Weiß der Kuckuck wo Decapitated heute stehen könnten, wäre die Band 2007 nicht in einen folgenschweren Verkehrsunfall geraten. Das Unglück riss ihren damals gerade 23 Jahre alten Drummer Witold "Vitek" Kieltyka viel zu früh und unvermittelt aus dem Leben.
Ihr damaliger Sänger Adrian "Covan" Kowanek kam zwar mit dem Leben davon, bangte jedoch lange um eben jenes.
Seit Gitarrist und Gründungsmitglied Waclaw "Vogg" Kieltyka beschloss, der Band wieder Leben einzuhauchen sind gut 3 Jahre vergangen und man durfte durchaus gespannt sein, wie die Polen heuer klingen werden.
Zunächst einmal wurden Nägel mit Köpfen gemacht und neben einem neuen Drummer suchte man sich auch gleich einen neuen Sänger und einen Bassisten.
Soviel zur Vorgeschichte und damit zum besseren Verständnis.
Meine anfängliche, gar nicht mal so rhetorische Frage rührt nämlich daher, dass Decapitated 2006 mit "Organic Hallucinosis" ein fantastisches Death Metal Album veröffentlichten, welches sowohl von Kritikern und Fans, als auch Musikerkollegen abgefeiert wurde.
Die Band hatte es geschafft, die Grenzen des Genres ein wenig auszuweiten und hatte spätestens mit dieser Platte (das 2002er Werk Nihility legte schon klar erkennbar den Grundstein) ihren eigenen Stil gefunden.
"Carnival Is Forever", das nunmehr fünfte Studioalbum des Quartetts hat also große Fußstapfen zu füllen. Zunächst fällt auf, dass die Scheibe weit entfernt ist vom sterilen, technoiden Sound seines Vorgängers. Der Sound ist fast schon als warm und äußerst lebendig zu bezeichnen und auch die ersten Sekunden Songmaterial lassen einen nicht unbedingt glauben, Ohrenzeuge der neuen Decapitated zu werden.
Hat man sich erst einmal auf die "neuen" Töne eingelassen, macht die Platte allerdings einen Heidenspaß. Es gibt, und das war seit jeher ein Plus der Band, unglaublich viel zu entdecken und diesbezüglich hat man sogar noch einen drauf gesetzt.
So ideenreich ist lange keine Band des Genres mehr vorgegangen. Neben massig Riffs zum Niederknien ist es die Art, wie die Band ihre Stücke arrangiert. Hier finden sich kaum gängige Schemata und doch fressen sich die Songs im Hirn fest. Als Anspieltipp sei an dieser Stelle der Titelsong genannt, der durch immensen Abwechslungsreichtum zu überzeugen weiß.
Anspruchsvolle Death Metal Fans, die es gerne etwas origineller mögen MÜSSEN zugreifen!