... und nehmen den zugeneigten Hörer mit auf einen zwar kurzen aber dafür sehr schönen Trip.
mit knapp 23 Minuten ist diese EP zwar bereits über 2/3 so lang wie das letzte Album "Traced In Air", aber dennoch viel zu kurz.
der Hinweis auf Death Metal in der Produktbeschreibung ist mittlerweile nur noch irreführend; gegrunzt wird gar nicht mehr, und wirklich harte Bratzgitarren gibt es eigentlich auch eher wenige, sehr dezent eingesetzte.
Dafür wird man mit süsslichem, cleanen Gesang (männlich und auch teilweise weiblich) und tollen Harmonien umgarnt.
ATMOSPHÄRE wird auf dieser Veröffentlichung ganz groß geschrieben; die Stücke gehen suitenartig ineinander über, so daß man auch von einem Longtrack sprechen könnte.
Den Stil könnte man mit minimalistischem Soft-Atmo-Djent oder angejazztem musikalischem Kopfkino schubladisieren, wenn man so möchte.
Sehr treffend formuliert den Höreindruck der Aufkleber auf der Hülle, auf welchem die New York Times folgendermaßen zitiert wird:
"Cynic should be understood not so much alongside any metal bands but along with the radical harmonic progressives in the last 45 years of pop and jazz: composers like Milton Nascimento, The Beach Boys or Pat Metheny"
Die Tracks:
1. Amidst The Coals 2'11" - ein gemächliches Intro, welches mich mit seinem weiblichen Ethnogesang etwas an die Gesänge der Samen (also lappländisch) und damit auch an den alten Pathfinder-Film erinnert.
2. Carbon-Based Anatomy 6'24" - der erste richtige Song beginnt mit langsam anschwellender Bass- und Drums-Einheit. Diese beiden weben einen Cynic-typischen Teppich als Unterlage für Stimmen (ja, mehrere und auch teilweise mehrstimmig!) und die Gitarrenstickereien, welche diesen Teppich dann schmücken.
3. Bija! 2'27" - ein Verbindungsstück, wieder mit Ethnoeinschlag, diesmal allerdings eher orientalisch mit wortlosem Gesang, Tablas, Piano und Sitaranklängen.
4. Box Up My Bones 5'32" - der zweite eigentliche Song beginnt mit cleanen Gitarrenakkorden, während sich der Rythmusteppich im Hintergrund etwas scheppernd aufbaut. Dann folgt links Gesang und rechts Flüstern bevor der eigentliche Gesang mehrstimmig mittig einsetzt. Es folgt ein Wechselspiel zwischen dem normalen Gesang, Flüstern und dem Choralartigen Gesang (welcher auf dieser EP bei Cynic seine Premiere feiert); Himmlische Gitarrenläufe flirren vor Hintergrundgesang über den geistigen Bildschirm, dann legen Drums und Bass wieder synchon blubbernd los.
5. Elves Beam Out 3'59" - klasse Songtitel bei diesem dritten und letzten "richtigen" Song dieser EP. Sphärisch klingender Übergang, dann verfremdet klingende Drums (das Becken klingt, wie durch einen Phaser gejagt) und endlich auch ein bischen dezentes "Schrubben" der Gitarre, sowie die Pizzicati, die man vom letzten Cynic Album bereits kennt. Dieser Song hat eine etwas hymnisches Atmosphäre.
6. Hieroglyph 2'27'' - der abschliessende Track mit meditativem, tiefen Brummen im Hintergrund (à la Tibet-Doku) und einer weiblichen, sprechenden Stimme, die esoterische Dinge von sich gibt (erinnert mich ein bischen an Gilly Smythe bei Gong, bloß ohne den Humor und das Geseufze).
Gerade hat man sich schön eingelullt vom himmlischen Sound dieser Scheibe zum Entspannen zurückgelehnt, und schon ist die Musik wieder aus, so daß einem eigentlich nichts Anderes übrigbleibt, als das Ganze noch einmal von vorne zu geniessen oder gleich den ganzen Cynic-Kanon in der Playlist zu loopen.
Diese Platte ist definitiv zu kurz!!! Ich will mich noch viel weiter von Cynic mitnehmen lassen, wenn man dort auch weiterhin diesem traumhaften Pfad folgt.
Ohrwürmer wird man vergeblich suchen, dafür kriecht einem der Sound und die Atmosphäre das Rückgrat hoch und nistet sich im Gehirn ein (ähnlich wie auch schon bei "Traced In Air").
Meine Empfehlung lautet: 5 Sterne, kaufen und am Besten das "Traced In Air" Album gleich mitbestellen!
Traced in Air(oder auch "Weightless" von Animals As Leaders, welches mir deutlich von Cynic beeinflußt zu sein scheint
Weightless)