".
Der 2. Teil - sofern man in diesem Fall überhaupt von einer Fortsetzung im eigentlichen Sinne sprechen kann - kommt an dieses Flair einfach nicht heran. Was nicht heißt, dass dort nicht auch viel Liebe in Details gesteckt wurde. Nur lässt einen die - für FSK 0 definitiv viel zu komplexe und actiongeladene - Handlung gar nicht darauf achten.
Schlicht ein Agententhriller, nur mit kindgerecht aufbereiteten Charakteren in Form der knallbunten Autos erwartet den Zuschauer. Und zwar mit Schießereien, Stunts und allem, was man in einem James Bond nicht missen möchte.
Nur: für Kinder? Ich fürchte, da fehlt der Zugang zur wirklichen Hintergrund-Story einfach. Dass der - Achtung: Spoiler - offensichtliche Befürworter und Hersteller eines alternativen, ökologischen Treibstoffes diesen dann selbst sabotiert, weil er insgeheim doch ein Ölmagnat oder wenigstens dessen Handlanger ist, nun, das erschließt sich wohl nicht jedem unserer Kinder.
Abgesehen davon, dass ich die gesamte Thematik für Kinder eher ungeeignet, zumindest wenigstens fragwürdig finde.
Optisch natürlich (erwartungsgemäß) sehr ansprechend, jedoch schwache, für Kinder m.E. zu komplexe, zu "erwachsen" wirkende; für Erwachsene vorhersehbare Thriller-Story.
Ein wenig schade. Aber nach Teil 1 - ich nenn' "Cars" mal so - war wohl auch kein würdiger - möglichst ebenso berührender, das Automobil, seine Ästhetik und einem damit einhergehenden naiven, weil von Umweltaspekten völlig gelösten Ambiente der Route 66-Ära huldigender - Nachfolger zu erwarten.
John Lasseter hat tiefgreifende(re), trotzdem kindgerechte(re) Animationsfilme gemacht.
Noch dazu finde ich sehr schade, dass sogar als ("gewohnter") deutscher Synchronsprecher von Lightning McQueen (ehemals Daniel Brühl) im 2. Teil nun Manou Lubowski fungiert. Das aber nur am Rande.