Japanische Komödien und Musicals sind bei uns nahezu unbekannt. Zu unrecht, wie sich an der äußerst lobenswerten DVD-Veröffentlichung von "Carmen kehrt heim" (1951), Japans erstem Farbfilm, zeigt. Zugegeben, einiges ist da gewöhnungsbedürftig. Spätestens wenn zwei Mädchen in schrillen Outfits singend über die Weide tanzen, merkt man, dass hier andere Sehgewohnheiten am Werk sind. Und dennoch: Keisuke Kinoshitas Film ist ein ambitionierter, sehenswerter und unterhaltsamer Streifen mit durchaus kritischen und tragikomischen Untertönen.
Die junge Kin hat gegen den Willen des Vaters ihr Heimatdorf am Fuße des Asama Vulkans verlassen. Nun kehrt sie für einige Tage zusammen mit einer Freundin zurück. Mittlerweile hat sie sich als Stripteasetänzerin "Carmen" in Tokio einen Namen gemacht und sorgt in dem kleinen Dorf für gehörigen Aufruhr.
Kinoshita kontrastiert dabei gekonnt die grellen, bunten Kleider der beiden Mädchen mit der natürlichen Schönheit der Landschaft und weist so auf die Kluft zwischen der ländlichen Bevölkerung und dem Stadtleben hin. Es finden sich auch einige versteckte Reflexionen über Kunst bzw. Kunstbetrieb: So ist der einzige echte Künstler im Dorf ein blinder Komponist, der in Geldnöten steckt und seine Orgel verkaufen musste, während die auffallend- aufreizenden Neuankömmlinge als große Künstlerinnen gefeiert werden. Da wittert auch ein angehender Hotelbesitzer seine Chance. Durch diese und andere Details gelingt Kinoshita ein überraschend hellsichtiger und kritischer Kommentar an der modernen Nachkriegsgesellschaft, die sich zunehmend weiter entfremdet. In erster Linie ist "Carmen kehrt heim" aber eine schrille Komödie, eine Mischung aus Musical und Heimatfilm, schräg, witzig und charmant.
Zur DVD: Bedenkt man das Alter des Films wirken die Farben erstaunlich kräftig, die Bildqualität ist in Ordnung. Dennoch dürfte das Ausgangsmaster nicht von besonders guter Qualität gewesen sein, was sich vor allem an der dürftigen Tonqualität zeigt. Das ist schade, vor allem bei einem Film, der seinen Reiz aus den schrägen Tanz- und Musikszenen bezieht. Dennoch großes Lob an "poly film" diesen Film in der fantastischen Reihe "Japanische Meisterregisseure" herausgebracht zu haben.