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58 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Vermächtnis eines Genies, 24. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Carlos Kleiber: Complete Recordings on Deutsche Gr (Audio CD)
Carlos Kleiber war schon zu Lebzeiten eine Legende - nicht zuletzt, weil er sich in seinen späteren Jahren sehr rar machte, vor allem aber, weil er jedes Werk, das er dirigierte, so genau studierte und so intensiv probte wie kein anderer. Jede einzelne seiner wenigen Aufnahmen gehört zu den besten der aufgenommenen Werke. Abgesehen von wenigen Live-Mitschnitten findet sich in dieser Sammlung - für den Preis einer Einzel-CD - Kleibers gesamtes musikalisches Vermächtnis, aufgenommen zwischen 1973 und 1982:
Den Anfang macht Webers Der Freischütz, aufgenommen 1973 in Dresden mit einer Ost-West-Starbesetzung (Gundula Janowitz, Edith Mathis, Theo Adam, Peter Schreier, Franz Crass, Bernd Weikl, Staatskapelle Dresden), eine bis heute unübertroffene, mit einer Ausnahme (unter Joseph Keilberth) sogar konkurrenzlose Einspielung.
1974 bzw. 1976 entstanden Aufnahmen der 5. und 7. Symphonie von Beethoven mit den Wiener Philharmonikern - besonders die 5. ist von enormer Intensität.
An seiner Hauptwirkungsstätte seit Beginn der 70er Jahre, der Bayerischen Staatsoper, nahm Kleiber 1975 Johann Strauss' Fledermaus auf, orchestral sensationell, mit sehr guten weiblichen Solisten (Julia Varady, Lucia Popp), bei den Männern (Hermann Prey, Rene Kollo, Bernd Weikl, Ivan Rebroff [!]) allerdings nur bedingt beglückend.
1976/77 entstand - wieder in München - Verdis La Traviata, eine in ihrer Sensibilität und Intensität, der Geschlossenheit des Ensembles unerreichte Aufnahme, bei der auch die Solisten (Ileana Cotrubas, Placido Domingo,
Sherrill Milnes) wieder überzeugen.
Wieder die Wiener Philharmoniker leitete Kleiber 1978 bei Aufnahmen von Schuberts Symphonien Nr. 3 & 8 ("Unvollendete"), 1980 bei Brahms 4. - auch diese Einspielungen sind von einer unerreichten Sensibilität, Präzision und Intensität.
Den Abschluss macht eine Gesamtaufnahme von Wagners Tristan und Isolde, entstanden 1982 in Dresden (Rene Kollo, Margaret Price, Kurt Moll, Dietrich Fischer-Dieskau, Brigitte Fassbaender, Staatskapelle Dresden). Kleiber selbst war mit den Aufnahmesitzungen - insbesondere mit der Leistung Kollos - dermaßen unglücklich, dass er sie vorzeitig abbrach und später nie mehr ein Aufnahmestudio betrat. Trotz dieser Probleme ist eine vor allem orchestral enorm spannende Aufnahme entstanden. Auch Price als traumhaft jugendliche Isolde, Fassbaender und Moll leisten großartiges. Und auch Kollos Tristan ist zumindest rollendeckend. Nach den Großleistungen Furtwänglers und Böhms die bis heute überzeugendste Studioaufnahme von Wagners persönlichstem und innerlichstem Drama.
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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Zugreifen!, 22. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Carlos Kleiber: Complete Recordings on Deutsche Gr (Audio CD)
Vorweg der Ehrlichkeit halber: ich besitze dieses Box-Set nicht und kenne Kleibers Fledermaus und seinen Tristan noch nicht.
Dass ich mich dennoch äußere, liegt ganz einfach daran, dass ich jedem Klassik-Fan, der nicht schon den Großteil dieser Aufnahmen besitzt, unbedingt zum Kauf raten möchte.
Kleibers Freischütz (kostet einzeln 15.97 bei Amazon) ist absolut herausragend. Eine feurige und traumhaft durchgearbeitete Ouvertüre, atemberaubendes Tempo und Temperament bei der Introduktion und z.B. beim Walzer (ist vielleicht für manches Ohr zu extrem, hat aber ungeheuer viel Kraft), dazu mit Peter Schreier einen herausragenden Max, mit Theo Adam einen herausragenden Kaspar (er wächst bei dieser Aufnahme über sich hinaus), Gundula Janowitz vorzüglich als Agathe, Edith Mathis eine Luxusbesetzung für Ännchen. Wirklich herausragend!
Niemand dirigiert Schuberts dritter Symphonie (einzeln 7.97) so schön wie Carlos Kleiber bei dieser Aufnahme. Auch hier flotte Tempi, die der oftmals etwas bieder aufgeführten Symphonie etwas Mitreißendes geben, wunderschön herausgearbeitete Bläserpassagen (Klarinetten), für mich die absolute Referenz für Schuberts Dritte. Auch bei der Unvollendeten gehört Kleiber zum absoluten Vorderfeld, ist für mich hinter Thomas Dausgaard die Nummer 2 bei einer riesigen Anzahl an Konkurrenten. Im ersten Satz nicht romantisch verklärend, sondern zügig, ohne zu hetzen, im 2. Satz ebenso mit brillianter Leistung.
Beethovens Fünfte und Siebte Symphonie (einzeln 15.97 als SACD) haben bei Kleiber viel Volumen, werden etwas weihevoller und langsamer gespielt als man dies heute häufig hört, aber auch nicht so kitschig-verklärend wie dies zur Zeit der Aufnahme typisch war. Kleiber arbeitet dabei einzelne Phrasierungen und Instrumentierungen sehr schön heraus, was bei einem großen Klangkörper wie den Wiener Philharmonikern nicht gerade einfacher ist als bei den Originalbesetzungen, mit denen Norrington, Järvi und Co. operieren. Kleibers vierter Satz der 7. Symphonie ist einfach absolut herrlich. Nicht so gehetzt und hart wie beim späten Karajan oder so völlig überstürzt wie bei Dudamel, auch nicht so transparent wie bei Järvi, dafür aber einfach mit einem herrlichen Bläserklang und sehr viel Ausdruck.
Wer diese CDs noch nicht besitzt, sollte bei diesem Box-Set unbedingt zugreifen!
Zu Brahms' Vierter, zur Fledermaus und zu Tristan kann ich mich nicht qualifiziert äußern. Die Brahms-Aufnahme besitze ich zwar, bin aber bisher noch nicht so vertraut mit Brahms'Symphonik, dass ich mir ein Urteil zutrauen würde. Die Fledermaus und den Tristan besitze ich wie gesagt nicht.
Fazit: Der Freischütz, Schubert und Beethoven allein würden den Kauf rechtfertigen!
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24 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Boxen,immer mehr Boxen, 8. Juni 2010
Rezension bezieht sich auf: Carlos Kleiber: Complete Recordings on Deutsche Gr (Audio CD)
Das waren noch Zeiten,als die DG Aufnahmen von Kleiber verkaufen konnte, die nicht einmal 50 Minuten Musik hatten.
Diese Zeiten sind vorbei.
Vorbei auch, dass Kleiber keinesfalls unumstritten war. Ich erinnere gut,dass er mit seiner Schubert-Interpretation sehr umstritten war. Inzwischen ist er eine Legende.
In dieser Box werden seine wichtigsten Aufnahmen zusammengefasst. Viele hat er ja nicht gemacht. Das Repertoire war immer klein. Dafür waren die Interpretationen aussergewöhnlich.
Kleiber schaffte es, die Musiker zu elektrisieren. Paradigmatisch die Probe der Freischützouvertüre mit einem Rundfundorchester,eigentlich Musikbeamte. Unter Kleibers Händen erwachen sie zu intensiven Musikanten.
Von den wenigen Aufnahmen, die es gibt,vermisst man schmerzhaft die überragende Interpretation der zweiten Brahms-Sinfonie.
Wenige andere Aufnahmen von Kleiber bei anderen labels,Emi oder Orfeo, fehlen naturgemäss.
Perfektes Musizieren zum Boxenpreis.
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