Buch der 1000 Bücher
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Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Carrie
OT Carrie OA 1973 DE 1977Form Roman Epoche Gegenwart
Mit Carrie hat Stephen King die Konjunktur des literarischen Horrors (Stichwort R S. 604) in den 1980er und 1990er Jahren des 20. Jahrhunderts eingeleitet. Mit diesem Roman gelang es ihm, das in der fantastischen Literatur bis dahin vorherrschende Paradigma eines beklemmenden und eher diffusen Unheimlichen durch das des überwältigenden Horrors mit seinen blutigen Effekten und handfesten Schreckbildern abzulösen.
Entstehung: King ließ sich bei seiner Geschichte von Filmen wie Der Exorzist (1973) inspirieren, die erstmals den Zusammenhang von pubertärer Sexualität und Horror thematisiert hatten, und reicherte sie um zusätzliche krude Schock- und Ekelszenen an.
Inhalt: Der Roman orientiert sich an dem aus Märchen wie Aschenputtel bekannten Schema. Die von ihrer an religiösen Wahnvorstellungen leidenden Mutter drangsalierte Carrie White gilt in der Schule als Außenseiterin; Carrie besitzt telekinetische Begabungen, die ihr so unheimlich sind wie ihre eigene Sexualität so wird ihr die Erfahrung der Menstruation in der Gemeinschaftsdusche nach dem Sportunterricht zum traumatischen Erlebnis.
Dennoch entwickelt sich das häßliche Entlein beim Abschlussball der Schule zum strahlenden Schwan. Als sie von ihren Mitschülerinnen, die nicht davon ablassen können, die Außenseiterin zu quälen, mit Schweineblut übergossen wird, kommt es zum Exzess: Carrie gerät außer sich, ihre telekinetischen Fähigkeiten verwandeln sich zu einer vernichtenden Gewalt, mit der sie die Schule in Schutt und Asche legt und ihre Peinigerinnen vernichtet, sie selbst stirbt bei dem von ihr entfesselten Strafgericht.
Struktur: Carrie enthält bereits die Konstruktion späterer King-Romane: Nach einem beschaulich erzählten Anfang entwickelt sich die Handlung konsequent auf eine hochdramatische Klimax zu, die sich schließlich in einer Orgie der Zerstörung entlädt. Nach dem Vorbild dokumentarischer Romane sollen durch das Einbauen von Zeitungsnotizen, Verhörprotokollen und Zeugenaussagen die unglaublichen Ereignisse einen authentischen Charakter gewinnen.
Durch seine durchaus einfühlsame Darstellung in die Nöte einer Teenagerseele gelingt es King, beim Leser große Sympathien für das Schicksal seiner Heldin zu mobilisieren und die von ihr ausgelöste Vernichtungsorgie zumindest partiell zu rechtfertigen. In der Gestalt Carries schildert King das Schicksal einer Außenseiterin, die unter dem Druck zum Konformismus und unter den Bedingungen des religiösen Fundamentalismus zu einer monströsen Gestalt mutiert Schuld daran trägt nicht sie selbst, sondern eine Gesellschaft, die auf Abweichungen mit Aggression reagiert.
Wirkung: Die Verfilmung des Romans durch Brian de Palma 1975 ebnete nicht nur seinem Verfasser den Weg zum Bestsellerautor, sie leitete auch den Boom des Horrors in den 1980er und 1990er Jahren ein. Bis dahin eher auf Fanzirkel beschränkt, wurde nun der Horror zu einer Mainstream-Erscheinung der Populärkultur. Dem von King eingeschlagenen Pfad folgten bald andere Bestseller-Autoren wie Peter Straub, Dean R. Koontz und Clive Barker. Vor allem die Verbindung von Horror und Sexualität hat sich seither als Gewinn bringende Kombination bewährt. H. R. B.
Kurzbeschreibung
Als Dreijährige lässt sie einen Steinregen auf ihr Elternhaus niederregnen, weil ihre Mutter ihr in einem Anfall religiösem Wahns nach dem Leben trachtet. Als Sechzehnjährige muss sie einen Augenblick tiefster Demütigung erleben. Schon immer von ihren Mitschülern wegen ihrer scheuen zurückhaltenden Art gehänselt, wird sie auf dem Abschlussball der Schule das Opfer eines bösen Streichs. Schmerz, Enttäuschung, Wut treiben Carrie zum Äußersten, die beseelt und besessen ist von einer unheimlichen Gabe: Mit schierer Kraft ihres Willens entfesselt sie ein Inferno, gegen das die Hölle ein lieblicher Garten Eden ist. Das ist Carrie - beseelt, besessen von einer unheimlichen Gabe mit ungeheurer Tragweite und furchtbaren Folgen.