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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Einblicke in ein Künstlerleben,
Von Lina (Essen, NRW) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Caravaggios Geheimnis: Historischer Roman (Gebundene Ausgabe)
Seit langem habe ich mal wieder einen historischen Roman gelesen, musste aber feststellen, dass dies anscheinend nicht (mehr) mein Genre ist. Und dabei hatte ich an Caravaggios Geheimnis weniger auszusetzen als an vielen anderen, konnte ihm aber leider auch nicht viel abgewinnen.Anfangs musste ich etwas mit Röhrigs Stil kämpfen, als ich mich einmal daran gewöhnt hatte ließ sich das Buch aber flott lesen. Leider konnten mich weder die Handlung noch die Protagonisten fesseln, alles blieb mir zu oberflächlich und mittelmäßig. Schon der Einstieg über den Raub der Natività 1969 war etwas holprig und die Rahmenhandlung meiner Meinung nach überflüssig. Der darin vorkommende Hinweis auf Caravaggios 400. Todestag im nächsten Jahr lieferte mir immerhin die ungeschönte Erklärung für das Erscheinen des Romans. Die Quellen, die es heute zu Caravaggios Leben gibt, sind umfangreich und man merkt, dass Röhrig gut recherchiert hat. Wenn es darum geht zu zeigen welche Modelle Caravaggio bevorzugte oder welchen Regeln das Mäzenatentum folgte bleiben kaum Fragen offen. Interessant wird es besonders dann, wenn der Autor dem Maler oder seinem Mäzen die Deutung eines seiner Gemälde in den Mund legt. Doch schon die Einblicke in den Maleralltag sind weniger detailliert, und wenn es um die allgemeine Atmospäre im zeitgenössischen Rom geht verliert Röhrig sich in Klischees und Oberflächlichkeit. Die Zeitgeschichte selbst findet nur am Rande Erwähnung, am meisten noch im Prozess um Giordano Bruno. Sobald jedoch Sex ins Spiel kommt werden Röhrigs Beschreibungen wieder konkreter - doch ständige explizite Szenen lassen weder die Atmosphäre dichter noch die Figuren tiefer werden. Die Protagonisten bleiben größtenteils flach, die wenigsten machen eine Entwicklung durch - allen voran Caravaggio selbst. Zwar bringt er es als Maler zu beachtlichen Erfolgen, doch menschlich tritt er leider arg auf der Stelle. Schon als Kind zeigt er die Charakterzüge, die es ihm als Erwachsenen schwer machen werden. Mich würde wirklich interessieren, was Röhrig zu der Entscheidung veranlasst hat, seine Hauptfigur so unsympathisch darzustellen: er ist egoistisch, agressiv und jähzornig, er säuft, prügelt und verleumdet. Er will alles aus eigenem Antrieb schaffen, ist beim Scheitern aber umso mehr auf die Hilfe anderer angewiesen, die er jedoch immer wieder durch sein Handeln verletzt. Zwar gibt es auch Momente, in denen sein Gerechtigkeitssinn oder seine Liebe zu Paola oder Mario durchkommen, aber diese Augenblicke haben immer auch einen Beigeschmack der Schwäche. Doch wahrscheinlich trifft die Aussage zu, die an einer Stelle fällt: dass Caravaggio nicht der Maler gewesen wäre, der er war, wäre er ein anderer Mensch gewesen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Lesenswert, interessant und sehr lehrreich.,
Rezension bezieht sich auf: Caravaggios Geheimnis: Historischer Roman (Gebundene Ausgabe)
Michelangelo Merisi da Caravaggio war das, was man heute vermutlich als ADS-krankes Kind einstufen würde. Ein leidenschaftlicher, ungeheuer schnell erzürnbarer Mensch, der im Leben eigentlich immer nur eines wollte: das malen, was schon in seinem Kopf war. Seine abgebildeten Menschen sollten, wie ihn Tilman Röhrig in seinem wunderbaren Roman (nicht wörtlich zitiert) sagen läßt irgendwo herkommen und auch wieder irgendwo hingehen. Das heißt, er wollte Spannung und Bewegung in seinen Bildern und vor allem durch das richtige Malen von Licht. Alles andere war ihm zu hölzern, zu langweilig, zu starr.Als kleiner Junge durch den fast gleichzeitigen Tod des geliebten Großvaters und Vaters allein gelassen, wurde sein Maltalent zwar finanziell von seiner Mutter durch Schulung bei einem anerkannten Maler gefördert, ansonsten aber war er sich zu stark selbst überlassen. Er wuchs in einer Welt auf, die recht verkommen war und von jeglicher Art von ausgeübter Gewalt nur so strotzte, vor allem von Männern ausgeübt, die später in Rom auch vor billigen Intrigen nicht zurückschreckten. Von den Frauen in seinem Umfeld wird er grundsätzlich geliebt, vor allem von Paola, seiner Jugendliebe von Kindesbeinen an. Nach dem Tod seiner Mutter pilgert er nach Rom um dort seine Karriere zu starten. Doch die Gesellschaft Roms funktioniert durch Schmierereien in jeder nur möglichen Hinsicht und Caravaggio durchschaut zwar, wie er sich profilieren könnte, lehnt solche schmutzigen Wege aber strikt und für sich ab. Der Dick- und Hitzkopf und ergeizige Caravaggio läßt sich nur ungern fördern und möchte sich alles selbst durch sein Können, von dem er von Anfang an fest und zu Recht überzeugt ist, erarbeiten und sich dadurch Anerkennung erwerben. Durch sein Selbstbewußtsein und Erwähnung seiner Gönnerin erhält er endlich Zugang zur Werkstatt und Akademie des berühmten Malers Guiseppe Cesari d'Arpino und kann endlich sein Können unter Beweis stellen. Aber ständig nutzen andere sein Talent schamlos aus undfür sich selbst aus und profitieren davon. Schließlich verläßt er die Akademie, versumpft regelrecht und durch sein hitziges Temperament steht er sich selbst auch immer mehr im Wege, bis es unweigerlich zur Katastrophe (einer Tötung im Affekt) kommt und aus dem Künstler ein gehetzter Mensch wird. Tilman Röhrig schafft mit seinem wunderbar geschriebenen Roman nicht nur ein Psychogramm des Ausnahmekünstlers, der sogar Rubens, Vermeer, Rembrandt und Velásquez beeinflußt hat, sondern zeichnet auch ein pralles, lebendiges Sittengemälde der korrupten Gesellschaft Italiens des 16. Jahrhunderts. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein begnadeter Maler und ein Hitzkopf...,
Von blues-sister "blues-sister" (Niedersachsen) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Caravaggios Geheimnis: Historischer Roman (Gebundene Ausgabe)
ist Michelangelo Merisi aus Caravaggio, genannt Michele oder in Künstlerkreisen Caravaggio. Sein Leben wird geschildert: Wie er aufwuchs und Paola kennenlernte, mit der ihn eine Jugendliebe verbindet, wie er in Lehre bei einem Künstler geht. Seine Frustration darüber, sich seine Meriten mit einfachen Porträtmalereien verdienen zu müssen, ohne sich künstlerisch entfalten zu dürfen. Seine Liebe zu Mario, seinem Lieblingsmodell, und weiteren hübschen Knaben. Und schließlich: Sein künstlerischer Durchbruch und sein jäher , früher Tod.Leider wirkt vor allem die Person des Caravaggio überzeichnet. Keine Gelegenheit wird ausgelassen, sein heißes Temperament durchscheinen zu lassen, welches ihm schließlich den Tod bringen wird. Stellenweise wirken auch seine reiche Tante, Mario und Paola flach und auf wenige Charakterzüge beschränkt. Zudem sind die ersten 150 Seiten (zumindest für mich) nicht wirklich packend gewesen. Die Geschichte nimmt erst ab dort Fahrt auf. Dieser historische Roman überzeugt jedoch trotzdem durch verschiedene Qualitäten: Sein Stil ist gekonnt an die Zeit um 1600 angepasst, jedoch gut lesbar- Zudem erscheint kein Wort zu viel zu sein und keines zu wenig. Röhrig schafft es, eine fesselnde Grundstimmung aufzubauen, die es dem Leser ermöglicht in die Zeit tief einzutauchen und sich in die Personen gut einzufühlen. Die Thematik des Buches, Kunst und, im weitesten Sinne, kirchliche Verstrickungen, ist interessant erarbeitet und erschließt sich dem Leser gut ohne ihn zu langweilen oder mit zu viel Fachwissen zu überfordern. Weitere Pluspunkte: Die Rahmenhandlung, die den Plot in der "Neuzeit" verankert, ist interessant gewählt und bietet dem Autoren die Möglichkeit, die historische Handlung zu konkretisieren. Des weiteren ist die Ausstattung des Romans edel, das Cover und auch der Druck auf der Innenseite des Buchdeckels (Caravaggios "Nativitá") ergänzen die Lektüre wunderbar. Ein goldenes Lesebändchen macht "Caravaggios Geheimnis" zu einer stilvollen Lektüre. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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