Ich finde es höchst interessant, dass man offenbar aus allem einen Ego-Shooter machen kann. Nun kam auch Kult-Schocker Resident Evil zum Handkuss. Möge das Schlachten beginnen!
Wer kennt das nicht: man wacht in einer von Untoten bevölkerten Geisterstadt auf und stellt fest, dass man sich an nichts erinnern kann. Schön, ich gebe zu, dass es schon realistischere Szenarien für einen Ego-Shooter gab, allerdings macht gerade dieses lebensfeindliche Ambiente das Spielgefühl von Resident Evil aus. Denn Survivor ist tatsächlich ein Kampf um's Überleben.
Dies liegt vor allem daran, dass man nicht speichern darf. Keine Schreibmaschinen, keine Ink Ribbons. Man überlebt entweder das ganze Spiel oder beginnt von vorn. An und für sich keine schlechte Idee: es erhöht das Survival-Feeling, da man wirklich darauf achten muss, was man tut, wann man Herbs oder First Aid Sprays benutzt oder sich diese besser aufspart, ob man sich Kämpfen stellt oder um sein virtuelles Leben rennt. Auf der anderen Seite kann es an manchen Stellen - vor allem in Zusammenhang mit dem Tyrant - ziemlich frustrieren, nicht speichern zu können.
Die Kulissen scheinen dem ersten Resident Evil-Kinofilm als Inspiration gedient zu haben. Survivor bietet unter anderem Krankenhäuser, unterirdische Labors und menschenleere Straßen. Der Soundtrack ähnelt dem von Resident Evil 2 und unterstreicht das Horror-Feeling noch.
Horror-Feeling, hm. Natürlich ist Survivor in erster Linie ein Shooter. Da man hier, anders als beim Original, wo man immer nur ein Stück des nächsten Ganges oder Raumes zu sehen bekommt, die meisten Gegner schon auf langer Sicht entdeckt, ist ein entsprechender Widerstand nicht ganz so schwierig. Manchmal gibt es Schock-Momente, wenn plötzlich ein verborgener Zombie hinter, über oder unter einem auftaucht, generell allerdings sind die 'üblichen' Resident Evil wesentlich furchteinflößender.
Resident Evil Survivor ist ein netter Ego-Shooter, der stark vom Ambiente und Spielgefühl der Reihe profitiert. Die Grafik präsentiert sich sauber, wenngleich nicht allzu spektakulär (sie erinnert an das erste 'Die Hard'), der Soundtrack ist stimmig, die Steuerung ist schlicht und daher entsprechend rasch verinnerlicht - was bleibt ist eine Storyline rund um die Amnesie eines Mannes, der tiefer in die Verbreitung des T-Virus in der Kleinstadt verwickelt ist, als man zu Anfang glaubt - und eine Menge Zombies und andere Monster, die ins Nirvana geschickt werden wollen. Einen Stern ziehe ich aufgrund der zeitweise frustrierenden, fehlenden Speichermöglichkeit ab, einen weiteren, weil Survivor für ein vollwertiges Videospiel viel zu kurz geraten ist. Es hätte sich toll als Erweiterung für Resident Evil 2 gemacht, in dieser Form bietet es allerdings zu wenig spielerische Materie. RE-, Horror- und Light Gun-Fans können zugreifen, alle anderen sollten Survivor unbedingt erst anspielen.