Die Lehren des Don Juan systematisch zusammenzufassen verdient sicherlich Anerkennung. (1. Stern) Hin und wieder findet der Autor auch ganz schöne Formulierungen um einen Sachverhalt zusammenzufassen, wie etwa wenn er die besondere Struktur der Castaneda Bücher beschreibt, die parallel zu dessen Entwicklung geschrieben worden sind. (2.Stern) Leider verflacht die Lehre Don Juans erheblich in der vorliegenden Zusammenfassung, so dass sie ihre eigentliche Wucht einbüßt und zu eher harmloser Esoterik schrumpft. Kaum vorstellbar, dass das Lesen des Buches zu einer Montagepunktverschiebung (Verschiebung des kognitiven Systems) beim Leser führen dürfte. Das Thema "die eigene Geschichte löschen" wird dann auch derart unpräzise angegangen, das Castaneda/Don Juan ordentlich verfälscht wird. So gibt der Autor sinngemäß von sich, dass es nicht gleich eine ganze Psychoanlalyse bedürfe, sondern dass allein schon über die eigene Geschichte (im Sinne der Lehre) zu reflektieren, entsprechende Fixierungen lösen würde. Oft belaufen sich die Tipps sinngemäß auf Aussagen von dieser Güte: "Wir müssen einfach unseren Blickwinkel ändern, das macht natürlich Angst." Das ist weit entfernt von der Präzäsion eines Don Juan und gibt vielleicht einen Hinweis darauf wie tief der Autor selbst in die Thematik eingedrungen ist. Er schreibt - so mein Eindruck - über Dinge oder Bereiche des Bewußtseins, die er nicht erlebt hat bzw. in seinem Alltag nicht verankern konnte.
Ganz schön ist dann wiederum, dass sich Herr Lütge die Mühe macht verschiedene Aspekte der Lehre als Schaubild darzustellen. Allerdings siedelt er beispielsweise das "Träumen" vor dem "Pirschen" an, was ich für eine Verdrehung halte - bezieht sich auf Techniken die der Krieger auf seinem Weg erlernt bzw. sich aneignet. (zu einem 3. Stern konnte ich mich nicht durchringen)
Auch die Abhandlung der 4 Feinde des Menschen (Angst, Klarheit, Macht, Alter) versandet in Oberflächlichkeit. Mir kommt dabei die Frage welche Absicht der Autor beim Verfassen des Buches verfolgte. Das Buch will eine praktische Anleitung (Lebenshilfe für den Leser) sein, ist aber in diesem Punkt kaum geeignet tiefere Einsichten oder Ansätze zu vermitteln. Vielleicht spielte Herrn Lütge ja in seinem Vorhaben die eigene Wichtigkeit einen Streich? Oder die Zusammenfassung war eine eigene Integrationsleistung? - das wäre in jedem Fall anzuerkennen. Aber als praktische Anleitung ist das Buch wohl nicht mehr als ein respektabler Versuch.