Nachdem ich meine 450D 3 Jahre ausgereizt hatte, war ein Um-/Aufstieg fällig.
Die 60D kam mir sehr gelegen. Wenngleich in vielen Rezensionen von einem Abstieg in der xxD Klasse gesprochen wird, so kommen mir die angemeckerten Punkte sehr gelegen - SD-Karten kann ich weiter nutzen, Magnesium Gehäuse braucht wohl nur der Profi, der mehrere Bodys um die Schulter geschnallt hat und die Kameras ständig aneinander knallen!
Puuuhhh, aber ganz ehrlich, welcher ambitionierte Hobby- oder Amateurfotograf geht so unachtsam mit seinem Material um?
Den etwas langsameren Serienbildmodus gegenüber der 50D hat keine Bedeutung... ich komme ja von der 450D mit 3,5 Bildern/sec. ;-)
Den Klappbildschirm kannte ich von meinen früheren Zeiten mit der Powershot G3 und fand dies ein weiteres nettes Gimmick. Beim Filmen oder Macros sehr hilfreich, heute bei einer Veranstaltung aus der hinteren Reihe: Kamera hoch halten und über die Köpfe hinweg fotografieren - klasse.
Wichtige Kriterien, die für mich wichtig für eine Entscheidung bzw. Aufstieg waren:
- Hohe ISO Empfindlichkeit (ich fotografiere viel in Innenräumen mit ungünstigen Lichtverhältnissen, Blitz nicht immer möglich oder zu wenig Reichweite). Hier hatte die 450D schon bei ISO 800 deutliches Rauschen.
Hier gleich meine erste Begeisterung bei ersten Tests. ISO 3200 sind kein Problem, um nicht zu sagen, erst bei 100% am Bildschirm ist hier überhaupt etwas vom Rauschen festzustellen. Selbst ISO 6400 sind akzeptabel, wenn man die Ausbelichtungen auf kleinere Formate bis 13x19cm ausgibt.
- Schärfenachführung bei Serienbildern mit bewegten Motiven. Mann, da hatte die 450D echte Schwierigkeiten. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Die 60D ist einfach eine andere Klasse. Zehn aufeinander folgende Bilder bei einem auf mich zubewegenden Objekt waren alle optimal scharf. Klasse!
- Weißabgleich. Bei der 450D war es wohl eher Zufall, wenn der Weißabgleich mal gepasst hat. Daher hatte ich mir für alle Aufnahmen angewöhnt, in RAW zu fotografieren und jedesmal alle Bilder zu überarbeiten (was mit Canons DPP wenigstens schnell zu bewerkstelligen ist). Bei einfachen Aufnahmesituationen, bei denen Situationen nur dokumentiert werden sollen, kommt es nicht auf das letzte Quentchen an Qualität an, da fand ich die ständige Nachbearbeitung manchmal lästig, zumindest aber zeitaufwändig.
Die 60D trifft den Weißabgleich zu fast 100%. Ob innen mit wenig oder viel Licht, Kunstlicht oder Außenaufnahmen mit Sonne oder Schatten, das Ergebnis ist geradezu beeindruckend. Dokumentationen in JPG sind nun ohne Probleme und Nachbearbeitung möglich.
PS: Hier hilft natürlich auch die Funktion der Vignetierungskorrektur in der Kamera. Mein Immerdrauf Canon EF-S 18-200 IS hat hier doch eine sichtbare Schwäche, die seither nur im RAW (einfach) korrigiert werden konnte. Die 60D macht dies gleich selbst und speichert das JPG ohne die lästige Randabdunkelung.
- Auflösungsvermögen: In vielen Testberichten und Rezensionen wird von den Schwächen von Megazooms und deren Auflöung gesprochen und dass hier 12 Megapixel ausreichen. Meine Meinung: vergesst das und testet es selbst! Unumstritten bleibt der Sinn und Zweck von solchen Auflösungen im anspruchsvollen Hobby-Bereich. Ein (1) RAW-Bild hat schlappe 28-30MByte Größe. Macht bei gerade mal 100 Bildern knappe 3GB. Klar, Speicher wird immer billiger und Festplatten kosten nicht die Welt.
Aber auf einem 3 Jahre alten PC kann man diese Datenmengen kaum noch in vernünftigen Zeiten bearbeiten. Alleine der Bildwechsel dauert etwas (Scharfstellung bei 100% ca. 3-5 Sekunden), von einer Massenkonvertierung eines Urlaubsordners mit 500 Bildern dauert fast eine Ewigkeit.
Nun aber zurück zum Anfang des Absatzes: Eine aus ca. 20m entfernte Tanne mit demselben 18-200 Objektiv aufgenommen, einmal 450D, einmal 60D und demselben Bildauschnitt betrachtet: Es ist frappierend, wie die einzelnen Nadeln der Tanne bei der 60D bei 100% noch zu erkennen und zählen sind. Bei der 450D und 12MPixel konnte hier nur noch ein "Ast" erkannt werden, der wie bei einer Tanne aussieht.
Wie wird wohl das Ergebnis bei einem L-Objektiv aussehen...
Ich persönlich finde gegenüber der 450D noch klasse:
- ISO Begrenzung im Auto-Modus
- LCD-Display mit ANzeige der wichtigsten Einstellungen
- Videomodus (muss ich noch ausgiebig testen. Da ich aber kein Videofilmer bin und nur zwischendurch meinen Sohn festhalten möchte, klasse Funktion. Soweit nur meine ersten Versuche: Video klappt und Qualität für mich ausreichend)
- Objektivkorrekturen in der Kamera (wie Vignetierung, etc.)
Leider ein lästiger Nachteil, wurde aber bereits mehrfach beschrieben. Das Einstellrad lässt sich nicht 360° drehen, sondern hat am Ende einen Anschlag. Also vom Movie Mode zu Custom Mode... 19 Rasteinstellungen zurück.
Trotzdem: Entschluss nicht bereut, volle Punktzahl.
Resümee:
Alle Aufsteiger aus der Consumerklasse xxxD können getrost auf die 60D aufsteigen.
Alle Semiprofis sollten wohl von der xxD auf die 7D aufsteigen. Hier werden einfach andere Anforderungen gestellt, wie Microadjustment des Focus, mehrere Speicherkartenslots, CF-Card, etc.
Alles andere wurde bereits geschrieben.
PS: Nun werde ich so langsam mit meinem Sigma 70-200/2.8 auf Tour gehen. Sollten sich hier Neuigkeiten ergeben, schreibe ich eine erweiterte Rezension.
Nachtrag 22.04.2012
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Inzwischen habe ich einige Tausend Fotos geschossen, bin immer noch glücklich.
Microadjustment - wie von einem Kommentator geschrieben - ist reiner Marketing Gag. Wenn das Licht stimmt, focussiert die 60D mit den verschiedensten von mir getesteten Objektiven astrein (Sigma 70-200 f2.8 HSM II, Tamron 18-200mm, Tamron SP 60mm f2 Macro, Canon 24-105mm f4 L, Canon 18-200 EF-S, Canon EF-S 10-22mm, Tamron 18-270mm)
Ein weiterer Liebling von mir ist das EF-S 10-22mm USM. Ich habe hierzu eine eigene Rezession geschrieben. Und bei Weitwinkel ist der Focus eh nicht so das Problem, da in diesen Brennweitenbereichen eigentlich alles scharf ist, wenn die Linsen es zulassen. Aber im Zusammenspiel mit der 60D, absolute Empfehlung.
Gerade in diesem extremen Weitwinkelbereich ist der Klappbildschirm absolutes muss. Man loegt hier ständig auf den Knien oder komplett auf dem Boden, um die extremen Bildwinkel von Blumen, Menschen oder allen möglichen sonstigen Objekten eindrucksvoll abzulichten.
Selbst Überkopfbilder sind hier immer wieder gefragt. Kurzum, ich möchte den Klappbildschirm nicht mehr missen.
Ich wollte noch etwas zu dem Sigma 70-200 DG HSMII schreiben. Hier nur vorab, eine eigene Rezession folgt.
Das Teil ist in allen Bereichen völlig frei von Verzeichnungen oder Vignetierung (hängt natürlich auch mit dem kleineren Sensor zusammen, das 70-200 ist für Vollformat ausgelegt).
Weiterhin extrem scharf, focussiert auf den Punkt und im Zusammenspiel mit der 60D auch in der nicht stabilisierten Version jeden Cent wert.
Eine Frage würde mich noch brennend interessieren. Im Menü lässt sich die Auslöse-Lautstärke einstellen (STufe 1,2 oder abgeschaltet). Bei mir ändert sich hier gefühlsmässig gar nichts, weder GEschwindigkeit noch Geräusch.
Hat hier jemand schon Erfahrung gesammelt oder das getestet? Wie sieht das bei euch aus?