anhand einiger anderen, negativen rezensionen hier gehe ich davon aus, dass der film im vorhinein völlig falsch eingeschätzt wurde & mit erwartung angeschaut wurde, die die macher des films niemals vorhatten zu erfüllen
um was geht es?
'Sky Captain and the World of Tomorrow' basiert auf den ideen eines einzigen besessenen idealisten, Kerry Conran, der als regisseur aufgeführt wird aber tatsächlich weit mehr ist
zu seinen ideen zählt nicht nur die story sondern vor allem der 'look & feel' des films, der hierbei mindestens die hälfte des ganzen ausmacht
wer Fritz Langs 'Metropolis' nie gesehen hat & es auch nicht sehen will, 'Film Noir' nicht guckt, weil er so alte s/w filme einfach nur als veraltet ansieht, der ist definitiv der falsche zuschauer für 'Sky Captain ...'
wer allerdings gezwungen zu wählen, den 1953er 'Kampf der Welten' dem Spielberg/Cruise 'Krieg der Welten' eindeutig vorziehen würde, wer spass an filmen wie 'Flash Gordon' & 'Barbarella' hat, wer 'Mr. Moto', 'Dick Tracy' & 'Bulldog Drummond' liebt, wer Hitchcock verehrt, für den 'Malteser Falke' ein kultfilm ist, der ist der anpeilte zuschauer
was viel mehr beachtung als sonst bei einem film verdient sind die 'Extras' dieser DVD
normalerweise finde ich die 'Extras' auf den DVDs nicht unbedingt wichtig & auch nicht sehr informativ, in bezug zu diesem film/dieser DVD ist dies genau das umgekehrte - man MUSS sich die 'Extras' anschauen, um den film tatsächlich zu verstehen & auch eine grössere achtung zu entwickeln für all die an der entstehung des films beteiligten & insbesondere eben für den initiator Kerry Conran
als juwel der 'Extras' steht der 6 min. kurzfilm mit dem titel 'The World of Tomorrow', erste episode 'Mechanical Monsters', den ich völlig unvorbereitet sah & ihn zuerst für eine sehr gut erhaltene oder brilliant restaurierte original vorlage aus den 1930/40ern hielt, der pate stand für 'Sky Captain ...'
erst nachdem ich die zweiteilige, ausführliche dokumentation über die entstehung des films sah wurde mir klar, dass Kerry Conran den kurzfilm hauptsächlich im alleingang, an seinem heimischen computer zustande gebracht hat, von der allersten idee, über den bau des NY zestörenden 'roboters' bis hin zu den videobearbeitungstricks
ehrlich gesagt finde ich diesen kurzfilm tatsächlich um einige ecken besser als den spielfilm selbst, dafür aber enthält der kurzfilm nur die ersten sequenzen der story & funktioniert wie eine erste folge eines 'serial' aus der thematisierten zeit des Art Deko
die story selbst ist schnell erzählt:
ein super-bösewicht Totenkopf hat vor, die Erde einzuäschern, die unerschrockene reporterin Polly Perkins (Gwyneth Paltrow) wittert die story ihres lebens, als monströse kampf-roboter NY angreifen wird der superheld Sky Captain (Jude Law) eingeschaltet, der nicht mit superkräften sondern fantastischer technik für recht & ordnung der braven bürgerlichen gesellschaft kämpft, die reise der beiden auf der jagd nach Totenkopf ist knapp zusammengefasst, sehr abenteuerlich, liebesgeschichte im dreieck mit Franky (Angelina Jolie) ist mit enthalten
etwas mehr über den wichtigen 'look & feel' des films:
der film ist hauptsächlich in brauntönen gehalten, ist aber anders als der kurzfilm nicht s/w sondern in farbe, spielt gekonnt mit licht & schatten effekten, kameraeinstellungen orientieren sich stillistisch an den 1930/40 vorlagen
& letztendlich die art der story selbst, die schaudernd fasziniert erzählt wird, mit einem ominösen weltbeherrschenden 'bösewicht' & naiv technikbegeisterten 'helden' ala Superman, Batman & co, zeugt nicht vom unkönnen oder missglücktem versuch moderne SiFi zu produzieren, sondern gehört zur stilreinheit
nebenbei wird insbesondere bei dem kurzfilm auch die andere quelle für den inhalt & die form von 'Sky Captain ...' klar, die comics über superhelden, insbesondere deren gerne inszeniertes doppelleben zwischen einem bürgerlichen & einem superheldenhaften
desweiteren interessant sind die technischen hintegründe des films, nämlich, dass dabei keine aussenaufnahmen gemacht & beinahe keine kulissen verwendet wurden - die schauspieler agierten ausschliesslich vor der 'blue screen' & alle umgebungen, natur oder technisch, real oder SiFi am computer, teilweise in 3D machträglich hinzugefügt wurden
diese technische leistung erklärt auch das verhältnismässig niedrige budget des films von 70 mill.$, das inzwischen im unteren bereich eines special effects fims liegt, wenn man bedenkt dass das doppelte inzwischen als usus gilt (Harry Potter) & das dreifache sich langsam etabliert (King Kong)
vielleicht wäre der film auch besser angekommen, wenn man nochmal 30 mill.$ nur für die werbung zur verfügung gehabt hätte
ein clou des films am rande, den ich nur andeute - was wollten uns die macher mit der wahl des darstellers des hauptbösen 'Totenkopf' sagen?
übrigens ist 'Totenkopf' nicht eine der vielen fehlgeleiteten deutschen übersetzungen aus dem englischen, sondern der tatsächliche name, was uns als zuschauer wiederum an den 'intelliegenten aber kalten, skrupellosen, bösen Deutschen' erinnert, der bis heute noch insbesondere im angloamenrikanischem thriller rumgeistert
ich bedauere inzwischen sehr, dass ich 'Sky Captain ...' im kino verpasst habe, es hätte noch wesentlich mehr spass gemacht, denn 1930/40 gab es keine fernseher & kein 'heimkino', das 'feeling' eines kino gehört eigentlich mit zu dem vollen genuss dieses films, asche auf mein haupt ;)