Caroline von Braunschweig (1768-1821) wuchs streng behütet auf. Erst mit 26 Jahren erhielt sie die Gelegenheit auszubrechen durch ihre Heirat mit dem englischen Thronfolger, dem späteren George IV. Doch die vermeintliche Chance entwickelte sich schon bald in einen Alptraum. George, der Prinz of Wales, war zur Hochzeit mit der deutschen Prinzessin von seinem Vater und dem englischen Parlament gezwungen worden. Noch während sich Caroline von den Strapazen der Geburt ihres ersten und einzigen gemeinsamen Kindes, der Tochter Charlotte Augusta, erholte, verfasste ihr Gemahl ein äußerst seltsames Testament, nach dem seine ihm Angetraute leer ausgehen sollte. Später dann, im Sommer 1797 musste sie sogar nach Blackheath bei Greenwich umziehen - ohne ihre Tochter.
Karin Feuerstein-Praßer ist es gelungen, eine meiner Meinung nach ausgewogene Darstellung vom Leben der Caroline von Braunschweig zu schreiben. Jugend und Erziehung, die Ehe, die Zeit in Blackheath, die Reisen, ihr Aufenthalt in Italien, die Rückkehr nach England, das "Scheidungsverfahren", der vergebliche Versuch Einlass zu erhalten bei der Krönungszeremonie ... all dies wird von der Autorin beschrieben, so dass zumindest ich mich gut informiert fühle. Leider kenne ich bislang keine weiteren Bücher über Caroline, so dass ich keine Vergleiche ziehen kann.
Der Schreibstil ist locker und gut lesbar. Zitate sind nur in geringem Umfang in den Text eingebaut. Dies liegt unter anderem auch daran, dass die ungekrönte Königin Englands selber nur wenig Aufzeichnungen hinterlassen hat. Anscheinend handelt es sich bei den 1813 unter dem Namen von Caroline veröffentlichten "Denkwürdigkeiten" um kein authentisches Werk wie die Autorin auf Seite 11 ausführt. Sie war bei der Erstellung dieses Buches auf die Notizen von Zeitzeugen angewiesen. Hier sind insbesondere die Notizen von Lord Malmesbury erwähnenswert, der Caroline in ihrer Heimat abholte und auf die Ehe vorbereitete. Er erkannte schon sehr früh die Punkte, die sich später als hinderlich herausstellen sollten.
Außerdem hat mir sehr gut gefallen wie die zeitgeschichtlichen Ereignisse in das Buch integriert worden sind, nicht nur in England, wo z.B. die Folgen der Kontinentalsperre gezeigt werden, auch in Carolines alter Heimat Braunschweig, die im Frieden von Tilsit 1807 dem Königreich Westphalen einverleibt und in den Folgejahren von Napoleons Bruder Jerome beherrscht wurde. Des Weiteren wird natürlich auch die Hochzeit von Carolines Tochter mit Leopold von Sachsen-Coburg und deren tragischer Tod im Alter von nur 21 Jahren erwähnt.
Selbstverständlich finden sich auch mehrere Seiten mit Gemälden (leider nur schwarz-weiß abgedruckt) sowie eine Zeittafel, Stammbäume von Carolines Familie sowie der englischen Königsfamilie, eine umfangreiche Literaturauswahl, ein Register und Bildnachweise in diesem Buch.
Zuletzt möchte ich an dieser Stelle noch eine Lanze brechen für Lady Craven. Die Ansbacher werden sich womöglich nicht so gerne an sie zurück erinnern, da sie die zweite Gemahlin des letzten Ansbacher
Markgrafen war. Zu ihren Gunsten ist jedoch festzustellen, dass sie es war, die Caroline nach ihrer Rückkehr nach England, als diese obdachlos war, das Brandenburg House als Wohnsitz anbot. Dies zu einer Zeit, wo sich viele andere von Caroline distanzierten.
Mein Fazit: Interessant, informativ und gut geschrieben. Mir hat die Lektüre Spaß gemacht und ich habe viel hinzu gelernt.
PS: Der Titel dieser Rezension entstammt übrigens der von Caroline geplanten Inschrift für ihre Grabplatte. Ein Wunsch, den ihr George IV. nicht erfüllt hat.
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Nachtrag 10.4.2010
Warum sich die Beschäftigung mit Englands "gekränkter Königin" lohnt.
War das Leben Carolines einfach? Gewiss nicht. Zunächst von den Eltern über behütet, später dann die Schwierigkeiten in England: eine Schwiegermutter, welche die Braunschweigerin nicht leiden konnte, ein Ehemann, der ihr keine Wertschätzung entgegenbrachte, der schon frühzeitig darüber nachdachte, wie er sie loswerden könnte. Die Geliebte ihres Mannes wurde ihr zu Beginn der Ehe als Hofdame zugeteilt. Keine guten Ausgangsbedingungen. Andererseits Fehler von Caroline: ihr Verhalten bei ihrem ersten Gala-Diner auf englischen Boden zeugt von mangelndem diplomatischem Geschick. Die Ratschläge von Lord Malmesbury: nicht beachtet! Und so begann ein Ehekrieg.
Und doch gab es auch glückliche Momente im Leben der Caroline: die Zeit in Blackheath zum Beispiel. Frei und unbeschwert. Sie konnte Gesangsunterricht nehmen und entdeckte ihre künstlerische Ader. Auch die späteren Reisen und ihr Aufenthalt in Italien. Warum aber kehrte sie aus Italien zurück? Ihre juristischen Berater waren dagegen. Selbst der englische Premierminister Lord Liverpool warnte sie ausdrücklich vor der Rückkehr. Ihre jährliche Pension wäre um 15 000 Pfund auf 50 000 Pfund erhöht worden, wäre sie außerhalb von England geblieben, hätte sie diese und andere Bedingungen akzeptiert. Die Autorin stellt viele Fragen zu den Beweggründen, muss aber letztlich feststellen, dass es völlig unklar ist, "warum sich Caroline entschloss, ihr ungestörtes Leben in Pesaro aufzugeben, um sich in ein ungewisses Abenteuer zu stürzen." (S. 175) Es folgte die Obdachlosigkeit, ein "Scheidungsverfahren" ... alles kräfteraubend und die Krönung wurde ihr zudem versagt.
Eine interessante Fallstudie über menschliches Verhalten.