Aufgrund der historischen Stellung Abels als, wie man immer so sagt, letztem Gambenvirtuosen (als gäbe es nicht noch Franz Hammer) mag man sich natürlich für diese Aufnahme interessieren, aber meiner Meinung nach wird man nicht sehr belohnt. Die Flötensonaten sind doch sehr, sehr konventionell komponiert, es scheint sich um typische Hausmusik für Liebhaber zu handeln, gefällig gemacht und ohne jeden Geistesblitz. Die Cellosonate am Schluss verwöhnt immerhin durch den Wohlklang des Soloinstruments und war das einzige Stück auf dieser CD das ich wirklich lohnend zu hören fand. Ausgesprochen enttäuscht war ich von den Aufnahmen der Stücke für Viola da Gamba solo, obwohl diese, siehe den historischen Punkt oben, die Hauptsache sein sollten. Zipperling gilt schon als Fachmann, ich weiß, aber wie er hier spielt, klingt ausgesprochen dünn, mit wenig Modulationen des Klanges -- alles was die Gambe doch eigentlich so unnachahmlich ermöglicht, wird hier bescheiden ausgespart. Die Gambe als Soloinstrument senza basso ist so faszinierend wegen ihrer durchdringenden Präsenz und Sonorität. Wenn man die Aufnahmen von Abels Adagio und Allegro-Sätzen auf Paolo Pandolfos empfehlenswerter Einspielung in "A Solo" vergleicht, dann wird einem der Unterschied massiv klar. Klar, man muss auf diesem Instrument nicht unbedingt so exzentrisch herumkratzen und -sägen wie Pandolfo es gerne tut; aber dort hört man plötzlich, dass diese Stücke auch einen tiefdramatischen Gehalt haben könnten, die hier bei Zipperling so komplett unauffällig dahinplätschern. Was für ein himmelweiter Unterschied! Immer noch deutlich lebendiger finde ich auch die Einspielung desselben Adagios von Abel durch Simone Eckert auf der CD "Der letzte Gambist" (Track 10) zusammen mit Werken von Franz Xaver Hammer. Tja, die hier vorliegende CD erweist sich da leider als nett, aber belanglos.