Bachs Kantate " ich habe genug" gibt es mit grossartigen Interpreten, heissen sie nun Dietrich Fischer-Dieskau, Max van Egmond ,Matthias Goerne oder Thomas Quasthoff. Zahlreiche andere Bass-Baritone wären zu nennen, wie Hans Hotter. Es gibt eine feste Hörgewöhnheit.
Wenn man das Stück von einem Sopran gesungen hört, ist man erst einmal irritiert. Die Gewohnheit wird gestört. Nachzulesen ist, dass Bach diese Kantate mehrfach bearbeitet hat, eben auch durch Transposition nach e-moll, durch Ersetzen der Oboe durch eine Querflöte, eben für Sopran.
Das Stück verändert dadurch seinen Charakter. Der warme Ton der Arie, Schlummert ein, ihr matten Augen, wird in der Version für Sopran zu einer zarten Aufforderung. Auch die Schluss-Arie, Ich freue mich auf meinen Tod, klingt in der Version für Sopran etwas fremd,obwohl Emma Kirkby, wie nicht anders zu erwarten, diese Arie fabelhaft singt und den männlichen Kollegen vorführt, wie leicht man Koloraturen singen kann ( wenn man es kann).
Die Hörgewohnheit ist sehr mächtig. Neben der Bass-Bariton-Version ist die Version für Sopran fremd,auch wenn gar nicht zu bestreiten ist, dass Bach selbst diese Bearbeitung ja vorgenommen hat,also der Auffassung gewesen sein muss, dieses Stück passt auch für einen Sopran.
An der Interpretation liegt es sicher nicht. Das Freiburger Barock-Orchester musiziert ebenso fabelhaft wie die Solistin Emma Kirkby. Beide zeigen ihre Kunst in einem weiteren Stück, das Orchester im Konzert für Oboe und Violine ( eine der schönsten Versionen dieses viel gespielten Stückes überhaupt) und Emma Kirkby in der Kantate, Mein Herze schwimmt im Blut,BWV 199.
Das zentrale Stück ist die Kantate,Ich habe genug-BWV 82-
Wenn man die Sopran-Lage als Stimmgattung bevorzugt, sollte man zu dieser Aufnahme greifen.Als Alternative gibt es- gelegentlich-die Aufnahme mit Hendricks und Schreier.
Ich bekenne mich zur meiner Hörgewohnheit und bleibe bei der "dunklen" Version für Bass-Bariton.