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Mit Carrie hat Stephen King ein faszinierendes Werk über eine Außenseiterin geschaffen, die sich in die Lage versetzt sieht, sich an Allem und Jeden zu rächen. Schon sein erstes Werk zeugt von einem spannenden Handlungsaufbau, einer furchterregenden Macht und einem dramatischen Finale.
Die Situation von Außenseitern ist in diesem Buch sehr schön dargestellt und dürfte wohl einigermaßen den gegebenen Situationen entsprechen. Carries Rache stellt auch die Wut der meisten Außenseiter auf die Gesellschaft, die sie so verachtet, sehr gut dar und erzeugt dadurch eine sehr geladene Atmosphäre in der man die Gefühle der Protagonistin sehr gut nachvollziehen kann. Es bringt einen auch zum Nachdenken darüber, weshalb auch in neuerer Zeit derart viele Gewalttaten an Schulen geschehen.
Ein überzeugend spannendes Buch eines der größten Unterhaltungsautors unserer Zeit, mit einer Spur Sozialkritik, ausgewogenen Charakteren und einer tiefgehenden emotionalen Handlung.
In "Carrie" lässt der Meister bereits einige seiner unnachahmlichen Talente aufblitzen, für die er von seiner Fangemeinde geschätzt wird.
Zum einen schafft er es, dass man sich sehr gut in die Lage der Protagonistin hineinversetzen kann. Carrietta White alias Carrie tat mir das ganze Buch über leid, ihr wiederfuhr wirklich nichts Gutes (eine durchgeknallte, religiöse Fanatikerin als Mutter, fiese Mitschülerinnen, Hänseleien und Prügel).
Als Carrie am Ende fast ganz Chamberlain auseinandernahm, stellte ich bei mir dann auch eher einen trotzig-rachsüchtigen "Ja, gibs ihnen - Effekt" fest, als mit den Opfern Mitleid zu haben (keine Angst, eigentlich bin ich echt friedliebend!!!).
Kurz gesagt, King bringt die Leute bereits in "Carrie" dazu, seine Helden zu lieben und die Bösewichter zu fürchten bzw. zu hassen. Er schafft auf seine Weise Identifikation.
Erwähnenswert ist auch seine schon vorhandene Schonungslosigkeit gegenüber dem Leser: King hat den Mut, in Hollywood-untypischster Manier Charaktere und Figuren sterben zu lassen, die man gerade ins Herz geschlossen hat (Carrie).
Zahlreiche Ausschnitte aus Magazinen, Zeitungen etc., die Carries Tod mehr oder weniger vorwegnehmen, erzeugen schon früh im Buch eine trostlos-traurige, irgendwie hoffnungslose Stimmung - vor allem für diejenigen, die darauf setzen, dass es ein Happy End für Carrie gibt. Für mich persönlich hat diese bittersüße Gewissheit durchaus ihren Reiz (genau wie Kings Methode, die Erzählperspektive zu wechseln - sie fördert den Lesefluss eher, als dass sie ihn hemmt).
Ich kann aber auch sehr gut verstehen, wenn man kritisiert, dass der Meister durch seine Andeutungen bezüglich Carries frühzeitigem Ableben die Spannungskurve von vornherein einschränkt und beschneidet.
Also: Wer King vor allem liest, weil er seinen teilweise ausschweifenden Erzählstil und seine Liebe zum Detail schätzt ("The Stand", "ES" etc.), ist bei "Carrie" wohl an eher der falschen Adresse. Hier verzichtet King für seine Verhältnisse größtenteils auf die Dekoration und konzentriert sich auf das Wesentlichste.
Aber: Wer auf einen schnörkellosen und übersichtlichen Erzählstil, Spannung & Horror in erträglichen Dosen und auf viel Feuer steht, der liest Carrie locker in 4-5 Nächten durch - garantiert ohne sich zu langweilen.
Besonders für King-Einsteiger ist der Roman zu empfehlen. Nicht zu grausam, nicht zu lang und komplex, aber immer logisch nachvollziehbar und unterhaltsam.
P.S.: Wenn es gegangen wäre, hätte ich dem Buch 3,5 Sterne gegeben. Aber wie sagt man so schön? Im Zweifelsfalle für den Angeklagten (oder so)...
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