Tatsächlich gibt es Zeitgenossen, denen unter Stress buchstäblich die Haare zu Berge stehen. Und natürlich gibt es eine Fülle von körperlichen Reaktionen, die es einem Spieler beim Poker schwer machen, seine aktuellen Gefühle in einer kritischen Situation zu verbergen. Und ja, diese Zeichen zu erkennen, hilft, wenn man Entscheidungen treffen muss.
Aber einfach ist das mit dem Lesen der Tells auch nicht. Das Buch von Caro beschreibt sehr gut, dass man eine Beobachtung immer in den Kontext der Spielsituation einbeziehen muss. Ob Stress hier ein gutes Blatt oder ein schlechtes Blatt zeigt, kann man oft nur auf Basis einer Analyse der gespielten Hand erkennen. Und es gibt weitere Parameter, die eine Rolle spielen. Ist der Spieler müde und an der Grenze seiner Konzentration und Disziplin? Täuscht das Gegenüber möglicherweise bewusst bestimmte Reaktionen vor? Wirkt sich möglicherweise der gesamte Verlauf des Abends auf ihn aus?
Das Buch stellt jedenfalls die richtigen Fragen. Bei einigen Antworten scheint mir jedoch auch Vorsicht geboten. Verhalten von Menschen, insbesondere die Körpersprache, wird durch die Kultur sehr stark beeinflusst. Und man sieht den vielen Bildern, die das Buch als Beispiele verwendet, an, dass sie im amerikanischen Kulturkreis entstanden sind. Es ist also Vorsicht geboten. Und wie die meisten Pokerbücher auch sollte man dieses eher als methodisches Buch sehen. Es gibt einem Instrumente an die Hand, zu Informationen zu kommen. Lehrsätze oder Grundregeln, die man auswendig lernen kann, sollte man nicht erwarten.