Schwere Kost für die Metalheads auf dem Wacken Festival: Sie bekommen als erste das neue Werk der Mittelalterrocker Corvus Corax zu hören - und das klingt weit weniger verdaulich als ihre sonst so tanzbaren Rhythmen. Auch die "Könige der Spielleute" setzen nun auf die Unterstützung eines Orchesters - mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass hier nicht alte Stücke neu interpretiert werden. Stattdessen wühlen die acht Musikanten in den Tiefen der Klassik. Vor drei Jahren hatten Corvus Corax sich erstmals an die durch Carl Orff bekannten Teile der "Carmina Burana" herangetraut, diesmal wurden 13 unbekanntere Texte aus der mittelalterlichen Handschrift komplett neu vertont. Dafür sind natürlich großangelegte Streicher- und Bläserarrangements genauso nötig wie Opernchöre, tiefe Baritongesänge und die typischen selbstgebauten Instrumente, die Fans der Kolkraben erwarten. Und so klingt die Liedsammlung größtenteils gar nicht ungewohnt und abgehoben, sondern sehr vertraut. Bombastisch, aber doch Corvux Corax - und dadurch einzigartig. (es)
RBB Kulturradio 31.07.08
Den "klanglichen Kern" von Corvus Corax bilden Dudelsäcke, und zwar besonders laut tönende Exemplare, ergänzt durch andere mittelalterliche Instrumente, einschließlich eines besonders heftigen Schlagwerks. Insgesamt kann Corvus Corax sich stolz als die lauteste Band "unplugged" weltweit bezeichnen.
Aber laut an sich ist ja keine ästhetische Qualität: Corvus Corax prägt einen unverwechselbaren Mittelalter-Sound aus, der freilich heftig polarisiert. Was der eine als emotional höchst zupackend empfindet, kommt dem anderen als zu "hämmernd-monoton" vor.
Der klanglich-emotionalen Grundorientierung blieb die Gruppe auch treu, als man sich 2005 daran machte, Lieder aus der Carmina Burana neu zu vertonen. Bei diesem Projekt arbeitete die Gruppe mit einem Sinfonieorchester sowie einem Chor zusammen. Die Produktion erschien unter dem Titel Cantus Buranus. Am 1. August 2008 wird nun Cantus Buranus II veröffentlicht.
Man bemüht sich um eine bewusste Alternative zu Carl Orff einerseits, andererseits zu dem, was die Alte Musik unter diesem Etikett anbietet. Als Hörer kann man wiederum so begeistert wie irritiert sein. Ich gehöre zur ersteren Gruppe. Einer objektiven Bewertung entzieht sich das, was man auf dieser CD hört. Es ist Neue Musik in unserer Zeit. Und in diesem Bereich walten in Komposition und Rezeption allein subjektive Normen. Bernhard Morbach, Kulturradio am Mittag