Irgendein kluger Mensch hat einmal gesagt, dass eine gute Fotografie mehr ausdrücken kann als tausend Worte. An diesen Ausspruch fühlte ich mich erinnert, als ich diesen dankenswerterweise großformatigen (36,4 x 27,4 x 1,6 cm) und sorgfältig gestalteten Bildband aufschlug.
Die zunächst zufällig aufgeblätterten Seiten forderten sofort meine volle Aufmerksamkeit. Nach wenigen Minuten begann ich ganz von vorne. Bild um Bild nahm ich auf, und jedes einzelne dieser siebenundvierzig Schwarz-Weiß-Fotografien verführte zu beinahe medidativem Verharren.
Nach etwa eineinhalb Stunden kam ich dann endlich dazu das zu tun, was ich sonst bei jedem Werk voranstelle: Ich informierte mich endlich über die Person, die eine so beeindruckende Arbeit abzugeben in der Lage war. Und hier fand ich einen kleinen Mangel. Die biografischen Angaben zur Künstlerin sind etwas dünne und auf berufliche, sparsame Details seit 1989 beschränkt. Aber, vielleicht ist das ja so gewollt, auch wenn mir dadurch die Fotografin als Person etwas fremd bleibt. Doch vielleicht lassen ihre einführenden Worte zum Bildband (in Englisch, Deutsch und Französisch) einen kleinen Einblick in das Denken Halley des Fontaines zu:
... UND HOFFE IM STILLEN, DASS ZWISCHEN DEN WOLKEN JENER WEISSE VOGEL ERSCHEINT, ...
Diese noch junge französische Fotografin (Jahrgang 1971) hat ihre Aufnahmen auf Reisen nach Indien, Nepal, Tibet, Kambodscha, Ägypten und Afghanistan zwischen 1999 und 2005, also über einen Zeitraum von sechs Jahren, erlebt, möchte ich sagen. Und an diesem Erleben lässt sie uns teilnehmen, dieser Reise zurück, weg aus der Betriebsamkeit der Weltmetropolen und hin zu den Orten, in denen der Mensch noch ein Teil der Natur ist.
Dank dem ungewöhnlichen Einfühlungsvermögen von Caroline Halley entstanden Portraits und Landschaftsaufnahmen von grandioser Intensität, vielleicht gerade auch durch die Reduzierung der Formsprache, den Verzicht auf Farbigkeit. Jeder Betrachter erkennt, dass die Künstlerin von diesen fremden, oft kargen Landschaften und ihren Menschen fasziniert ist, an denen Zeit und Geschichte vorbeigegangen zu sein scheinen, ohne Spuren zu hinterlassen.
Die Fotografien NOMADS / THE THREE GENERATIONS OF WOMEN / THE BUDDHA TREE / THE JAIL GAME beeindrucken durch ihre ungeheuerliche Intensität und Präsenz, genauso wie die harmonischen Kompositionen der Landschaftsaufnahmen PASSAGE / THE MIDDLE PATH / THE PRINCESS OF BAMIYAN / THE OLDEST DESERT faszinieren, nur um einige beispielhaft zu nennen.
Ohne Einschränkung: Ein sehenswerter Bildband, den ich gerne empfehle, weil Sie sich selbst und vielleicht auch anderen mit Sicherheit eine Freude machen werden. HMcM