Bankräuber Roy (Stephen Dorff, '"Krieg der Götter'", "'Somewhere"') ist on the run. Weg von der Bank, die er gerade ausgeraubt hat hin zum Partner in Crime, der die Beute an einen sicheren Treffpunkt bringen soll. Und da Bankräuber nicht per Anhalter fahren, kidnappt Roy kurzerhand die gestresste Mutti Lorraine (Maria Bello, '"Downloading Nancy"', '"Payback"') samt Sohnemann Chad (Connor Hill, '"Contraband"'), als sie an einer Tankstelle sind. Lorraine ist chronisch abgebrannt und total überfordert damit, Geld zu verdienen und gleichzeitig ihren Sohn alleine großzuziehen. Zur Therapie geht sie auch noch, weil sie ständig von Ängsten geplagt wird und über ein bestenfalls rudimentär vorhandenes Selbstbewusstsein verfügt. Lorraine soll Roy zum Treffpunkt an der mexikanischen Grenze bringen, dann könne sie gehen, so Roy. Lorraine aber ahnt, dass sie und Chad in Lebensgefahr sind, da Roy keine Zeugen seiner kriminellen Machenschaften gebrauchen kann. Also muss die ängstliche und unsichere Lorraine über sich hinauswachsen und sehen, dass sie sich und ihren Sohn vor dem psychopathischen Bankräuber retten kann'...
...und das gestaltet sich überaus dämlich und langweilig. Diese knapp 90minütige Therapiestunde auf dem Highway versagt auf ganzer Linie. Man merkt den Darstellern an, dass sie von der Story und von ihren Rollen genauso wenig überzeugt sind wie der Zuschauer. Lorraine nervt durch ihr devotes, unsicheres Verhalten und labert die meiste Zeit nur zusammenhanglosen Blödsinn. Stephen Dorff kann als fieser Bankräuber zwar teilweise überzeugen, agiert aber oft so unlogisch und unglaubwürdig, dass man gar nicht weiß, was man von diesem seltsamen Gangster nun eigentlich halten soll. Die meiste Zeit gibt er sich kommunikativ und fast normal, nur um dann völlig unpassende Verhaltensweisen an den Tag zu legen. Das soll wohl der kranken Psyche seines Charakter Ausdruck verleihen, wirkt aber einfach nur unglaubwürdig und sinnlos.
Der Handlungsort, Lorraines Auto, in dem weite Teile des Films spielen, gibt weder inszenatorisch noch optisch viel her. Besonders, wenn man immer wieder gewahr wird, dass es sich hier um Studioaufnahmen handelt. Denn selbst bei offenen Fenstern und relativ hoher Fahrtgeschwindigkeit flattert nicht ein einziges Haar der Protagonisten im Wind. Das ist natürlich nicht der einzige Faux Pas, den Bonito sich hier leistet. Seine Story strotzt geradezu vor unlogischen Abläufen. Roy lässt Lorraine und Chad alleine im Auto zurück, als sie an einer Tankstelle Halt machen. Lorraine hätte ohne Probleme fliehen können, was sie aber nicht tut. Auch hätte Roy, nach dem sie durch die Straßenkontrolle der Polizei sind, eigentlich alleine weiterfahren können, aber nein, er geht lieber das Risiko ein, zwei Geiseln mit sich rumzuschleppen. Und dann lässt Bonito seine Charaktere derart viel von sich preisgeben und besonders Roy rhetorisch teilweise so blank ziehen, dass man sich fragen muss, warum er Lorraine der Einfachheit halber nicht gleich seinen Ausweis in die Hand drückt und ihr seine Adresse verrät.
Und dann wird gelabert...'und gelabert...'und gelabert. Dort, wo ich auf spannende Dialoge zwischen Täter und Opfer gehofft hatte, die die unfreiwillige Beziehung, die diese miteinander eingegangen sind, vertieft hätten, öffnet Bonito lediglich die Tür zu einem ganzen Stall voller Phrasenschweine. Da wird Amateurpsychologie deluxe betrieben, die so haarsträubend ist, dass man aus dem Stirnkräuseln gar nicht mehr rauskommt. Und um Lorraines Wandlung von der völlig fertigen grauen Maus zur über sich hinauswachsenden Glucke psychologisch zu untermauern, schneidet Bonito stümperhaft dahingerotzte Statements aus Lorraines Therapiesitzungen in die Handlung. Da es sich hierbei aber nur um martialisches Psycho-Klischee-Gewäsch handelt, trägt das natürlich null zur Glaubwürdigkeit von Story und Charakteren bei.
Nach einer guten Stunde ist der Film dann eigentlich auserzählt. Aber nein, Bonito muss natürlich in der letzten halben Stunde noch mal richtig ins Klo greifen und seiner Geschichte einen überlangen und komplett bescheuerten Showdown verpassen. Da dürfen wir Lorraine dabei zuhören, wie sie mit dem Jugendamt darüber diskutiert, ob sie aufgrund der (immerhin nicht von ihr verschuldeten) Geiselnahme eine verantwortungsvolle Mutter ist. Dann telefoniert sie wild in der Gegend rum, um ihren Sohn ausfindig zu machen, anstatt einfach die Polizei anzurufen (vor allem, weil sie noch nicht mal Kleingeld für das Münztelefon und definitiv keine Zeit hat, lange rumzuplappern). Und on top mutiert Lorraine dann von jetzt auf nu und ohne Sinn und Verstand zum Highway-Rambo und zur kaltblütigen, egoistischen Kriminellen. Die Schlussszene ist dann wirklich völlig fürn Arsch, so dass man Sherry und Michael Compton, die mit 'Carjacked' ihr erstes (ach sooo!) Drehbuch abgeliefert und den Schrott auch gleich produziert haben, nur dringend raten kann, sich anderen Betätigungsfeldern zuzuwenden, für die Filmbranche fehlt es ihnen an jeglichem Talent.
Ausstattung der Blu Ray: Ton in deutsch und englisch in DTS 5.1. Extras: Behind the Scenes, BD-Live, Trailer des Films, fünf weitere Trailer. Scharfe, klare Bilder, aber optisch nichts wirklich Spektakuläres. Der Ton ist ebenfalls ok, aber auch soundtechnisch gibt's hier nichts Außergewöhnliches zu hören.
Somit bleibt mir nur noch, vor "'Carjacked'" zu warnen, denn trotz eigentlich souveräner Darsteller und einer vermeintlich interessanten Ausgangssituation ist der Film totale Grütze. Unglaubwürdig, haarsträubend unlogisch, schwachsinnige Endlos-Dialoge und ein absolut bescheuerter Storyverlauf mit blödem Ende. Ergo gerade mal noch einen von fünf Autoklaus, die tödlich (langweilig) enden können.