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Tanja Langers Roman «Cap Esterel»
«Zuviel Erinnerung versperrt den Weg ins Leben» weiss einer der Protagonisten in Tanja Langers ziemlich kurzem Roman «Cap Esterel», und wen es erwischt, der ist müd und matt und kann doch niemals tief und ruhig schlafen. In diesem Fall heisst der betroffene Mensch Michel, ist ein aufstrebender Architekt, der soeben seinen ersten eigenen Auftrag abgewickelt hat und daraufhin einen kurzen Urlaub einlegt. Am Mittelmeer, in einer offensichtlich etwas verwunschenen Pension.
Er ist, das stellt sich bald heraus, auf der Suche nach seiner Mutter und was das für angehende Männer und mehr noch für gelegentliche Lebensabschnittspartnerinnen bedeuten kann, das wird in dieser Geschichte dargelegt. Michel ist nämlich zurückgekehrt an den Ort, an dem sein Vater und seine Mutter etwa dreissig Jahre zuvor beim Baden ertrunken sind. Er hat das gleiche Zimmer gemietet, in dem er seinerzeit mit Eltern und Bruder untergebracht war, und ein wenig wunderlich geistert er nun durch den Ort und atmet den Duft der Vergangenheit.
Grund genug hat er dafür: Sein Leben ist nämlich allenfalls äusserlich in Ordnung und innerlich recht desolat. Er ist seit Jahren fest gebunden, aber Leidenschaften kommen in dieser Beziehung wohl nicht vor. Einmal nur, Jahre zuvor, hat er sich auch auf eine Affäre eingelassen, aber nach zwei Nächten war schon alles aus. Er ist ein einsamer Waisenjunge geblieben, und alles, was ihm widerfährt, führt zurück an jenen letzten Ferienort, wo er sich seiner Mutter noch nahe fühlen durfte, um sie dann verschwinden zu sehen.
Damals war er ein kleiner Kerl, der nur wenig verstehen konnte am allerwenigsten die Blicke zwischen der Mutter und dem Verkäufer in einem Kiosk am Strand, der das Leben der Frau durcheinanderzubringen drohte und doch keine Chance hatte, weil die Mutter ihre familiären Pflichten viel zu ernst nahm. So addieren sich Enttäuschungen und Ängste vor dem Verlassenwerden, Entsagungen und kleine Demütigungen über Jahrzehnte weg zu einem dichten Geflecht, kleinteilig zusammengesetzt aus den seinerzeitigen Briefen der verunsicherten Mutter an eine Freundin, aus den traurigen Erzählungen einer Geliebten Michels und aus seinen eigenen, höchstpersönlichen Erfahrungen. Diese parallel laufenden Varianten einer einzigen Geschichte verschmelzen nach und nach zu einem pastellfarbenen Bild, schön drapiert im milden Licht des Mittelmeeres und auf ein tröstliches Ende hin geordnet wie eine gelungene Therapie.
Michael Schmitt -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein außerordentliches Romandebüt voller sprachlicher Schönheit,
Von Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen (HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 10 REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: Cap Esterel: Roman (Taschenbuch)
"Cap Esterel" ist Tanja Langers erstes Buch, nach den Erfolgen ihrer letzten Romane ( zuletzt: "Kleine Geschichte von der Frau, die nicht treu sein konnte") jetzt auch bei DTV wieder neu aufgelegt. Schon hier, in diesem eher kurzen Roman, deutet sie an, was schriftstellerisch und poetisch in ihr steckt.Sie erzählt auf drei Ebenen von der Suche von Menschen nach Liebe, nach erwachsener Liebe. Der junge Architekt Michel, seit sieben Jahren mehr oder weniger glücklich mit Judith liiert, fährt mit seinem Auto an die Cote d'Azur. Er mietet sich dort in einem Ferienhaus ein; es muß genau dieses sein, und kein anderes. Wieso, fragt man sich beim Lesen, und im Verlauf des Buches schält es sich heraus: Michel ist auf der inneren Suche nach seiner Mutter, die zusammen mit seinem Vater an eben diesem Strand, an den er nun zurückkehrt, ertrunken ist. Michel blieb damals mit seinem Bruder Patrick zurück, der diesen Schock allerdings nicht verkraftete: er sprang mit 10 Jahren in ein leeres Schwimmbecken ... Michel hat den Tod seiner Mutter aber auch nicht wirklich verarbeitet. Erst als er ein Schwimmbad (!) projektiert und dann auch vollendet, geht er daran, sein Leben neu zu ordnen. Er erinnert sich auf der Fahrt und in den beiden Wochen seines Aufenthaltes am Cap Esterel an Elisabeth, seine großen Liebe, die er aber nicht wirklich als Mann lieben konnte, weil er zu sehr mit seiner Mutter lebte, bzw. mit der unaufgearbeiteten Trauer um sie. Auch Elisabeth hat Michel nie vergessen. Sie ist mittlerweile verheiratet, hat Familie. Tanja Langer komponiert sehr geschickt ihre Erinnerungen an Michel mit seinen aktuellen Erfahrungen am Mittelmeer. Und sie flicht noch eine dritte Ebene ein: sie lässt Michels Mutter sprechen, die sich gegen ihren Willen im Sommer ihres Todes verliebt hat in den algerischen Kioskbesitzer Jules. Als Michel sich auf die Suche nach seiner Mutter macht, ist nicht nur "Madame" noch da, die ihm das Studio von damals vermietet und sich noch sehr genau an die französisch sprechende deutsche Frau mit den beiden kleinen Buben erinnern kann, sondern er begegnet auch Jules, der seit dieser Zeit dort geblieben ist, sich nicht gebunden hat und seiner großen, im Meer verschwundenen Liebe nachschaut ... Als Michel sich endlich nach einer für ihn erlösenden Erfahrung im Wasser von seiner Mutter löst, ruft er Elisabeth an. Doch es ist schon längst zu spät für die beiden ... Ein wunderschöner Roman mit großer poetischer Kraft über die Bedingungen für ein erwachsenes Lieben. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Spannend, kurzweilig und anspruchsvoll!,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Cap Esterel (Taschenbuch)
Den Roman "Cap Esterel" habe ich mit großem Genuß gelesen. Die Handlung entführt einen an die Côte d'Azur und schon nach wenigen Seiten kann man das Meer förmlich rauschen hören und den Duft der Zypressen riechen. Doch "Cap Esterel" ist keine leichte Unterhaltung, sondern ein intelligent gebauter Roman, in dem drei Figuren abwechseln zu Wort kommen und einander ergänzen. Held der Handlung ist der junge Architekten Michel, der sich in Südfrankreich erstmals seiner Vergangenheit stellt. Und am Ende offenbart sich dem Leser das schreckliches Geheimnis seiner Kindheit. "Cap Esterel" ist ein spannend und kurzweilig geschrieber und dabei anspruchsvoller Roman. Und eine solche Mischung findet man wirklich höchst selten im Bücherregal!
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5 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
schlimmer als Schullektüre,
Von
Rezension bezieht sich auf: Cap Esterel (Taschenbuch)
Ich habe mir das Buch gekauft, weil sich die Inhaltsangabe gar nicht schlecht angehört hat. Leider wurde ich im höchsten Maße enttäuscht.Das Buch wird aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt: 1.) Michel, der Münchner Architekt, der seine Eltern verloren hat und das jetzt aufarbeiten will (was er dann auf den letzten paar Seiten auch tut). 2.) Elisabeth, die von ihrem Liebesleben, oder besser gesagt von ihrem Sexleben berichtet und 3.) Héléne, die es wirklich fertig bringt zwei volle Seiten über ihre Traurigkeit zu schreiben und etwa 90 Seiten später über eine Tischdecke philosophiert (und das über eine Seite lang). Außerdem befinden sich in diesem Buch hunderte von Gedankensprüngen, die man nicht nachvollziehen kann. Dazu kommt noch, dass ein Satz überhaupt nicht in den gesamten Text passt oder ein ganzer Abschnitt fehl am Platz ist. Darüberhinaus besteht mindestens die Hälfte des Buches nur aus Farbbeschreibungen, die mit der Handlung (die sowieso nicht besteht) nichts zu tun hat. Mein Glück war es, dass das Buch groß geschrieben ist und nur 158 Seiten hat. Ich habe schon viele Schriftsteller gelesen, von denen ich kein zweites Buch kaufen werde, aber dieses Buch ist schlimmer als Goethe (und Goethe ist für einen Schüler schon einer der schlimmsten Schriftsteller aller Zeiten). Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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