Die CD bringt wesentliche Teile des Carnegie Hall Konzerts vom 29. September 1947 (weggelassen wurde alles, was nicht mehr zu restaurieren war, im wesentlichen weil die Musiker off-mike spielten) und zählt nach meiner bescheidenen Meinung zu den besten Live-Mitschnitten aller Zeiten. 1947 hatte es der Bebop also bis in die Carnegie Hall gebracht, und war doch noch so frisch und unverfälscht wie in 5 Jahre zuvor in den Clubs, in denen er entstanden war. Zwei absolute Juwelen machen die CD aus: 5 Titel mit den wiedervereinten Charlie Parker und Dizzy Gillespie (begleitet von einer Rhythmusgruppe aus Dizzy's Big Band, die man getrost außer Acht lassen kann), und 10 Titel von ebenjener Dizzy Gillespie Big Band, die den großorchestralen Jazz für immer verändert hat.
Die fünf Quintet-Titel, sorgfältigst restauriert und in ihrer Tonqualität durchaus den Studioaufnahmen jener Zeit ebenbürtig, sind so atemberaubend, so unbeschreiblich gut, dass sie allein schon den Kauf einer ganzen CD rechtfertigen würden. Die beiden Jungs fliegen durch ihr altbekanntes Repertoire, "A Night in Tunisia", "Dizzy Atmosphere", "Groovin` High", "Confirmation" und "Koko", in einer solchen Hochform, mit einer solchen Verve, das kann man fünfmal hintereinander hören und entdeckt immer noch etwas Neues mit "Wow!"-Effekt. Der absolute Höhepunkt ist Bird auf "Koko" - zuhören und staunen.
Nach dieser Einleitung fallen die Titel mit der Big Band naturgemäß etwas ab, nicht weil sie schlecht sind, sondern weil sie vielleicht nicht ganz so hell leuchten. Auch hier finden wir alle die Klassiker, beginnend mit einem meiner Lieblingstitel, "Cool Breeze" und endend mit einem anderen Lieblingstitel, "Things To Come". Dazwischen ein Klassiker nach dem anderen, hervorzuheben sind insbesondere die Titel, die die Band nie im Studio aufgenommen hat: "Relaxin` At Camarillo" in einem Arrangement von George Russell, "Salt Peanuts" (zumindest nie von dieser Band im Studio eingepielt), "Hot House" in einem Arrangement von Tadd Dameron und John Lewis` "Toccata for Trumpet". Auch hier durchgängig gute Restauration, wenn man verschiedene Bootleg-LPs von vor 30 Jahren noch gekannt hat, staunt man immer wieder, was Toningenieure heute zustande bringen.