Wenn es um das beste Album aller Zeiten geht, wird meistens „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" von den Beatles genannt. Ich möchte behaupten, das „Captain Fantastic and The Brown Dirt Cowboy" mindestens genauso gut ist. Wie bei „Sgt. Pepper's" handelt es sich hier um ein Konzeptalbum, auf dem Elton John die Zeit vor der Aufnahme seines ersten Soloalbums „Empty Sky" beschreibt. Und es beginnt gleich mit einem Novum: Im Textbuch ist an erster Stelle ein Song abgedruckt, der nicht auf dem Album zu hören ist, der aber für das Konzept wichtig ist. Ein wenig erstaunt hört man dann den Titelsong, in den ich mich sofort verliebt habe. Und von diesem Zeitpunkt an sollte man sich nicht mehr zu weit vom CD-Spieler entfernen, denn dieses Album macht nur Spaß, wenn man es komplett hört. Es macht keinen Sinn, einzelne Songs herauszupicken, einmal vom US Top 5-Hit „Someone saved my life tonight" abgesehen. Anders als auf „Goodbye yellow brick road" oder „Caribou" handelt es sich nämlich bei „Captain Fantastic" nicht um eine pure Ansammlung von Songs, sondern um ein ausgeklügeltes Konzept, das in einem über zehnminütigen Finale („We all fall in love sometimes" & „Curtains") gipfelt. Am meisten Spaß macht es meiner Meinung nach bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen, da dies die positive Stimmung, die es bei mir auslöst, noch verstärkt. Spätestens seit diesem Album verkneife ich mir ein Urteil gleich nach dem ersten Hören, weil ich festgestellt habe, dass mir die wirklich guten Alben erst nach mehrmaligem Hören als solche aufgefallen sind, und dass Alben, die ich zuerst gut fand, nach mehrmaligem Hören oft langweilig wurden. Aber zurück zum eigentlichen Thema: Auf der neuen Version sind außer den Original-Tracks noch drei Songs zusätzlich zu finden, darunter zwei US No.1-Hits: „Lucy in the sky with diamonds" und „Philadelphia Freedom". John Lennon selbst spielte unter dem Pseudonym „Dr. Winston O'Boogie & His Reggae Guitars" Gitarre auf der Cover-Version des Beatles Klassikers, dessen Original übrigens vom „Sgt. Pepper's"-Album stammt. Außerdem steuerte er die B-Side der Single bei, „One day at a time", die ebenfalls als Bonus-Track auftaucht. Allerdings finde ich, dass man sich das Album auch einmal ohne diese Songs anhören sollte, da sie das Konzept sprengen.
„Captain Fantastic and The Brown Dirt Cowboy" war das erste Album, das auf No.1 in die US-Albumcharts einstieg, und gleichzeitig das letzte, das Elton John mit seiner Original-Band, bestehend aus dem Gitarristen Davey Johnstone, dem Bassisten Dee Murray, dem Schlagzeuger Nigel Olsson und dem Percussionisten Ray Cooper, aufnahm. Es war der unbestrittene Höhepunkt seiner Kreativität und das Album braucht den Vergleich mit „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" nicht zu scheuen. Ich wage zu behaupten, dass es seit diesem Album aus dem Jahre 1975 niemand mehr geschafft hat, ein ähnlich komplexes Werk aufzunehmen. Und gerade deshalb verdient es den Ehrenplatz neben dem Monumentalwerk der Pilzköpfe. Kaufen, kaufen, kaufen ! ! !