Nun ist sie endlich draußen, die Power Metal Scheibe, der ich persönlich in diesem Jahr am meisten und mit der größten Spannung entgegen gefiebert habe. SABATON legen ihren sechsten Longplayer vor ' und die große Frage war, können sie mit 'Carolus Rex' an ihre vergangenen Alben anknüpfen und den selbst gesetzten hohen Standard halten? Nach etlichen Durchläufen kann ich diese Frage zumindest für mich mit einem eindeutigen 'JA' beantworten. Die Idee, ein Konzeptalbum über den schwedischen Nationalhelden König Karl VII. einzuspielen, ist aufgegangen und so bläst zumindest schon mal inhaltlich ein frischer Wind aus den Boxen. Weiterhin habe ich das Gefühl, daß nach dem gewaltigen Keyboard-Bombast speziell der letzten beiden Alben auf 'Carolus Rex' die Gitarren wieder ein wenig mehr in den Vordergrund getreten sind.
Musikalisch standen SABATON vor der schwierigen Aufgabe, den Fans auch auf 'Carolus Rex' den lieb gewonnenen typischen SABATON-Sound zu bieten, ohne sich dabei nur mehr selbst zu kopieren. Eine Gratwanderung, die Joakim und seine Mannen, wie ich finde, sehr gut hinbekommen habe. Daß bei einer Band mit einem derartig speziellen Sound wie SABATON nach fünf Alben in dem ein oder anderen Song Passagen oder Versatzstücke auftauchen, die dem geneigten Hörer irgendwie bekannt vorkommen, ist wohl unvermeidlich (ähnlich sieht es z.B. bei POWERWOLF aus), wenn die Band ihren Stil nicht komplett umkrempelt, und das wollen wir ja alle nicht. Von SABATON erwarte ich hochmelodische Power Metal Schmetter Granaten, von vorn bis hinten mitsingtauglich, bombastisch, druckvoll, mit mächtigen Chören und mit einhundert Prozent Hitpotential. Und genau das habe ich mit dem jüngsten Output der Schweden bekommen.
Hier die Bewertung der einzelnen Tracks:
1. Dominium Maris Baltici
Ein Intro, das das Album stimmungsvoll und Atmosphärisch eröffnet aber aufgrund der Kürze auch in den ersten Song hätte integriert werden können. 8/10
2. The Lion From The North
SABATON haben einfach ein Händchen für zündende Opener. 'The Lion From The North' reiht sich in typischer SABATON-Manier ohne Verluste in die Riege von Eröffnungsgranaten wie 'Primo Victoria', 'Attero Dominatus', 'Ghost Division' und 'Coat Of Arms' ein. Man fühlt sich beim Hören leicht an vergangene Highlights wie das letztgenannte Stück und '40:1' erinnert, was allerdings zumindest für mich keinen Kritikpunkt darstellt. 'The Lion From The North' geht sofort ins Ohr, in die Beine und in die Nackenmuskulatur. Textlich wollen SABATON wohl das Feld der Latein-Chorusse wohl nicht den Rivalen von POWERWOLF überlassen, und so gibt es hier einen schön in der toten Sprache geschmetterten Refrain, den man spätestens nach dem zweiten Durchlauf intus hat. Gelungener Einstand! 10/10
3. Gott Mit Uns
Und schon folgt das nächste Highlight. Bereits nach den ersten fünf Sekunden war für mich klar ' DAS ist der Gute-Laune-Song des Albums. Mit stimmlicher Unterstützung von Produzent Peter Tägtgren dröhnt eine exzellente Midtempo-Livehymne aus den Boxen, die wohl vor allem den deutschen Konzertbesuchern nach dem lautstarken Mitsingen eine gute Portion Heiserkeit bescheren dürfte. In diesem Sinne ''All Together: GOTT MIT UNS!' 10/10
4. A Lifetime Of War
Daß SABATON neben unzähligen Mid- und Uptempo-Stampfern auch Garanten für erstklassige Powerballaden sind, weiß man nicht erst seit 'Final Solution' oder 'Uprising'. 'A Lifetime In War', das bisher langsamste Stück in SABATONs Bandgeschichte steht auf Augenhöhe mit den beiden vorgenannten Stücken und Klassikern wie 'Purple Heart', 'Light In The Black' oder 'The Price Of A Mile'. Schleppend, episch und erhaben kommt 'A Lifetime Of War' daher und manifestiert sich als eins der absoluten Highlights auf 'Carolus Rex'. 10/10
5. 1648
Jetzt wird wieder aufs Gas getreten, und '1648' erinnert tatsächlich ein wenig an 'Back In Control', klingt dann im Endeffekt aber doch wieder anders und eigenständig. Eine mitreißende Nummer mit einem Super-Chorus, bei der die Füße von ganz allein mitwippen. 9,5/10
6. The Carolean's Prayer
Und auch die nächste Slowtrack-Dampfwalze läßt nach der Orgel-Einleitung Erinnerungen an vergangene SABATON-Glanztaten aufkeimen, in diesem Fall an das Titelstück und 'Cliffs Of Callipoli' vom vorletzten Album 'The Art Of War'. 'The Carolean's Prayer' präsentiert sich in den Strophen ruhig und getragen und in den Chorus-Passagen mächtig und druckvoll, hat eine tolle Melodieführung und einen herrlichen Mitsingrefrain, also genau das, was einen typischen SABATON-Song ausmacht. Außerdem ist das Stück eine schöne Einstimmung auf den folgenden Hauptsong des Albums. Die Spannung steigt! 10/10
7. Carolus Rex
Wie jedes der vorangegangenen SABATON-Alben hat auch 'Carolus Rex' seinen Übersong, in diesem Fall den Titeltrack. Hier stimmt einfach alles. Stampfende Drums, geniale Melodie, epische Lyrics, genialer Chorus! Nach einer kurzen atmosphärischen Einleitung formiert sich die sabatonische Kavallerie zur musikalischen Schlacht, die Drums beginnen zu stampfen, und dann setzt dieses Killerriff ein. Joakim beginnt die Lyrics würdevoll und erhaben zu zelebrieren, die Bridge gibt das Signal zur Attacke, und als der Chor einsetzt, gibt es kein Halten mehr, mit zerstörerischer Kraft wird alles niedergemacht, was sich der Kriegsmaschine SABATON in den Weg stellt! Gänsehautfeeling pur! Für mich ist 'Carolus Rex' einer der besten SABATON-Songs überhaupt und ein überragender Höhepunkt des Albums. 10/10
8. Killing Ground
Es folgt mein persönlicher Lieblingstrack auf 'Carolus Rex'. Ich habe hin und her überlegt, an welche vergangene SABATON-Glanztat mich das Stück erinnert, bis mir nach dutzenden Durchläufen mit einem Schlag ein Licht aufging. Auch wenn die Lyrics von 'Killing Ground' sich voll und ganz in das textliche Konzept des Albums integrieren, die musikalische Ausrichtung, die Songstruktur des Stückes steht eindeutig in der Tradition der Ein-Hoch-auf-den-Metal-Hymnen 'Metal Machine / Crüe', 'Metalizer' und 'Metal Ripper'. Diese Verwandtschaft fällt besonders in den Chorus-Passagen auf. However, 'Killing Ground' ist ein treibender, mitreißender, wunderbar mitsingtauglicher SABATON-Hit, mit sich gegenseitig voranpeitschenden Drums und Gitarrenläufen, der mir seit dem ersten Hören nicht mehr aus dem Ohr geht! 10/10
9. Poltava
Auch bei 'Poltava' treten SABATON etwas mehr aufs Gas. Gewürzt mit einigen Anleihen von 'Midway' und 'Ghost Division' entwickelt das Stück erstklassige Bang-Qualitäten und ist hervorragend zum extatischen Mattenschwingen geeignet. Und wer keine Matte hat, nickt trotzdem im Takt und singt halt einfach mit: ''Swedish soldiers met their bane ' Poltava''! 9,5/10
10. Long Live The King
Im vorletzten regulären Song des Albums drosseln SABATON noch einmal das Tempo, was 'Long Live The King' eine Erhabenheit verleiht, die den Lyrics würdig ist. Außerdem hören wir in diesem Song den vielleicht schönsten Chorus des gesamten Albums! Großartiges Stück! 10/10
11. Ruina Imperii
Den Abschluß des Konzeptalbums bildet das komplett in Schwedisch gehaltene 'Ruina Imperii'. Hier dürfen sich die Keyboards noch einmal in bester 'Art Of War' ' Manier austoben, das leicht orientalische Flair des Stückes weiß zu gefallen. Gesang, Drums, Gitarren und die Synthies verschmelzen zu einer homogenen Einheit und beenden eine grandiose Silberscheibe würdevoll. 9,5/10
Twilight Of The Thundergod (Digipak Bonus Track)
Das AMON ARMATH Cover ist gut gelungen (auch hier darf Peter Tägtgren noch mal ans Mikro), meiner Meinung nach wesentlich besser als 'Feuer Frei' (RAMMSTEIN) und 'In The Army Now' (STATUS QUO), fließt aber nicht in die Bewertung ein.
CD 2
Die dem Digi beiliegende 2. CD enthält das komplette Album noch einmal als schwedische Version, die ihren eigenen, ganz besonderen Reiz beim Hören entfaltet.
Produktion
Wenn kein Geringerer als Peter Tägtgren hinter den Reglern steht, weiß man, was einen produktionstechnisch erwartet, glasklarer, druckvoller Sound vom Feinsten! 10/10
Artwork und Verpackung
Coverartwork und Bookletgestaltung (inkl. einer ausführlichen Lektion in schwedischer Geschichte) sind exzellent und eine Klasse für sich. 9,5/10
Fazit
Während gerade, da ich diese Zeilen schreibe, die letzten Töne von 'Long Live The King' verklingen, kann ich sagen, daß ich mit dem neuen SABATON-Album absolut glücklich bin. Ich denke, die Scheibe läßt zwei verschiedene Schlußfolgerungen zu, entweder ist man der Meinung, daß 'Carolus Rex' vor allem aus Zitaten bekannter Songs besteht und somit nichts Neues bietet. Oder man fühlt sich beim Hören der neuen Songs angenehm an vergangene Großtaten unserer schwedischen Helden erinnert, die aber immer gerade dann, wenn man einen alten Song anstimmen möchte, doch ihre eigene Melodie, ihre ganz spezielle Note offenbaren, und damit die Eigenständigkeit, die SABATON vor Stagnation und Altmetallrecycling bewahrt.
Ich persönlich vertrete eindeutig die zweite Meinung. Joakim und seine Mannen haben mit 'Carolus Rex' ein Album geschaffen, auf dem ich zum ersten Mal, seit ich SABATON kennen und lieben gelernt habe, durchweg JEDEN Song mag.
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