Die Mittelalterwelle "boomt" und hat uns in den letzten Jahren einerseits viel pseudomittelalterliches Gedudel beschert, andererseits aber auch "echten" Mittelalter-Gruppen wie Estampie, dem Ensemble für frühe Musik Augsburg, den Freiburger Spielleyt und dem Ensemble Perceval ein kleines Stück vom Erfolgskuchen beschert. Nahezu alle haben sich auch an den "Cantigas de Santa Maria" versucht (einer Sammlung von ca. 400 Marienliedern, die der spanische König Alfons X im 13. Jh. teils selber dichtete und komponierte, teils dichten und komponieren ließ). Meiner Meinung kommt keine der Interpretationen jedoch an die Intensität der hier vorliegenden des Wiener Ensembles Unicorn heran. Allein schon die Zusammenstellung und Auswahl der "Cantigas" ist hier äußerst liebevoll gestaltet. Eingerahmt von einem Prolog und einem Epilog, wechseln lebhafte mit meditativen Stücken und die Stimmen eines Bassbaritons und eines Countertenors ab, wobei sich der Countertenor als ein glasklar intonierender männlicher Mezzosopran erweist. Die Unmittelbarkeit dieser authentischen und doch leicht zugänglichen Interpretation zieht auch Hörer in den Bann, die mittelalterliche Musik nicht sehr gewohnt sind (so war es - zu meiner Überraschung - bei meiner Frau), so dass sich die CD auch als guter Einstieg in richtige Mittelalter-Musik eignen dürfte.