Fast genau 10 Jahre nachdem Fugees-Frontmann Wyclef Jean sein Solo-Debüt "The Carnival" gedroppt hatte, kehrte er 2007 mit einer Art Jubiläumsalbum aus seiner dreijährigen Pause zurück. Dass der gebürtige Haitianer sich immer mehr vom Hip Hop entfernt hat, sieht man nicht nur an seinen letzten Alben "The Preacher's Son" und "Welcome to Haiti: Creole 101 ", sondern auch an seinen Produktionen für Leute wie Shakira. Auch sein neuestes Werk hat mit Hip Hop nicht mehr all zu viel am Hut, daher passt der Titel "Carnival Vol. II" perfekt, denn dieses Album bietet dem Hörer einen sehr bunten Mix aus verschieden Genres und Künstlern. So gibt es Rap, Reggae, Rock, orientalisch, Pop oder R'n'B, welche er mit seinen Gästen wie Norah Jones, Mary J. Blige, Sizzla oder Chamillionaire performt.
Der erste Track "Riot (Trouble Again)" ist für mich als Black Music-Fan der absolute Horror. Begleitet von harten und unmelodischen Gitarrenriffs von Serj Tankian von System of a Down können auch Wyclef und Sizzla nicht überzeugen , weshalb ich den Track auch noch nie zu Ende gehört habe. Viel besser ist da Lead-Single "Sweetest Girl (Dollar Bill)". Dieser Song ist in meinen Augen ein absolutes Meisterwerk. Chillige und emotionale Gitarrenmelodie, die einem gar nicht mehr aus dem Kopf geht. Dazu macht Wyclef mit seiner kratzigen Stimme alles richtig, genau wie seine Gäste um Akon, Lil Wayne und Niia, die ihm hervorragend dabei helfen, diesen Bomben-Track wahr werden zu lassen. Sehr gelungen ist auch "Slow Down" mit T.I.. Auch hier hätten wir wieder ein fantastisches Gitarrenstück, was eigentlich auch am Besten zu Wyclef passt, welches in Kombination mit den beiden Künstlern zu einem weiteren Hit wird. Dass Shakira auf diesem Album nicht fehlen darf, ist ja schon fast selbstverständlich. Allerdings hat der Song "King & Queen" nichts mehr mit den heißen Latino-Rhythmen a lá "Hips Don't Lie" zu tun, sondern ist total langweilig und sehr enttäuschend. Etwas besser, wenn auch nicht wirklich überragend, ist das nachdenkliche und ruhigere "Fast Car" mit Paul Simon. Die meisten dürften noch der Track "911" mit Mary J. Blige in den Ohren haben. Auch hier gibt's wieder einen Song der beiden. "What About The Baby" ist ein schöner, mittelschneller Jam, bei dem sie wieder eine leise E-Gitarre verwendet haben, die mit dem Gesang der beiden ein weiteres Mal wunderbar harmoniert. Auf "Hollywood Meets Bollywood (Immigration)" war ich sehr gespannt, da mit Chamillionaire einer meiner absoluten Lieblings-MCs dabei ist. Der Beat ist indisch-orientalisch angehaucht, was eigentlich eine sehr gute Idee ist, hier jedoch misslang und mir daher nur King Koopa's Strophe wirklich zusagt. "Any Other Day" ist dem Style von Feature Norah Jones angepasst, das heißt es ist eine eher ruhige Nummer, bei der Norah mit ihrer sanften Stimme zwar punkten kann, mir nach einer Weile jedoch zu langweilig wird. Das absolute Gegenteil ist das "Selena" mit Melissa Jiménez, was ein super Mischung aus Reggae mit Latin ist, daher schön melodisch und rhythmisch ist und einfach reingeht wie warme Butter. Zum Ende bekommt man mit dem fast 14 Minuten andauernden "Push Your Button / Carnival Jam" noch ein letztes Highlight geboten. Ein richtig schnelles Feuerwerk an verschiedensten Sounds, das mich richtig begeistert hat. Neben Wyclef steht hier eine ganze Mannschaft an Künstlern um will.i.am, Melissa Jiménez, Machel Montano, Daniela Mercury, Black Alex, Shabba & Djakout Muzik parat, die den Meister unterstützen. Zu guter Letzt hätten wir noch zwei Bonus Tracks. Der erste ist das orientalische "On Tour" (feat. Lucina), der im Vergleich zu "Hollywood Meets Bollywood" deutlich besser ist und Dancehall-Party-Smash "China Wine" mit Sun, Elephant Man & Tony Matterhorn, der auch zu den besseren Songs zu zählen ist. Insgesamt ist "Carnival Vol. II: Memoirs Of An Immigrant" ein durchaus gelungenes Werk, das Totalausfälle wie "Riot", Welcome To The East", "King & Queen" und "Hollywood Meets Bollywood" locker wegsteckt. Wer also mal nach einer etwas außergewöhnlichen und bunten Platte sucht, ist hier genau richtig.