Cantata 140, auch als The Crack in Space veröffentlicht, vereint zwei Standard-Plotideen von PKD. Die Bevölkerungsexplosion und die Existenz von absurden Parallelwelten. Im Jahre 2080 ist ein Großteil der Überbevölkerung dadurch gelöst, daß man Millionen von Menschen eingefroren hat, die sogenannten «Bibs». Abtreibung ist fast zur Pflicht geworden. Bis eines Tages ein defektes kleines Teleportationssystem (der Jiffi-Scuttler) einen Riss zu einer parallelen Erde öffnet, in der sich nicht der Homo Sapiens, sondern der Pekingmensch zur dominanten Spezies entwickelt hat. Dick wickelt diesen Plot elegant um den Wahlkampf des ersten farbigen Präsidentenanwärters, der den Tiefkühl-Menschen eine Übersiedelung verspricht, um Organhandel, um einen Bordell-Satelliten, der von einem nichtganz echten siamesischen Zwilling geleitet wird, und läßt die Geschichte locker flockig dahinperlen. Man wird das Gefühl nicht los, daß Dick hier fast Stream-of-Consciousness schreibt, was ihm gerade so in den Kopf kommt. Entsprechend unfokussiert irrlichtert die Geschichte etwas vor sich hin, der Plot verebbt am Ende arg antiklimaktisch. Selbst Dicks Spezialität, eine absolut durch und durch glaubhafte Gegenwirklichkeit zu erschaffen, verebbt hier etwas. Die Welt der «Pekes» bleibt skizzenhaft, seltsam indirekt, oberflächlich… Aber das wird wettgemacht durch die wilden, unwirklichen Ideen, die Dick hier entschlossen um sich wirft, wie etwa den siamesischen Zwillinge George Walt, der als Nebenfigur eingeführt und sich zunehmend in den Vordergrund spielt, bis er zum Windgott und entscheidenden Spieler des Buches mutiert. Cantata ist ein wilder Ritt durch eine Geschichte, die vorne und hinten durch keine Logik, keinen Handlungsfaden zusammengehalten wird, und trotz alledem Spaß macht. In mancher Hinsicht ist Cantata also ein Placebo, aber zumindest ein ziemlich wohlschmeckendes.