Als dieser Film Anfang der 80er erschien, war er ein Riesenerfolg - und der letzte Opernfilm, den ich mich erinnern kann, im Kino gesehen zu haben. Damals war ich tief beeindruckt und bin es noch heute:
Zunächst einmal musikalisch:
Dass Placido Domingo ein hervorragender Don José war, hatte er schon in mehreren Aufnahmen (Solti, Abbado) bewiesen. Auch Ruggiero Raimondi ist ein Interpret, der alle Voraussetzungen für den erstklassigen Escamillo mitbrachte, den er hier singt: Eine volle, runde Bassstimme mit guter Höhe und genügend Kern.
Julia Migenes dagegen war eigentlich eher als Operetten-Sopranistin bekannt, nicht als Opernsängerin und schon gar nicht als Mezzo-Sopran. Sie schlägt sich ausgesprochen gut, weil sie nicht mit zwanghaften Brusttönen auf Mezzo macht, sondern mit einem an eine Chanson-Interpretin erinnernden Stimme und natürlicher Phrasierung singt. Die beste Sopran-Carmen, Victoria de los Angeles, ist nicht mehr weit entfernt, hatte nur mehr Farben in der Stimme.
Auch sonst gehört der Soundtrack dieses Films zu den überzeugendsten Carmen-Gesamtaufnahmen. Einzig Faith Esham als Micaela bietet eine ordentliche, aber nicht glanzvolle Leistung.
Dass die Sänger alle auch schauspielerisch überzeugen (und angemessen gut aussehen), überrascht schon eher. Insbesondere Migenes liefert hier eine Glanzleistung ab, aber auch Domingo und Raimondo entsprechen nicht nur optisch ihren Rollen.
Dazu kommt dann das Bild: Der Regisseur hat tatsächlich in Südspanien gedreht und fängt die Atmosphäre, die Farben, die Hitze des Landes (und der Gemüter) perfekt ein. Da ist nichts zu spüren von dem kitschig-bunten Zigeunerkolorit alter Carmen-Inszenierungen, nichts von der Künstlichkeit vieler alter Opernfilme mit schlechter Lippen-Synchronisation.
Kurz: Ein Film, den man mindestens auf einem großen Flachbildschirm mit guter Tonanlage genießen sollte.