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Carl Haffners Liebe zum Unentschieden: Roman
 
 
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Carl Haffners Liebe zum Unentschieden: Roman [Taschenbuch]

Thomas Glavinic
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (17 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 208 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Februar 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423134259
  • ISBN-13: 978-3423134255
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (17 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 100.061 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Thomas Glavinic
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Es gibt in der Welt der Schachspieler die Gruppe der Ewigen Kronprinzen, jener Schachspieler, die wenigstens einmal die Chance gehabt haben, den Weltmeistertitel zu erringen, denen es aber nie gelungen ist. Viele von Ihnen galten und gelten als zumindest ebenso starke Spieler wie die Weltmeister, die sie herausgefordert haben. Einige von Ihnen haben mit ihrem Scheitern einen tragischen Ruhm erworben, der an Bedeutung sicher dem des jeweiligen Weltmeisters gleichkommt. Einer von diesen tragischen Kronprinzen, vielleicht der tragischste überhaupt war Karl Schlechter. Er war das größte Talent der sogenannten Wiener Schachschule und spielte im Jahr 1910 sein denkwürdiges Match um den Titel des Schachweltmeisters gegen Emanuel Lasker. Lasker war nach Wilhelm Steinitz, der sich seit einem Wettkampf gegen Adolph Anderssen 1866 offiziell und weitgehend unwidersprochen Schach-Weltmeister nannte, erst der zweite Träger dieses Titels, nachdem er Steinitz 1894 in einem Match besiegen konnte. Damals war der Weltmeistertitel beinahe so etwas wie ein Privatbesitz (ähnliche Verhältnisse gibt es heute auch wieder), das heißt, daß der Weltmeister entschied, gegen wen und unter welchen Bedingungen er den Titel verteidigte. Lasker galt dabei als ein Muster an Vorsicht: Ihm wurde oft vorgeworfen, seinen Titel in den meisten Fällen nur gegen eigentlich zweitklassige Spieler verteidigt zu haben. Jedenfalls behielt Lasker seinen Weltmeistertitel 27 Jahre lang, bis er ihn, im Alter von 53 Jahren, halb freiwillig an den jungen, aufstrebenden José Raoul Capablanca verlor. Er verteidigte den Titel in dieser Zeit in sechs Wettkämpfen, von denen ihn nur ein einziger, der gegen Karl Schlechter, an den Rand einer Niederlage brachte.

Lasker war 1910 immer noch auf der ganzen Höhe seiner Spielstärke: Er hatte noch im Jahr zuvor zusammen mit Rubinstein das starke St. Petersburger Turnier gewonnen. Schlechter andererseits war ohne jede Frage einer der stärksten Spieler seiner Zeit und würde im selben Jahr des Weltmeisterschaftkampfes noch das gut besetzte Hamburger Turnier gewinnen. Der Wettkampf zwischen Lasker und Schlechter war auf 10 Partien angesetzt; dem Weltmeister genügte damals wie heute ein Unentschieden im Gesamtergebnis, um seinen Titel behalten zu dürfen. Schlechter galt als überragender Verteidigungskünstler, der es seinem Gegner schwer machen würde, seinen Stil durchzusetzen. Und entsprechend war der Verlauf des Wettkampfes: Acht der zehn Partien endeten Remis; nur zwei Partei wurden entschieden. Schlechter gewann die fünfte, zugleich die letzte der in Wien gespielten Partien; Lasker die zehnte und letzte, in Berlin gespielte Partie des Wettkampfs und blieb so bei einem Endstand von 5 : 5 Weltmeister.

Es ist viel um diese letzte Partie des Wettkampfes gerätselt worden. Schlechter hatte eine bessere Position erreicht, die ohne jede Frage zum Remis, vielleicht sogar zu einem zweiten Sieg hätte reichen müssen. Aber ganz entgegen seiner sonstigen, sehr vorsichtigen Spielweise, beginnt Schlechter plötzlich riskant zu spielen und die Partie zu öffnen. Man muß Lasker zugestehen, daß er diese einzige Chance, die ihm Schlechter während des Wettkampfs geboten hat, augenblicklich genutzt hat, um die Partie zu seinen Gunsten zu entscheiden.

All dies ist der Stoff, aus dem Thomas Glavinic, selbst ein starker Schachspieler, seinen Roman gearbeitet hat. Er beschreibt die Umstände des Wettkampfes sehr detailliert und weitgehend historisch exakt und stellt dabei in den Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit seine Romanfigur Carl Haffner, die er mit den historischen Personen umgibt. Carl Haffner ist einerseits mit der Biographie Karl Schlechters ausgestattet, aber er ist andererseits eine erfundene Figur, die der Roman mit all ihren Gedanken, Ängstlichkeiten und Marotten erst erfindet, um sie jene Stelle des historischen Karl Schlechter vollständig ausfüllen zu lassen. Glavinic ist sich durchaus darüber im klaren, das er hier einen Drahtseilakt versucht, und es ist kein Wunder, daß die Schach-Fachpresse es nicht hat unterlassen können, die Erfindung der Figur Carl Haffner am historischen Gegenstück zu messen und das eine oder andere auszusetzen.

Das scheint mir recht unangemessen zu sein: Wenn ein Autor schon absichtlich in ein sonst bemüht exakt gezeichnetes historisches Bild eine erfundene Figur hineinstellt, so sollte man ihm dann schon das Zugeständnis machen, diese erfundene Figur mit den Wesenszügen, Charaktermerkmalen und -schwächen auszustatten, die der Autor für seine Geschichte benötigt. Der Roman ist schlicht keine Biographie und will keine sein.

Das Buch ist gut und lesbar geschrieben. Es konzentriert sich sehr auf die Empfindungen, Befürchtungen und Hoffnungen seines Titelhelden. Glavinic versteht es, auch dem nicht Schach spielenden Leser die Monomanie verständlich zu machen, die in nicht wenigen Fällen mit der absoluten Konzentration der großen Spieler auf ihr Spiel verbunden ist. Er zeigt die Vereinzelung seines Protagonisten, seine Hilflosigkeit im Alltag und den Wesenswandel, der mit ihm vorgeht, wenn er sich in sein Spiel vertieft. Er zeigt die Besessenheit Haffners, der schon als Jugendlicher Schule und Beruf vernachlässigt, einzig um seiner wirklichen Leidenschaft und seinem wahren Talent nachzugehen: dem Schachspiel. Er begleitet den Aufstieg des jungen Mannes zum größten Talent und zur Hoffnung der Wiener Schachschule, der deutschen Übermacht im Schach etwas entgegenstellen zu können. All dies erzählt Glavinic wie nebenbei, während im Zentrum des Romans jene Tage der zehn Weltmeisterschaftspartien stehen. Und Glavinic hat den nötigen Abstand zu der Sache, die er beschreibt: Mit Hilfe der Figur der jungen Journalistin Anna Feiertanz -- bei der ich neugierig wäre, ob es für sie ein historisches Vorbild im Umfeld Schlechters gegeben hat -- karikiert Glavinic das "äußerst bedeutende" Treiben der Schachmeister und ihres Anhangs. Sie behält den Blick von Außen auf das Geschehen und begleitet es hier und da mit ihren ironischen und spöttischen Kommentaren.

Auch Thomas Glavinic löst letztendlich das Rätsel um die zehnte Partie nicht, denn schließlich ist es bei ihm Carl Haffner, der diesen Wettkampf spielt und verliert. Aber Glavinic macht klar, welche Spannungen und Widersprüche dabei vielleicht im Spiel gewesen sein könnten. Ein gelungenes und gut lesbares psychologisches Gedankenexperiment, das nicht nur für Schachspieler von Interesse sein dürfte. --Marius Fränzel -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Neue Zürcher Zeitung

Haffners Verteidigung

Ein geglückter Schachroman von Thomas Glavinic

Selten sind Débutromane so unzeitgemäss, so altmodisch entrückt in ferne Epochen und weltfremde Themen. Die Jungautoren von heute doktern lieber am Puls der allerneuesten Zeit herum; ohne die nötigen Sprachmittel verschreiben sie sich der kranken Gegenwart, in Berlin oder wo immer der Zeitgeist lärmt. Nicht so Thomas Glavinic, Jahrgang 1972, aus der Steiermark, dessen erster Roman zur letzten Jahrhundertwende in Wien handelt, aber ohne modisch historischen Dekor. «Carl Haffners Liebe zum Unentschieden» erzählt von einem Schachmeister und seiner ärmlichen Herkunft, vom Rummel um ihn und von seinen grossen Lieben: zum Schachspiel, mehr noch zu unentschiedenen Partien, am meisten aber zu seiner Halbschwester Lina.

Ein Eigenbrötler

Thomas Glavinic schreibt über ein konventionelles Thema auf konventionelle Art. Dennoch ist sein erster Roman zugleich ein spannendes Schachbuch und ein feingesponnenes Psychodrama, weil er sich offensichtlich auf beiderlei versteht, auf das Schachspiel und die Erzählpsychologie. Die belletristischen Bücher über das Spiel der Könige, über Schachgenies und ihre wunderliche Welt, sind beinahe so zahlreich wie die Klischees darüber. Geschickt hält Glavinic den Abstand zu Vorbildern und Schablonen. Sein Roman liegt irgendwo zwischen der literarischen Biederkeit von Zweigs «Schachnovelle» und dem erzählerischen Genie von Nabokov in «Lushins Verteidigung» – wohl ein wenig näher bei letzterem. Sein Held Carl Haffner hat mit Lushin zumindest einen Charakterzug gemein, die an Schwachsinn und an Genialität grenzende Eigenbrötelei.

Als biographisches Gerüst für die schrullige Figur Carl Haffners hat der Autor die Lebensdaten des österreichischen Schachmeisters Karl Schlechter (1874–1918) verwendet. Wieviel er dazugedichtet hat, wissen nur die Eingeweihten. Auf zwei Ebenen erzählt er die Vergangenheit und die Gegenwart von Carl Haffner, dem stärksten Verteidiger in der Welt der Schachbretter. Dieser Romanheld fordert 1910 den deutschen Emanuel Lasker, den wirklichen Weltmeister (und wirklichen Schwager der Dichterin Else Lasker-Schüler). Zehn Partien werden gespielt, fünf in Wien und fünf in Berlin, ein rechtes Medienspektakel, eine gegenläufige Parallelaktion zwischen Österreich und Deutschland. Nach fünf Partien in Wien ist der Österreicher in Führung, er müsste in Berlin nur noch unentschieden spielen, um Weltmeister zu werden. Aber da packt ihn der Zweifel, und er will ein würdiger Weltmeister sein oder gar keiner. Aggressiv geht er ins letzte Spiel, er vergisst seine Maxime, dass für ihn Verteidigung immer die beste Verteidigung ist, und er verliert. Langsam gerät er in Vergessenheit und stirbt 1918 in Budapest an Hunger und Entkräftung.

Der Schachrummel ist in diesem Buch nur das Zentrum, das alles zusammenhält, drumherum geht es um den Menschen Carl Haffner, um seine Familie und sein kauziges Leben in selbstgewählter Armut. Ausführlich erzählt Thomas Glavinic die Vorgeschichte (gar weit ausholend), von der Reise des Grossvaters aus Königsberg ins kaiserliche Wien, wo er ein erfolgreicher Komödiendichter wird. Der Vater bringt es nur noch zum Heurigen-Musikanten, der im Suff stirbt, nachdem er Frau und Sohn verlassen hat, um mit einer Jüngeren eine Tochter zu zeugen. Diese Halbschwester lernt Haffner etwas später kennen, und sie wird ihm wichtiger werden als alle Schachbretter, die ihm doch nicht die ganze Welt bedeuten. Mit dem Kopf ist er bei ihr, als seine entscheidende Partie in der Weltmeisterschaft aussichtslos ist. ‹Verliere ich eben›, dachte er. ‹Hauptsache, Lina liebt mich.›» Leid tut ihm nur, dass er ihr die goldene Uhr nicht schenken kann, die Prämie in diesem Kampf.

Entschlossener Zögerer

Mit sprachlicher Vorsicht und Sparsamkeit zeichnet Thomas Glavinic diese traurigen Figuren aus Wiener Schachcafés und Wirtshäusern. Mit dem Vater spielt Carl Haffner als Kind seine ersten Partien, jeweils einen Zug nach einer durchzechten Nacht. Die Mutter ist «die jüngste Abortfrau von Wien». Auch als Carl schon eine Berühmtheit ist, knausert er noch mit sich selbst; er hungert und geniert sich, ein Häppchen von den Silbertabletts in den mondänen Schachsalons zu nehmen. Selbst vom Baron Rothschild will er sich nicht das Mittagessen bezahlen lassen. Nur für Lina will er was ausgeben, sein weniges Geld und sehr viel Bruderliebe. – Einmal versucht er, sie auf den Mund zu küssen, wird abgewiesen, und nie wieder reden sie darüber.

Carl Haffner ist die blasse Verkörperung des österreichischen Geistes am Schachtisch, ein Monument des müden Gleichgewichts und der konservierenden Verteidigung. Er ist eisern entschlossen zum Zögern. Er liebt den Status quo, das Unentschieden, denn er glaubt an ein Leben nach dem Turnier. Und «ausserdem wollte er seinem Gegner nicht lästig fallen». Sein deutscher Widersacher Emanuel Lasker ist so gegensätzlich zu ihm wie bei Robert Musil der Möglichkeitsmensch Ulrich und der Wirklichkeitsapostel Arnheim. Der Vergleich mit Musils Helden ist hoch gegriffen; das weiss auch der Autor Thomas Glavinic, der sein literarisches Vermögen genau zu kennen und zu dosieren scheint. Mehrere gute Eigenschaften hat dieser Erstlingsroman aber gewiss. Er kann auch dazu verleiten, wieder einmal Nabokov zu lesen und sich stundenlang in «Lushins Verteidigung» zu verlieren.

Franz Haas -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Eine moderne Schachnovelle 10. Januar 2010
Von W. Öschelbrunn TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Thomas Glavinic gelingt mit "Carl Haffners Liebe zum Unentschieden" eine moderne Schachnovelle, die an seinen großen Landsmann Stefan Zweig zu erinnern vermag.

Thomas Glavinic, selber ein bewanderter Schachspieler, schildert die 1910 in Wien und Berlin ausgetragene Schachweltmeisterschaft zwischen dem deutschen Titelträger Emmanuel Lasker und seinem österreichischen Herausforderer Carl Haffner. Der Erzählung zugrunde liegt die tatsächliche Auseinandersetzung zwischen Lasker und dem Österreicher Carl Schlechter, die im besagten Jahr real stattgefunden hat. So entspricht der geschilderte Verlauf der Weltmeisterschaft weitesgehend dem historischen Vorbild. Um die Person des Österreichers literarisch ausbauen zu können, änderte Glavinic aber dessen Namen.

Glavinic schafft es, nicht nur einen großen Spannungsbogen aufzubauen, sondern baut geschickt zweitliche Rückblenden über das imaginäre Leben Carl Haffners ein. Wird auf den ersten Seiten des Buches noch mit einem Augenzwinkern vom der Aufgeglichenheit des Charakters zuträglichen Schachspiel berichtet, wird ebenso schnell deutlich, dass Carl Haffner diesem weltmeisterschaftlichen Kräftemessen nicht gewachsen sein wird. Carl Haffner geht jeglichen Konflikten aus dem Weg und ist stets bemüht den Erwartungen seiner Mitmenschen gerecht zu werden. Seine eigene Interessen vermag er kaum wahrzunehmen und würde ohne das handgreifliche Einschreiten seiner Mitmenschen verhungern und verwahrlosen.

Als Kind hat er mit ansehen müssen, wie sein Vater seine Mutter sitzen läßt und diese bitter enttäuscht ihr Leben als Klofrau fristen muss. Carl ist aber mit besonderen Fähigkeiten gesegnet. Schon als Kind spielen seine Eltern mit ihm ein Spiel: Er muss das Wohnzimmer verlassen und sie lassen in seiner Abwesenheit einen Gegenstand verschwinden. Ein Blick des Jungen genügt, um das fehlende Element zu identifizieren. Nur einmal "versagt" er, als sein Vater sich hinter einer Gardine versteckt und der Junge nicht darauf kommt, was im Raum fehlt. Der Umgang mit Menschen ist für ihn insgesamt ein ständiges Problem. Er ist schüchtern und überaus unsicher. Nur beim Schachspiel verliert sich seine Unsicherheit. Während des Spiels ist er ein anderer Mensch. Doch auch beim Schach kann er seinen Charakter nicht verleugnen, er geht kein Risiko und wird zum bewunderten Defensivkünstler. Aber kann man nur durch Defensive Weltmeister werden? Man kann, wenn der Gegner einen Fehler macht. Haffner hat es nun in der Hand. Er muß das Spiel nur noch zu Ende bringen, um neuer Weltmeister zu werden. Aber will er das überhaupt?

Ein packender, sehr kurzweiliger Roman. Je mehr ich von Glavinic lese, desto mehr bewundere ich, die Unterschiedlichkeit seiner Werke.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Sebi86
Format:Taschenbuch
"Carl Haffners Liebe zum Unentschieden" hat mich von Anfang an fasziniert und ist seitdem eines meiner absoluten Lieblingsbücher.

Anfangs hatte ich noch meine Zweifel, wie man aus einer Schachweltmeisterschaft (leider ein vielerorts als langweilig verschriehener Sport(!)) einen Roman machen kann, welche jedoch sogleich ausgeräumt wurden.

Zur Faszination des Romans trägt hauptsächlich die Figur des Carl Haffner bei. Der Prototyp des bescheidenen Champions, der trotz des großen Erfolges auf dem Boden geblieben ist und als krasses Gegenteil zu ihm sein Gegner. Dennoch kann sich Karl keineswegs über seinen Erfolg freuen und man fragt sich warum, hat er doch so viel erreicht. Doch durch die eingeschobenen Rückblenden in seine Vergangenheit fällt nach und nach mehr Licht auf das Mysterium Haffner. Man beginnt langsam zu verstehen, warum er so ist, wie er ist. Warum er so agiert und reagiert, wie er es tut und wo viele von uns ganz anders handeln würden.

Man freut sich auf der einen Seite über seinen Erfolg, seine Berühmtheit, seine menschliche Größe, die Zuneigung seiner Freunde, die immer für ihn da sind und ihn aufbauen wollen, wenn er unten ist...was eigentlich immer der Fall ist...und die ihn trotz seiner Launen ertragen. Andererseits empfindet man jedoch auch tiefes Mitgefühl, ja sogar Trauer, über diese gefallene Figur, die eigenlich bereits verloren hat. Eine Figur, die in gewisser Weise das falsche Leben führt bzw. einfach nur ihr Leben leben möchte.

Carl Haffner erinnert mich an Alexander von Humboldt zum Schluss von Kehlmanns "Die Vermessung der Welt". Jemand, dessen Leidenschaft durch die daraus folgenden Verpflichtungen verdrängt wird, was zu tiefstem Unglück führt. Wie ein Bild, das so oft fotografiert wird, bis es allmählich verblasst.

Ein faszinierender Charakter, eine wundervolle Geschichte und eine äußerst emotionale erzählweise. Meiner Meinung nach Pflichtlektüre!
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ein großartiges Debüt 22. September 1999
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Das ist ein wunderbares Buch - unterhaltsam und doch tiefsinnig; spannend, aber nie oberflächlich. Wer sich für Schach interessiert, sollte es lesen. Wer sich nicht für Schach interessiert, sollte es auch lesen. Von diesem Autor kann man noch viel erwarten.
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Schach?
Ich tat mir anfangs sehr schwer in die Geschichte "hineinzukommen"; etwas zu viele beteiligte Personen und zu rasche Sprünge zwischen den einzelnen Generationen der Haffners... Lesen Sie weiter...
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"Die Sonne ist vom Himmel gefallen"
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Vor 15 Monaten von Heike Geilen veröffentlicht
überraschend
gut zu lesen. So trocken sich der Titel und das Thema auch anhören. Habe es gekauft, weil Glavinic mich noch immer überzeugt hat und wurde auch diesmal nicht... Lesen Sie weiter...
Vor 23 Monaten von linschi veröffentlicht
Eine schöne Geschichte
Eine schöne Geschichte haben wir hier vorliegen und der Author schreibt sie in gutem Deutsch. Leider sind die Figuren sehr holzschnittartig gezeichnet und der Handlungsstrang... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 11. Februar 2010 von Bücherfreddy
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"In Golds Buchladen gab es ein enges, gemütliches Hinterzimmer, (...). Es herrschte ein anheimelndes Durcheinander. Lesen Sie weiter...
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interessantes Buch über eine herausragende Persönlichkeit
eine wahre Geschichte über eine interessante Persönlichkeit im Hintergrund zeichnet GLavinic gekonnt das alte, versinkende Wien der Monarchie! Lesen Sie weiter...
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Wunderbares stimmungsvolles Buch über eine versunkene Zeit und über einen Menschen der in seiner Bestimmung gefangen, untergeht. Ein Buch das man gelesen haben sollte !
Veröffentlicht am 20. Juli 2004 von W. Weber
Tolle Story, eigenartig schlechte Ausführung
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Am 30. Oktober 2001 veröffentlicht
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Ich hatte mich sehr auf dieses Buch und das Eintauchen in das historische Wien gefreut. Vielleicht hat die Größe meiner Erwartung die Enttäuschung ebenso groß... Lesen Sie weiter...
Am 15. März 2001 veröffentlicht
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