Nach langer Internet-Recherche habe ich mich vor ein paar Tagen entschieden, die Carina Professional hier bei Amazon zu bestellen. Sie wurde auch flott geliefert und ich habe sie heute einer eingehenden Prüfung unterzogen. Vorab: ich bin begeistert. Und noch eines vorab: Die Beiträge, die Probleme mit Fadenspannung resp. Stichbild melden, sind m. E. auf Bedienungsfehler zurückzuführen. Ich habe bewusst "falsch" eingefädelt (Oberfaden und/oder Unterfaden) und bekam das gleiche Resultat: mangelhafte bis fehlerhafte Stichbildung. Ergo: Wenn die Carina richtig eingefädelt wird, dann tut sie auch, was sie soll und vor allem kann! Für absolute Nähneulinge erscheint mir diese Maschine ein wenig "überdimensioniert" und überfordert möglicherweise den ein oder die andere NäherIn.
Aber der Reihe nach:
Die Maschine kam in einem nicht überdimensionierten Karton und war in Styropor geschützt verpackt. Das erste Highlight: ein üppiger stabiler! Anschiebetisch kommt mit. Bereits ein dickes Plus vor dem ersten Stich!
Die Maschine ist relativ leicht, ca. 7,5 kg und hat natürlich eine Verkleidung aus Kunststoff. Das haben aber alle modernen Maschinen. Das Gehäuse wirkt aber durchaus wertig, kein Billigkunststoff. Außerdem besteht das Innenleben aus Aluminium-Druckguss. (Ich habe die linke Kappe, wo normalerweise die Glühbirnen zu wechseln sind abgeschraubt und einen Blick hinwein gewagt. Ich war positiv überrascht!
Die Nähmaschine ist elektronisch gesteuert und verfügt über 206 Stichvarianten, darunter neben den gebräuchlichen Nutz- und bekannten Zierstichen auch diverse Quilting-Stiche und ein Alphabet inkl. Groß- und Kleinbuchstaben sowie Sonderzeichen etc. Diese Bandbreite reicht nicht nur für Standardnäharbeiten absolut aus, sondern erfreut sicherlich auch "Deko-Fans" sowie etwas fortgeschrittenere Nähfans. Achtung: Muster und Buchstaben werden GENÄHT, bitte nicht das Ergebnis einer Stichmaschine erwarten!
Die Stichlänge ist bis zu 4,5 mm und die Stichbreite bis zu 7 mm!!! wählbar (abhängig vom gewählten Stich). Die Maschine näht relativ leise, sie besitzt auch beim Langsamnähen ausreichend Durchstichkraft, um auch dickere Stofflagen problemlos zu verarbeiten.
Praktisch ist das schnelle Unterfaden-Einfädelsystem: sehr leicht und verlässlich wird der Unterfaden von der Maschine aufgenommen, das Heraufholen des Unterfadens entfällt. Und das mag dann auch gleich ein Knackpunkt sein: Die Maschine arbeitet mit einem horizontalen Umlaufgreifer; wird nicht sauber eingefädelt, meckert die Carina und produziert keine schönes Stichbild! Hinweis: der Unterfaden läuft nach korrektem Einlegen diagonal über die Spule hinweg. Tut er das nicht, ist er falsch eingelegt! Die Carina besitzt einen horizontalen Umlaufgreifer und arbeitet ohne Spulenkapsel. Daraus resultiert, dass die Unterfadenspannung alleine durch das korrekte Einfädeln aufgebaut wird.
Ebenso praktisch: Die Nadel-Einfädelhilfe für den Oberfaden: nach etwas Übung klappt das prima und schont Augen und Nerven! Ebenso erwähnenswert ist die Nivelliereinrichtung am Standardnähfüß: an dicken Stellen lässt sich der Nähfuss in der horizontalen Position fixieren und damit marschiert die Maschine anstandslos über Problemstellen beim Nähen. Ich habe es probiert und es funktioniert fantastisch. Mitgeliefert werden neben dem Standardfuß ein durchsichtiger Applikationsfuß, eine Knopflochschiene, ein RV-Fuß, ein Overlock oder Kantenumnähfuß sowie ein Knopfannähfuß und ein verstellbarer Blindstichfuß.
Das Stichbild ist sehr gleichmäßig und obwohl es sich mit der Oberliga nicht messen kann (und auch nicht muss!) ist es für den Preis der Maschine absolut akzeptabel. Auch wenn die Carina den Zusatz "professional" trägt: es ist eine Haushaltsnähmaschine und kein Profi-Gerät. Das macht sich u. A. in der relativ "langsamen" Endgeschwindigkeit bemerkbar, manch einer oder einem geübten NäherIn mag das nicht flott genug sein. Außerdem ist das "Gasgeben" trotz stufenloser Geschwindigkeitsregelung an der Front des Gerätes, für meine Begriffe nicht "weich" genug, aber daran werde ich mich gewöhnen wie an ein neues Auto! Erwähnenswert ist aber, dass sich die Maschine auch komplett ohne Fußpedal bedienen lässt: An und Abschalten des Nähwerks, Rückwärtsnähen sowie automatisches Vernähen werden per Knopfdruck ausgelöst, die Geschwindigkeit ist stufenlos mittels eines Schiebeschalters regelbar, die Nadelstellung hoch/tief ebenso per Tastendruck vorwählbar.
Die Bedienung ist dank der guten Gebrauchsanweisung und dem beigefügten Einführungsvideo auf DVD sicherlich kein Problem. Praktisch: Dank der Computerunterstützung wird im Display angezeigt, welcher Nähfuß für das gewählte Programm geeignet ist. Außerdem werden die jeweiligen Standardeinstellungen für Stichlage, Stichlänge und Stichbreite voreingestellt und im hellen Display angezeigt. Die Veränderung erfolgt dann ggf. über Tipptasten vorn am Gerät. Ebenfalls erwähnenswert sind 10 Standardprogramme, die über 10 Direktwahltasten angesteuert werden können. Die anderen Stichprogramme werden über dieselbe Tastatur als zweistellige Nummer eingegeben. Die Carina verfügt über 6 verschiedene automatische Knopflöcher die sauber ausgeführt werden: Einfach gewählten Knopf in den Knopflochfuß einlegen, einen eingebauten Hebel an der Maschine herunterziehen, Knopflochtyp wählen, Stoff ausrichten und Pedal oder Startknopf drücken: die Maschine näht jetzt selbständig und absolut sicher das ausgewählte Knopfloch (auch Augenknopflöcher) in der Größe für den eingelegten Knopf passend und stoppt dann automatisch.
Weitere nette Features: Automatisches Vernähen am Anfang und/oder Ende. Am Nahtende stoppt die Maschine mit 2-3 langsam ausgeführten Schlußstichen, die Nadel senkt sich in den Stoff ab und bleibt so stehen. Außerdem gibt es eine Taste Nadelposition, hiermit bestimmt man, ob die Nadel am Ende unten im Stoff stehen bleiben soll oder in der höchsten Position stoppen soll (praktisch am Nahtende, der Stoff kann nach liften des Nähfusses sofort weggezogen werden, ein Drehen am Handrad erübrigt sich.
Das Aufspulen des Unterfadens ist einfach und sicher: nur Unterfadenspule (übrigens erfreulicherweise Standard CB-Spulen) auf die Welle stecken, Faden einlegen und Welle nach rechts drücken: das Abschalten des Nähwerks erfolgt automatisch und kann nicht vergessen werden. Der korrekte Fadenweg ist oben auf der Maschine aufgedruckt! Der 6-gliedrige breite Transporteur verarbeitet alle Stoffe auch am Nahtanfang sehr sicher und lässt sich bei Bedarf mittels Schalter einfach versenken. Das angenehme LED-Nählicht leuchtet den Arbeitsbereich gut aus und ein Wechsel von Glühlampen entfällt. Es hätte allerdings ruhig etwas heller ausfallen können, aber damit kann ich gut leben.
Die Verarbeitung der Maschine macht keinen billigen Eindruck, was man bei dem günstigen Preis bei anderen Herstellern durchaus manchmal vorfindet. Insgesamt macht die Carina einen sehr wertigen Eindruck: Die verwendeten Schrauben, Nähfüsse etc. machen einen solideren Eindruck als dies bei meiner Brother-Maschine der Fall ist! Alle zur Verfügung stehenden Programme und Features habe ich ausprobiert und für gut befunden.
Die Carina ist übrigens dank der 7mm-Stichbreite gut Zwillingsnadel-tauglich. Sie produziert eine brauchbare Flachnaht, auf der rechten Stoffseite einen parallelen Steppstich und auf der Rückseite eine brauchbare Versäuberungsnaht. Ich bevorzuge für solche Arbeiten zwar meine Over- bzw. Coverlockmaschine, aber wer eine solche nicht besitzt, kann sich gut mit der Zwillingsnadel behelfen. Mein Ergebnis war auch ohne verstellbaren Nähfußdruck zufriedenstellend. Dies ist ein klitzekleiner Wehrmutstropfen: hätte man der Carina einen verstellbaren Füßchendruck spendiert, wäre der Abstand zur Oberliga noch geringer ausgefallen :-) Aber es geht auch ohne; zumal Standardnähfüße an die Maschine passen und man sich für relativ wenig Geld noch weitere Sonderfüße kaufen kann, z. B. einen Obertransportfuß. Ich besitze ein solches Standardsortiment (Herstellerunabhängig) und die Füße passen problemlos an die Maschine.
Einziger Nachteil: Die Enfädelanleitung müsste für Anfänger noch detaillierter sein, es wird u. A. im Video vergessen zu zeigen , den Oberfaden direkt über der Nadel an einer Blechklammer entlangzuführen; erwähnt und gezeigt wird nur die weiter oben am Ständerkopf befindliche Metallführung. Erfahrene NäherInnen wissen das und machen das möglicherweise automatisch, dennoch gibt es auch viele Maschinen, bei denen nicht mehr an der Nadelstange entlang geführt werden muss. Vergißt man diese Klammer, dann äußert sich auch dies in einem schlechteren Stichbild. Dafür kann zwar die Maschine nichts, weil in diesem Fall das Problem davor sitzt, aber ein klarer Hinweis wäre hilfreich.
Lesen Sie weiter... ›